Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1840)
- Article
- Jerusalem: die synagogalen Gebräuche
- Date
- 1840-01-25
- Page
- 27 (sequence 3)
- Language
- German
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aufgefuhrt. Im Apcil des Jahres 1837 begann die Arbeit mit Ausgraben des Bodens zur Befestigung der Grundmauern. Man sing an auf zwanzig Stellen gegen 15 Ellen tief auszugraben, und jedesmal stieß man auf unterirdische Gewölbe und Gebäude von ausgezeichneter Bauart. Noch 'immer werden neue Entdeckungen gemacht, die Jeden in Erstaunen setzen; unter andern wurde eine breite Straße. aufgefunden, welche sich zwischen großen Gebäuden hinzieht, von welchen mehrere dreistöckig waren. *) *) lieber den frühern Zustand Jerusalems in Bezug auf Wasser, der dem jetzigen fast entgegengesetzt ist, höre man, was K. v. Raumer in seinem Palästina (S.329f.) berichtet. „Strabo, da er die Belagerung Jerusalems durch Pompejus erzählt, sagt: „die Stadt war in ihrem Innern mit Wasser wohl versehen,- ihre Umgegend aber durchaus trocken." Wahrscheinlich litt Pompejus Belagerungsheer durch den Wassermangel, was mehreren Heeren, welche späterhin Jerusalem belagerten, wsterfuhr; dagegen wird nicht erwähnt, daß die belagerten Einwohner Jerusalems je Durst gelitten hätten; im Gegentheil. Schon bei der Belagerung Jerusalems durch Nebukadnezar heißt es (2 Kön. 25, 3): 2Cm neunten des Monats nahm der Hunger überhand in der Stadt, und es war kein Brod da für das Volk des Landes. Eben so gedenkt Jeremias (Klagl. 2, 20; 4, 4. 5. 9. 10) nur der entsetzlichen Hungersnoth bei ' jener Belagerung, non Durst ist weder im Buch der Könige noch in den Klageliedern die Rede. Während der Belagerung Jerusalems durch Titus sagt zwar Josephus in einer Rede an die belagerten Juden, um sie zur Uebergabe zu bewegen: Titus habe reichlich Quellwasser. Allein diese Aeußerung scheint grundlos und nur darauf berechnet, die Belagerten zu täuschen, da Dio Casst'us bei Beschreibung derselben Belagerung Jerusa- I lemS äußert; „am meisten litten die Römer durch Mangel an! Wasser, welches sie, selbst stinkendes, weit her holen mußten." Wenn Josephus dagegen die gräuliche Hungersnoth in Jerui salem während des Titus Belagerung bis ins Einzelne schildert, wenn er erzählt, daß die Menschen Leder, Unrath, ja daß eine Mutter ihr eigenes Kind gegessen: so erwähnt er nirgends, daß die Einwohner irgend Durst gelitten. Wilhelm von Tyrus, welcher die Eroberung Jerusalems durch Gottfried von Bouillon beschreibt, bestätigt gleicher Weise jene Charakteristik Strabo's: es sei Wasserreichthum in der Stadt, Wassermangel in ihrer Umgebung. „Die wasserarme Gegend war durch die höchste Hitze des Sommers noch mehr ausgedörrt, der Bach Kidron versiegt, Siloah unschmackhast, und alle andere benachbarte Quellen von den Saracenen verschüttet oder zerstört. In Schlauchen und auf Lastthieren mußten die Wallfahrer das Trinkwasser an sechs Meilen weit holen und wurden dabei oft und gefährlich von den auflauerndm Arabern beunruhigt. Niemals aber reichte das so herbeigeholte Wasser für den Bedarf des Heeres: man verkaufte es zu hohen Preisen, man stritt und schlug sich über den Besitz ' und über die Reihe des Schöpfens. Zuerst stürzten deshalb die Pferde und andere Lastthiere in großer Zahl verschmachtet zu Boden, und ein verpestender Gestank erfüllte die ganze Gegend; später erlagen auch die Menschen, weil sie nirgends Schatten gegen die stechende Sonne fanden, nirgends Schutz wider die glühenden Südwinde. Immer erzeugten