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Der Orient · 1840-01-18 · 3 (18.1.1840) · p. 38

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
3 (18.1.1840)
Article
Poetische Anklänge in den Talmuden
Date
1840-01-18
Page
38 (sequence 3)
Language
German
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39 S. I. Rapaport: Die poetischen Anklänge in den Lalmuden. 49 Bar-Kappara wußte aus diesen Worten zu schließen, daß er im Leben nie eine Würde mehr erhalten würde." Wir müssen zur Aufhellung des Ganzen folgende mit sehr kurz gefaßten Cituten begleitete Punkte vorausschicken. a) Bar-Kappara war einer der gelehrtesten Rabbinen seiner Zeit, und hatte für seine Schule eigene, vielleicht als Gegenstück jener Don Rabbi, redigirte Mischnijot versaßt (man sehe Baba-Batra 154, h. Midrasch Echa im Eingang. Jalkut Balak, wo es heißt: Einer fragt dich um die Mischnijot des Bar-Kappara, ein Anderer um die des R. Chija, ein Dritter um jene des Rabbenu Ha-Kadosch" d. i. des Nast Rabbi Jehuda). Zugleich war er auch ein Verehrer der griechischen Sprache (m. s. Bereschit Nabba Zköschn. 37.), der Himmelswissenschaft (Sabbat 75, a,), der griechischen Fabelgedichte und durch seinen Scharfsinn Verfasser eigner Fabeln (m. s. Wajikra Rabba Abschn. 28. Midrasch Kohelet im Ans. Ketubot 104, a. j. Kilajim Abschn. 9.), und spaßiger Satycen (ebmd. Nedarim 50, b. 51, a.), Gegner aller Geheimlehren und Theosophien (Bereschit Rabba im Ans.), Beförderer der Handwerke unter den Israeliten (Kidduschin am Ende), sehr human selbst gegen Andersglaubende und daher auch angesehen bei den römischen Beamten (Midrasch Kohelet P. Schelach Lachmecha). Kein Wunder also, wenn er sich oft herausnahm, den Nasi selbst nicht zu verschonen, und mehr noch, die Fehler, welche er bei den Gliedern seiner Familie bemerkte, zu rügen und mit scharfen Glossen zu beleuchten, wenn er sich auch dadurch ihren Unwillen zuzog (Moöd Katon 16, a, Baba Batra 16, b. Nedarim 50, b. 51, a.), wo wir nicht auf die in babylonischen Lehrstellen vorgebrachten Gespräche und Witzeleien, sondern auf die gewiß bekannten Vorgänge Rücksicht nehmen, daß man nämlich den Bar-Kappara zur Hochzeit R. Simon's, des Sohns des Nasi, Anfangs gar nicht einladen wollte, und daß am Ende, als man ihn doch eingeladen, die Tochter des Nasi sammt ihrem Gatten Ben-Elascha die Späße Bar-Kappara'S nicht ertragen konnten und das Hochzeitshaus verließen. M. s. noch Kidduschin 33, a.), wo nach meiner Meinung der Text zu emendiren ist). Es scheint auch, daß die Familie des Nasi Bar-Kappara's Erhebung zu irgend einer Würde nicht zuließ. In unserer Stelle des Jeruschalmi (Moed Katan) heißt es zwar, daß seine Nichterhebung erst durch die von ihm angestellte Rathselaufgabe des Ben-Elascha veranlaßt wurde. Eine andere Ursache aber zum Grolle Rabbi's gegen ihn findet sich im babylonischen Talmud (Moed Katan 16, a.), wo R. Simon die von ihm für unartig gehaltenen Worte Bar- Kappara's seinem Vater überbrachte, und ihn dadurch so unwillig machte, daß er Bar- Kappara zu verstehen gab, er sei in den Bann gelegt. b) Das Räthselgedicht trägt an sich unverkennbare Kennzeichen, daß Venus dessen Gegenstand sei. 4) Wir wollen nun sehen, wie