Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 3 (18.1.1840)
- Article
- Poetische Anklänge in den Talmuden
- Date
- 1840-01-18
- Page
- 37 (sequence 2)
- Language
- German
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37 S. I. RapaporL: Die poetischen Anklänge in den Lalwuden. 38 densten Nationen, erscheinen; nirgends zeigt sich das Streben, rein, geschweige denn schön zu schreiben." Und ebend. S. 133: „Es giebt im Talmud gar keine Kunstgedichte. Nirgends findet sich ein Beispiel bewußter Verarbeitung eines gewählten Stoffes nach idealen Principim. Die Talnmde sind Kolosse Eorinthischen Erzes, in denen die Fragmente der poetischen Sage mit den Metallen der scholastischen Halaka in einander geschmolzen sind; große Scheuern, in welche das Getreide der Gesetzüberlieferung, untermischt mit den bunten Cyanen und feldduftigen Lilien der Sage, eingetragen ist, wie sie abgeerntet sind." Folgende Stellen mögen beweisen, daß auch bei manchen Rabbinen der talmudischen Epoche Sinn für Schönheit der Sprache und der bildlichen Darstellung zu finden war. So kommt ein fast metrisches und sehr wohlklingendes Gedicht vor, welches auf die Iurücksendung der heiligen Lade von den Philistaern an die Israeliten (1. Sam. 6, 11.) in talmudischer Zeit verfaßt wurde- Es lautet Aboda Sara 24, 6. wie folgt: nmn w un ‘■pin am Dmvm ant ^Dp-D npjwnD»! Ojm* mtn n^non. Juble, juble, Akazienschrein, Zeuch einher iix stiller Pracht! O du, mit Goldteppichen umfahn. Gepriesen laut im innersten PcrUast, Und in dem köstlichsten Geschmeide prangend!) 1) An diesen Vers dieses Gedichtes knüpft sich in der Gemara die Frage Naba's: WD")S np ]NDD und die Antwort darauf ist "TCtt, wodurch nicht nur das Wort rn'n (das Allerheiligste, der Verwahrungsort der Gesetztaftln), sondern auch die Verwechselung der Städtenamen und nnpB (Jos. 15, 15) erklärt werden soll. Napäport hat in den Hasagot zu Landaus Aruch bereits richtig bemerkt, daß in der Frage Raba's nicht Sifra, sondern Safra (Schreiber) zu lesen sei; denn vergeblich sucht man im Persischen nach einem ähnlich klingenden Worte, das die Bedeutung Buch hätte; das persisch-arabische defter, talmud. dNNLN, Öccp&eQcc liegt viel zu ferne. Aber in der That ist das altpersische debir, dibir (beide Formen füiden sich bei Meninsti) Bezeichnung eines Schreibers oder Notars; besonders hieß bei den alten Persern der Priester so, welcher die Aufsicht über die Schule (mekteb) hatte. Dieses Wort, welches auch Kleuker im Glossar der Zendavesia und Vullers km Glossar der Chrestomathie des Schahname anmerken, ist aus der jetzigen Sprache entschwunden, es hat sich aber erhalten in der Terminologie der Sternkunde als Name Mercurs (sonst Dt h ä r i d) der , wie im Hebräischen 2m (Kafctdb 3 sonst synekdochisch 3DD)/ fo im Persischen Di dir 1 Felek, der Schreiber der Himmelssphäre, genannt wird, mit einem epitketwn oriicui«: Debilssaib efetedbir. Dieser Nanie findet sich auch in einigen altarabkschm, davon abgeleitetm Benennungen des Dann eine ebenfalls metrische und rein hebräische Elegie auf das Absterben R. Sera's, welche zugleich die Hauptmomente seines Lebens enthält. Es ist folgende (Moöd Katan 2ö, b.): mn pN nywyw rtfm pN npn »tidn rh nj-w inmm rnaa ’D Das Land Schinar empfing und gebar, Das Wonneland z) zog seinen Liebling groß. Q wehe ihm! — so rufet Rakkat^) Denn seiner Zierden schönste ist dahin! Endlich eine allegorische, ebenfalls rein hebräische Satyre von Bar-Kappara (jer. Moöd Katan, Abschn. 3.). Da dieses Rathselgedicht, sowohl an sich als die Veranlassung desselben, von den bisherigen Eommentatoren nicht befriedigend erklärt worden ist, so will ich die nach meiner Meinung richtige Übersetzung und Erklärung der ganzen Stelle hersetzen: „Rabbi (gewöhnlicher Titel des Nasi, besonders des Rabbi Jehuda, des Ordners der Mischmjot) war Verehrer des Ben-Elascha (seines reichen Schwiegersohns). Einst sprach Bar-Kappara dm Letztem mit folgenden Worten an: „„Rabbi wird von Jedem um Aufklärung (irgend einer schweren Stelle) angesucht, nur von Dir nicht."" Jener erwiedecte: „„Nun was soll ich fragen.?"" Da versetzte Bar-Kappara: „„Lege ihm folgendes Rathse! vor: nsptw n^mo nrnn Tom nwi : n'Dto hi ninöD warn) onp nun :VU3Jf U3p DWW nn djh Oft schauet sie vom Himmel herab, Tobt oft in ihrem kauern Gemach; Sie verscheucht selbst geflügelte Wesen (Engel). Erscheint sie, verbergen sich Junge, Uud Alte bleiben wie gefesselt. Der Entfliehende bereut die Flucht, Und der Verstrickte seinen Fehltritt." " Bei der Frage schaute Rabbi um sich, und erblickte Bar-Kappara, wie er lächelnd zuhörte. Da sagte er zu ihm: „„Ich erkenne dich nicht mehr, Alter!"" dies Mercurii, deren Bedeutung aber schon zur Zeit des Grammatikers CHalil zweifelhaft gewesen zu sein scheint. Ihm nachgebildet scheint der arabische periphrastische Name des Mercurius: el-kätib el-athain, der große Schreiber. Beiläufig bemerke ich, daß im Talmudischen Mercurius (die Hermessäule) in verderbt ist, s. Or Ester S. 129. 2) Das Land Israel, das Westland, Palästina, wo der in Babylonien geborene Sera gebildet worden war. 3) Liberias, nach jer. Megklla 15, a.