Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 3 (18.1.1840)
- Article
- Sefer Ikkarim, oder Grund- und Glaubenslehren ...
- Date
- 1840-01-18
- Page
- 31 (sequence 1)
- Language
- German
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Literaturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. JSfi 3» Leipzig, den 18. Januar 1840. Sefer Jkkarim, übers, v. Schlesinger (Josef Albo «. seine Seit; die Judengemeinden in Aragon). — S. I. Rapaport: die poetischen AnMnge in den Talmuden (Bar-Kappara; die Kenntniß der griech. Mythologe bei den Talmudisten). — Lu zzatto: über die hebr. Verskunst. — Das Buch Kuzari von Dr. Brecher (jüdische Religionsphilosophie). — Literarische Ankündigungen. —- Sefeik Jkkerrim, oder Grund - und Glaubenslehren der mosaischen Religion/ von Joseph Albo. Nach der ältesten und correctesten Ausgabe ins Deutsche übertragen und mit Anmerkungen begleitet von W. u. L. Schlesinger. Erstes Heft. Frcmkft. M. 1838. 8. (Auf schlechtem Papier, aber von der Häßlichkeit des Druckes übertroffen.) Unter allen gottbegeisterten Gelehrten Sefarad's, welche bei dem tragischen Wendepunkte des jüdisch-iberischen Lebens ausglanzten, nimmt der ernste und freisinnige Josef Albo, aus Soria in Attkastilien, wie die Bibliographen behaupten, würdig seinen Platz ein. Es war im Jahre 1425, gerade in einer Zeit, in welcher die einzige Aussicht der Juden Verfolgung und Scheiterhaufen waren, als unser Albo, von dem Anblicke so vieler tausend Blutzeugen der Synagoge in der innersten Seele erschüttert, mir hellem Sinne die Mysterien des heiligen jüdischen Glaubens durchdachte und die unerschütterlichen Grundsätze in sein Buch Jlkarim sammelte. Auf dem Schlosse zu Girona, in Gegenwart des Gegmpapstes Petro de Luna, gewöhnlich Benedikt der dreizehnte genannt, im Beisein der rohen Granden, der fanatischen Geistlichen, des hochmüthigen Adels, dort lernte er die Polemik gegen das Christenthum, und die unermeßlichen Leiden seiner Glaubensbrüder drängten seinen Geist zur Erforschung der uralten Säulen des jüdischen Glaubens, und zwar eines Glaubens, für welchen ganze Gemeinden den sühnenden Opfertod starben. Denn wir sehen unfern Albo dreizehn Jahre vor der Abfaffung seiner Jkkarim, im Jahre 1412, auf jenem erwähnten Schlöffe, wie er, in Gemeinschaft fo vieler unsterblichen Männer seines Volkes, mit dem blutdürstigen Hieronymo de Santa Fede eine sogenannte Religionshetze auszuhalten hatte. Nur noch fünf Jahre lebte er nach Abfaffung dieser Ehrenrettung des Judenthumsz seine Gebeine wurden in Soria von seinen Brüdern versenkt, und für das baldige Nachfolgen vieler Leidtragenden Genoffen des Glaubens hat bas Glaubensgericht der Inquisition mit Eifer gesorgt. Sein Lehrer war der erste Bekampfer der aristotelischen Philosophie, der fromme und begeisterte Chasdai Kreskas aus Saragossa, der in seinem der Glaubenslehre des Judenthums vorzüglich gewidmeten Werke Or Adonai dem jungen Atto di gemessene Bahn seiner Thatigkeit gleichsam vorzeichnete. Der gelehrte Kreskas schrieb aber auch noch unmittelbar für das Judenthunr; denn er schrieb eine Schrift in spanischer Sprache über die jüdischen Glaubensartikel, welche Schrift nachher der berühmte Josef Schemtob ins Hebräische übertrug. Da Albo's Lehrer schon 50 Jahre vorher (1380) gestorben war, so scheint Albo wenigstens siebzig Jahre alt gewesen zu sein, als er 1430 zu Soria starb. — Kaum war ein Menschenalter nach Albo verstrichen, als aus den Gefilden Soria's jede Spur des Judenthums floh; die Statte, wo Albo's Gebeine ruheten, blieb ohne Mal, ohne Denkstein, oder wurde in dem Drange der Zeiten umpflügt. Was aber sein restgnirendes und frommes Talent, seine schöpferische Glaubensbegeisterung in leidenschaftlosen keuschen Worten niedergeschrieben, hat bereits vier Mal sein Säcularfest gefeiert. — Die gerechte Pietät, die wir gegen große Männer hegen, ist stets von einer Achtung vor ihr Vaterland, oder wenigstens vor ihre.Vaterstadt begleitet; und auch Albo's Vaterland, wo so viele ausgezeichnete Männer Israels wirkten, verdient eine nähere Beleuchtung. Albo war aus Monreal am Xiloca, nichr aus Soria, wie die Bibliographen berichten - die jüdische Gemeinde in Monreal war es, die den Albo aus ihrer Mitte zu jenem Religionsstreite nach Girona abgeschickt, um dort die Sache des Glaubens zu vertheidigen, und alle Mitkämpfer und Genossen waren wie er Aragonesen. Denn in Kastilien erwachte nicht das Streben, das Judenthum philosophisch zu durchdringen, da die äußere Anspornung fehlte, und nur im Königreiche Aragonien, wo der Ankampf des Christenthums die Juden aufregte, erstand der glühende Eifer, Princrpien der 3