sich die Griechen über manche hierher gehörige Eigenschaften derselben ausdrückm. „Zuerst ist sie bei den Dichtern Symbol der Allgewalt der Liebe, der nichts im Himmel und auf Erden widerstehen kann, vor der kein Alter, kein Stand geschützt ist. Alle himmlischen Machte sind von ihr besiegt worden. Sie wird auch die Allbezwingerin genannt. Unter ihre Erzeugungen gehören auch Phobos und Deimos (Furcht und Schrecken), wie es scheint, wegen ihrer unwiderstehlichen und tief verletzenden Schlage. Sie erscheint bald fröhlich, bald trauernd) bald schmeichelnd, bald zürnend; bald zum Glücke, bald zum Unglücke; erregt bald Schmerz, bald Freude. Ihre Attribute sind auch Geißel, Pfeil und Bogen, welche überhaupt auf Herrschaft und Allgewalt deuten. Es giebt zweierlei, oder besser zwei verschiedene Beinamen der Venus, nämlich 4) Es ist ein nicht geringer Moment zu der sinnreichen Deutung Rapaport's, daß 2( pfytobite mit ihren Attributen den Lehrern der talmudischen Zen auch aus dem hke und da im heiligen Lande errichteten Statuen derselben wohlbekannt sein mußte. Einem Zeugnisse des Diakon Marcus zufolge (im Leben des Bischofs von Gaza, Porphyrius) bestanden im4.Jahrh. n. Ehr. in Gaza acht Tempel, die heidnischen Göttern geweihr waren, unter diesen auch ein Tempel der Venus. Ebenderselbe berichtet, daß an einem Quadrwium Gaza's, genannt TszQ^acpodog eine Marmorstatüe der Venus ans einem Marmoraltar gestanden habe. Und Hieronymus schreibt (epist. ad Paulin.): „Von den Zeiten Hadrians bis zur Regierung Constantins ungefähr 180 Jahre hindurch wurde an der Stätte der Auferstehung ein Standbild Jupiters, auf dem Felsen des Kreuzes eine marmorne von dm Heiden ausgestellte Statüe der Venus verehrt, indem die Urheber der Verfolgung meinten, uns den Glauben an die Auferstehung und das Kreuz rauben zu können, wenn sie die heiligen Oerter durch Götzenbilder befleckt hätten. Unser jetziges Bethlehem, den glorreichsten Ort des Erdkreises, von dem der Psalmist singt (Ps. 84, 12): Veritas de terra orta est, umschattete cm Hain des Thamus, das ist, des Adonis, und in der Grotte, da einst das Christuskind weinte, wurde der Buhle der Venns beheult (amasius Veneris phmgebatui)." Ferner sehen wir aus den Talmuden, daß in Bädern die Statüe der Aphrodite aufgestellt war. So wird Aboda sara 44, b. in der Mischna ein bw yniD (Sab vor Aphroditl, nach dem durchweg obwaltenden Jtacismus der Aussprache) erwähnt, und Maimuni bemerkt dazu, daß Aphrodite der Name des Sterns sei, der sonst rUJ/ arabisch ez-zahra genannt werde. In einem Kikab et-Thelasim werde der Planer es - zahra ausdrücklich Aphrodite genannt. Welches Kitab et - Thelasim Maimuni hier versteht,.- ist unbestimmbar; Thilsem {zs7.s6f.ia, Talisman) ist im Arabischen, von wo es ins Hebräische überging (s. Buxtorf s. v. DD^ pl. DUVEobD), der Name einer wundertätigen zauberischen Schrift, und Bücher der Art schweiften von der Kunst der Talismane (*ilm thilsem, s. Hammer Wissenschaften des Orients S. 509 f.) wohl in das Gebiet der Stcrndeuterei (Um ahkam en-niigüm) und Horoskopie (lim ei-ichfcijarät) hinüber. Bergt, übrigens über das Aphrodite-Bad: Jalkuth f. 278, a.

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