Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 3 (18.1.1840)
- Article
- Sefer Ikkarim, oder Grund- und Glaubenslehren ...
- Date
- 1840-01-18
- Page
- 32 (sequence 2)
- Language
- German
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33 34 Sefer Jkkarim: Bericht über Josef Albo und seine Zeit. Glaubenslehre zu entwickeln. In Aragonien siegte zuerst das Christenthum über den Islam; dort war es auch, wo die junge Siegerin mit dem Fanatismus sich verwählte, um vereint gegen maurische Civiliscttion, gegen außerchristliche Poesie und Wissenschaft zu kämpfen. Wahrend die Juden unter dem Schutze des Halbmondes in poetischen Ergüssen tändelten, astronomische, medicinische und philosophische Werke sorglos schrieben oder übersetzten, wurden die in Aragonien durch blutige Verfolgungen aufgeschreckt und zur Vertheidigung des Glaubens gedrängt. Das Christenthum suchte durch die Gewalt der Rede oder des Schwerdtes alles Abweichende zu besiegen; alle Wissenschaft war nur Kampf, und die Juden suchten zu retten, was sie vermochten. Die großen und gebildeten aragonischen Gemeinden zu Calatajud, Huesca, Alcaniz, Alcoja, Monzon, Daroca, Velesa, Montalba x, ©trottet, Saragossa und Monreal waren die Platze, wo wir die jüdischen Apologeten antreffen, und die erste Verfolgung in Folge des Relkgionsstreits war nur ein Nachtgemälde Aragoniens, da kein einziger Abgeordneter anderswoher erschienen war. Nach dem Religionsstreite wandte sich Aldo nach Soria, in welcher zweiten Heimat er seine Jkkarim niederschrieb; „hier nach Soria hat der Beweger aller Dinge mich einwandern lassen" sagt Aldo selbst in der Vorrede seiner Jkkarim. Das ist das Wenige, welches wir von Aldo wissen. Sein Styl ist aber der Gegensatz zu seinem so stürmischbewegtem und bis in die tiefste Tiefe erschüttertem Herzen; er ist so beschwichtigt und eintönigscholastisch, als wäre sabbatlkche Ruhe um ihn hergewesen. Er schreibt nicht jenen reinen Jntelligenzstyl, wie der aristotelische Musa Maimuni, nicht jene seelenvolle Sprache, wie der platonische Philo, wo die Objectivität des Gedankens in Feuerzungen des subjectiven Ausdruckes spricht; sein Styl geht neben ihm her, der Gedanke hält das Herz mit Iauberketten gefangen. Nun wollen wir auch einen Blick auf jenen Religionsstreit zu Giro na werfen, so weit die erhaltenen Reste es möglich machen, um dann zu den Uebersetzern uberzugehen und unsere Wünsche auszusprechen. Der Verfasser des Schebet Jehuda erwähnt in der Aufzählung der Verfolgungen der Juden den aragonesischen Religionsstreit, bei welchem Albo zugegen war, als die vierzigste Kalamität, und ihm verdanken wir vorzüglich die Erhaltung der Notizen über diesen merkwürdigen Vikuach. Josua Lorki (aus Lorca in Murcia) ging aus Feindschaft und Haß gegen das Judenthum zum Christenthum ODfiCSD) über, und führte als Convertit den Namen „Maestro Geronymo di Santa fe", welchen Namen die Juden später abbreviirend r^D nannten. Er war Leibarzt des Gegenpapstes Benedict, und übersetzte als solcher die Werke des Jbn-Sina, wie man noch aus Handschriften weiß; aber er war auch in der jüdischen Literatur sehr bewandert, nur sein Haß gegen das Judenthum, namentlich gegen die Juden, war noch stärker als seine Gelehrsamkeit. Er bestürmte ven Papst, daß er die gelehrtesten Juden Aragon's zu einem Religionsstreite mit ihm versammeln möge, welchen er dann aus dem Talmud beweisen wolle, daß der Messias bereits gekommen und daß Jesus der Messias sei; der Papst gab ihm hierin um so eher nach, als er sein päpstliches Ansehen geltend machen wollte. Die Juden entschlossen sich nur ungern zu diesem Schritte, da sie wohl wußten, daß der Sieg ihnen vielleicht verderblicher werden könnte als eine Niederlage; darum betrachteten sie es schon im Voraus als Unglück und Kalamität (npiäl ma), und viele Gemeinden Aragoniens suchten sich diesem Streite zu entziehen. Ein Fragment des Sendschreibens, welches der berühmte Abun-Estrok der Gemeinde zu Girona zugesandt, hat uns Salomo Virga in seinem genannten Werkchen erhalten. Es lautet: „Söhne Israels, edlen Stammes, ihr Freien Juda's! ihr deren Häuser undMauern Gutthat und Ruhm umschließen , wo man das Heil Gottes in Liedern besinget, wo die Hochsitze des Gesetzes und der Sitte, die Throne des Talmud aufgeschlagen sind, euer Herz bleibe jugendlich in Ewigkeit! Was ihr aus der Vorzeit ermerket, das werdet ihr auch jetzt wahrnehmen, daß nämlich unser Retter nicht schlummert und nicht schläft, auf daß er uns den Suchern unsers Unglücks entziehe. Aus unserer Mitte ist ein entarteter Sproß erblühet, er sinnet und trachtet, uns zu vernichten und den Glauben der Wahrheit zu stürzen; dieser Sproß ist Josua Lorki. Um zu beweisen, daß er ein Christ in Wahrheit und ein Hüter des neuen Glaubens sei, spinnt er verderbliche Pläne uns zu verführen; er bestürmte den Papst, einen Befehl ergehen zu lassen, daß die Hauptgelehrten der Juden in Girona erscheinen sollten, damit er ihnen aus dem Talmud beweise, der Messias sei längst gekommen. Auch sagte er zum Papste man müsse uns zum Christglauben zwingen, wenn er für dessen Wahrheit Beweise geliefert, und diese Beweise seiner Heiligkeit fit DD H) als wahrhaftige erscheinen. Ich komme nun, um euch alle diese Begebnisse zu verkünden, aus das ihr euch speciell vorbereitet, wie ihr dem Apostaten antworten; denn manche Gefahr haben wir beseitigt, als wir bei den Geistlichen und Granden waren, da es sehr Viele gab,/ die unschart beschuldigten u. s. w." So wert das erhaltene- Fragment, worauf die Aufzahlung der Deputaten und der Gegenstand ihres Streites berührt wird. Es war am ersten Neujahrsmorgen 1412, da trafen die Abgeordneten der jüdischen Gemeinden. Aragoniens in Girona zusammen, und zwar nur aragonesische Gelehrte, da Lorki, vorzüglich diese-zum disputiren aufgefordert.. Saragossa *) *) Als Beitrag zur Erklärung der in hebräischen Schriften-verkommenden'Ortsnamen stelle ich-hier die bei dieser Re-