Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1840)
- Article
- Jerusalem: die synagogalen Gebräuche
- Date
- 1840-01-25
- Page
- 29 (sequence 5)
- Language
- German
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und Gerste; eS giebt daher nur weißes Brod. Für den Fremden/ namentlich für einen aus dem kornreichen Deutschland eingewanderten, ist der Mangel an Kornbrod empfindlich. An. Gemüsearten und Bauwfrüchten hingegen giebt es reichlichen Ueberfluß, und auch jene im Occident unbekannten Gattungen, welche an verschiedenen Stellen der Mischna und des Talmud Vorkommen, und die hier sämmtlich mit demselben Namen, wie Maimuni in arabischer Sprache sie bezeichnet, genannt werden. Sehr zu bedauern ist der gänzliche Mangel an Kartoffeln; zwar wurden schon mehre aus Polen eingebrachte in Palästina verpflanzt, doch sie wurden vom rohen Pöbel noch unreif ausgerissen; die wenigen von Italien nach Bayrut versendeten, werden hierorts sehr rheuer bezahlt. Ochsen sieht man in ganz Palästina nicht. Da Kühe nur dann geschlachtet werden, wenn sie zur Arbeit unbrauchbar geworden und fast nicht mehr so viel Lebenskraft besitzen, sich fortzuschleppen, so ist ihr Fleisch beinahe ungenießbar, aber dennoch theuer. Nur die in dieser Gegend vorzüglich fetten Schafe geben das schmackhafteste Fleisch. Diese versehen uns auch allenthalben mit guter Milch, da es nur wenige Ziegen giebt, und die Kühe gar nicht melkbar sind. Die Muhammedaner genießen nur dann vom geschlachtetem Vieh, wenn der Schächter die Formel „Im Namen des allmächtigen Gottes" gesprochen. Auf andere Weise als nach jüdischer Vorschrift geschlachtetes Vieh genießen sie durchaus nicht. Sammtliches Vieh wird daher nur durch Israeliten vorschriftmäßig geschlachtet; ist nun deren Fleischbedarf hinlänglich befriedigt, so wird das übrige, so wie auch das wegen Teresot für diese verbotene Fleisch von Muhammedanern gekauft. Die Spannader wird vorschriftsmäßig ausgeschieden und. sodann die Hinteren Viertel gegessen. Das Einzige, was den hiesigen Aufenthalt ungemein erschwert, ist die ungewöhnliche Theurung, die noch immer im Steigen ist. Die Ursache dieser Theuerung ist zunächst, die zur Sicherheit des Landes seit der jüngsten Revolution angeordnete Militarbesatzung in ganz Palästina, namentlich aber hier in Jerusalem, so wie auch die fast unerschwinglichen Abgaben, welche die Inländer, besonders aber der Bauernstand zu tragen hat. In letzterer Hinsicht herrschte vor der Revolution eine wahre Unabhängigkeit und Willkür; es wurden weder Steuern noch sonstige Abgaben von den Gütern und Ertragnissen des Landes an die Behörde entrichtet; die Lebensmittel konnten daher zu den billigsten Preisen verkauft werden. Seit der Revolution hingegen nahm das Geschick Palastina's eine andere Wendung. Die Auftechthaltung der Ordnung, und der Vollzug der Landesgesetze soll nunmehr durch Militargewalt bewirkt und ausgeführt werden, welche Anstalt drückende Lasten und eine allgemeine Theuerung zur Folge hatte. Dazu komme noch der Nebelstand, daß hier nicfjt wie in kultivirten Staaten der Verkaufspreis der Lebensmittel nach amtlichem Tarif brstimmt wird, sondern es bleibt der Willkür des Verkäufers überlassen, seine Waare zu beliebigen Preisen abzugeben. Von obgedachten Abgaben, so wie überhaupt von allen drückenden Lasten, die der Pascha seinen Unterthanen auflegt, sind die Franken befreit. Wir genießen des besondern Schutzes unserer europäischen Consuln (in der Landessprache Paschatoren genannt) und die drückenden Landesgesetze berühren uns nicht im mindesten. Während noch vor wenigen Jahren der abendländisch gekleidete. Europäer der öffentlichen Beleidigung ausgefetzt war, wird jenem in neuerer Zeit mit Zuvorkommenheit begegnet. Die Einquartirung des Militärs geschieht nach barbarischer Weise; die Familien.werden verjagt und oft noch dazu mißhandelt; nur die Franken bleiben verschont. Auf noch originellere Weise wird bei Anwerbung der Soldaten, die ganz unerwartet zuweilen dreimal jährlich stattft'ndet, verfahren. Um Mitternacht dringen mehrere Hauptleute in die Häuser der Stadt und schleppen die Söhne als Soldaten fort, welches Geschäft so ast wiederholt wird, bis die bestimmte Zahl aufgebracht ist. — Möge es dem geehrten Rabbinen in Hürben gefallen, diese seine Verdeutschung der hebräischen Mittheilung seines Bruders fortzusetzen. Deutschland. 14. Jan. Bei der ergebnißlosen Gleichmäßigkeit unserer Zustande, die den besten Correspondenten in Verlegenheit setzen könnte, möge der Orient sich diesmal mit-einer literarischen und biographischen Mittheilung begnügen. Der als neuhebräischer Dichter sehr bekannte MLir Letteris hier hat durch die gefällige Mittheilung eines italienischen Freundes eine kostbare Handschrift des Hingeschiedenen Dr. Isaak Luzzatto erhalten, das den Titel: „Toldot Jizchak^ führt. Diese Handschrift enthält 73 der schönsten neuhebräischen Gedichte, die würdig sich den besten poetischen Ergüßen der italienischen Schute anreihen können, und die Letteris mit tinzuistifchen und historischen Bemerkungen versehen hat, um sie so ausgestattet jetzt zu veröffentlichen. Dem Litecatursreund ist es gewiß genehm, bei dieser Gelegenheit eine Lebensskizze dieses verstorbenen Dichters zu erfahren; eine solche Skizze will ich hier mittheilen. Isaak Luzzatto wurde in San Daniele del Friuli im Jahre 1730 geboren, er war so mit ein Venetianer, da San Daniele damals zu diesem Gebiete gehörte. Einen Zeitraum von 47 Jahren lebte et ungestört in seiner Heimat, die Heilkunde wie sein Bruder Efraimo Luzzatto übend, als im Jahre 1777 ein Befehl erging, daß sammtliche Juden in den kleinen Octschaften und Dörfern in die größeren Städte übersiedeln oder auswandern sollen. Die meisten Juden