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Der Orient · 1840-01-18 · 3 (18.1.1840) · p. 39

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
3 (18.1.1840)
Article
Poetische Anklänge in den Talmuden
Date
1840-01-18
Page
39 (sequence 4)
Language
German
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41 S. D. Luzzatlo: Ueber die hebräische Berskunst. 42 Urania, die Himmlische, wegen ihrer reinen geistigen Eigenschaften (Funke, Reallexikon Art. Venus; Reinbeck's Mythologie S. 53 — 57.). Nun muffen wir noch den Unterschied der griechischen und streng orientalischen Auffassung der Frauenschönheit bemerken. Die zur Lust und zum Vergnügen geneigten Griechen verwandelten auch Altes, was zu ihnen vom Orient kam, in Lust und Vergnügen. Obwohl Venus die Allbezwingerin genannt und Alles von ihr besiegt wird, so wünschen doch alle, sowohl himmlische als irdische Wesen in ihrer Nahe zu sein, und Amoretten flattern beständig um sie her. Dagegen mußte sie bei den strengen Orientalen gerade wegen ihres großen Anziehungs-Vermögens von jedem jungen Mann gefürchtet, gemieden werden. Die alten aber, die nicht mehr diese Anziehung zu fürchten haben, werden doch vom Zauber ihrer Schönheit überrascht und bleiben wie gefesselt. Hören wir, wie sich ein jüdischer essaischer Schriftsteller^) über diesen Gegenstand ausdrückt: „Ich finde, bitterer als der Tod sei die Frau, deren Herz Schlingen und Netze, deren Hände Fesseln sind. Der Gottgefällige entgeht ihr, der Sünder wird in ihrem Netze verstrickt" (Pred. 7, 26.). Merkwürdiger Weift gleicht der Schluß dieses Verses ganz dem Schlüsse unseres Gedichts^ Selbst Engel müssen ihrer Nahe fliehen, da auch sie durch Schönheit verführt werden und in Sünde verfallen können (l.§5. M. 6, 2.). Statt der umflatternden Amoretten bei den Griechen sehen also die Orientalen bei der Erscheinung der Venus fortfliehende Genien. Sehr sinnig laßt aber der Dichter hier den Fliehenden seine Flucht bedauern, indem er doch beständig zur Nähe der Schönheit sich zurücksehnt. Es mußte schon dies den Nasi verdrießen, daß Bar- Kappara seinen Schwiegersohn so mystisicirte, indem er ihm einen solchen Gegenstand der Frage an ihn unterlegte. Es laßt sich aber noch vermuthen, daß in diesem Räthsil auch Winke über den Charakter der Frau Ben- Elascha's, der Tochter des Nasi, sich finden (m. vergl. wieder Nedarim 51, a.). Das hier geschilderte Toben mag zugleich einer Eigenschaft jener Frau entnommen sein. Man kann auch vorausfttzen, daß zu jener Zeit, als der jerusalemische Talmud redigirt wurde, auch alle Umstande der Familie des Nasi bekannt gewesen sind; und um so mehr erscheint nun der Witz Bar-Kappara's scharf, und der Verdruß des Nasi motivirt. —> 5) Rapaport scheint also das Buch Kohelet, das nach dem Talmud Baba-Batra Hiskia und seine Genossenschaft (iTpin jnjPD)). redigirt haben, zu apokryphiren. 2Cuf jeden Fall soll das Beiwort: essaisch den Charakter, nicht die Partei des Schriftstellers bezeichnen, aber auch, in diesem Fall scheint es uns unpassend gewählr.. . Ueber die hebräische Berskunst von S. D. Luzzatto. (Fortsetzung.) 9) Mendelssohn nimmt Tetrameter an, z. B. Ton o 'n njwin D*w }DD *0 Herr steh^ uns bei! die Frommen sind dahin Und mit dm Gläubigen ists unter den Menschen aus. und laßt überdies die Aufeinanderfolge zweier Verft von ungleicher Quantität zu, z. B. hjns toid1? wjn onirD b wo nnnnD X)m Dem Roß an Pharao's Prachtgespann Vergleich ich meine Freundin, dich! Schön sind in Kettlein deine Wangen, Dein Hals in Perlenschnüren. (M.) und stellt fest, daß die Verse sich aus einer geringeren Anzahl von Füßen sormiren, wo der Gedanke erhabener und die Idee großartiger ist. 10) Joel Löwe fügt hinzu, daß zwei lange Wörter gleich drei kürzeren gelten, z. B. w'i'ph mirp nrvn Juda wurde fein Heiligthum, Israel sein Herrscherstaat. 1DK3 TTP Ttt Einst redet er zu ihnen in seinem Zorn, In seinem Flammeneiftr erschreckt er sie. hx xbz DH nmtarD uidjd Sie ereiferten mich mit Ungöttern, Aergecten mich mit ihren Nichtigkeiten. Und gerade dieser zusätzliche Kanon, durch welchen das System Azarla's eine sein Wesen zerstörende Modification erleidet (welches ja eben darin besteht, daß im hebräischen Vers die Ideen berechnet werden, ohne sonst dm größeren oder niederen Umfang der Worte zu berücksichtigen), beweist, daß diese gelehrten und feinfühligen Pacteigänger jenes Systems von der Unzureichenheit desselben, das an Mannichfaltigkeit überreiche Gewebe der biblischen Verft auseinanderzulegen, selbst überzeugt waren. 11) Noch mehr erhellt die Unzureichenheit des Systems aus dem von R. Azaria festgestellten und von

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