leichte Wölkchen die Hoffnung des Regens, und immer wurde man Die Hitze in den Sommerkagen ist nicht weniger als drückend, indem beständig eine fanfte erfrischende Kühle getauscht. Da suchten die Pilger sich in die kühlere Erde einzugraben und legten frische Erdschollen auf ihre Brust; aber bald hatte die Hitze auch jene durchdrungen. Sie tranken hierauf Blut und (eckten den feuchten Niederschlag von den Steinen." Als nun die Stadt endlich durch Gottfried erobert war, so fand sein Heer in derselben einen großen Ueberfluß an Wasser, woran es während der Belagerung so sehr Mangel gelitten." Sowie Jerusalem in vieler Hinsicht durchaus eigenthümlich und von allen Städten der Erde verschieden erscheint, so auch hinsichtlich dieses seltsamen Wasserreichthums. Dem Cisternenwasser, so viel dessen auch in der Stadt gesammelt wird, dürfte er doch wohl nur zum Theil beigemeffen werden. Salomos Wasserleitung, welche vom versiegelten Brunnen bei Bethlehem Wasser nach Jerusalem führt, konnten die Belagerer leicht abschneiden, da die Leitungsröhren derselben so wenig tief laufen sollen, daß die Araber selbige zuweilen verstopfen. Noch mehr: alle Quellen Jerusalems liegen, jetzt wenigstens, außerhalb der Stadt: Siloah, der Brunnen Mariä, Nehemiä Brunnen, der obere und untere Teich Gihon; in der Stadt wird keine Quelle erwähnt, nur der einzige Teich des Hiskia, der wohl schwerlich Trinkwasscr enthalt. War auch bei der Belagerung durch Titus die Quelle Siloah im Besitz der belagerten Juden, so war sie doch bestimmt im Besitz der belagernden Franken Gottfrieds von Bouillon. Und dennoch verdursteten Letztere, während die Belagerten in^entes copias aquae hatten l — Es ist hier etwas Unerklärliches, vielleicht ein wohlbewahrtes Geheimniß, zu dessen Lösung wir nur einige Fingerzeige haben. Neuere stritten, ob Siloah westlich oder südöstlich von Jerusalem zu suchen sei. Aus oben angegebenen Gründen entscheide ich mich bestimmt für südöstlich. Dennoch dürften auf gewisse Weise beide Theile Recht haben, wenn namkich das Quellwasser von der Westseite der Stadt unter der Stadt weg und bei Siloah zum Theil ausflösse. Diese Meinung führt Troilo an. „Es ist Siloah," sagt er, „ein wunderlicher Brunnen, welcher an dem Orte nicht entspringt, sondern durch in die Erde eingelegte verborgene Röhren kommt das Wasser von andern Orten dahin." — Andere rechnen, „das Wasser dem Brunnen Gihon zu, und daß solches alles in den Brunnen Siloah fließe, so Ezechras (Hiskia) in die Stadt hat abgeführt." Vom Brunnen Gihon sagt Troilo: derselbe sei verfallen, man sehe da alte zerbrochene Röhren, welche das Wasser wahrscheinlich in den obern Teich (Gihon) geführt. Der König Ezechias habe aber den Brunnen, als Sanherib gegen ihn gezogen kam, verstopfen <2 Chron. 32, 2—4) und das Wasser durch unterirdische Röhren in die Stadt führen lassen. Letztere Ansicht gründet sich auf 2 Chron. 32, 30: „Er ist der Hiskia, der die hohe Wasserquelle in Gihon zudeckte und leitete sie hinunter von Abendwärts zur Stadt Davids;" und 2 Kön. 20, 20. „Was mehr von Hiskia zu sagen ist, und was er gethan hat, und der Teich und die Wasserrohren, damit er Wasser in die Stadt geleitet hat, das ist geschrieben in der Chronika" rc. Auch Sirach 48, 19 erzählt: Ezechia befestigte seine Stadt und leitete Wasser hinein; er ließ in den Fels graben und Brunnen machen. Die Quelle war hiernach früher außerhalb der Stadt auf ihrer Westseite zum Vortheile belagernder Feinde Hiskia scheint deshalb dieselbe in großer Tiefe abgefangen, unter dir 4*