Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1840)
- Article
- Berlin
- Date
- 1840-01-11
- Page
- 15 (sequence 3)
- Language
- German
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15 zu dürfen. Das aber ist das Zeugniß des ed len Kernes eines Volkes, das es im Mitten seiner' Kampfe und Wünsche nie vergißt, gerecht zu sein. Was nützt uns Deutschen jener Prunk der philosophischen Dialektik, jene Prahlerei mit Ideen und Intelligenz, wenn die Köpfe' verschroben sind, die einfachsten Rechtsfragen richtig zu beurtheilen. Das Unglück der Deutschland nahen Slaven ist nur die germanische Berührung , aber nicht die Juden; die Entartung ihres Adels, die Verkümmerung der Stadteverhaltniffe, jene Knechtesnacht, die drückend über das Slavengebiet lagert hat der- Deutsche im Verlaufe eines Jahrhunderts hervorgerufen, wie auch das paradiesische Italien neben ihm und durch ihn verkümmert. Der Jude verlangt in diesen Landern nicht nach Freiheit des Gewerbes, er will ein Bürger sein; ec will das Land bauen, an Stadteordnungen Theil nehmen, um so dann für feinen Herd den Kampf mitzukampfen; der Jude sehnt sich inbrünstig nach der Endschaft seiner Jsolirung im Staate.. Wenn der Berliner Publicist jenen Völkerndie fischblütige deutsche'Bedächtigkeit anrathen wollte, dann hatte er auch der komischen Tragik dabei erwähnen sollen, daß unter zwei- Millionen slavischer Juden kein Einziger auf gesetzlichem Wege Nachtwächter zu werden vermag. u n g a r n. Pesth, 1. Dec. (Schluß). Die, vor einigen Monaten bei Schmid im Preßburg erschienene Bearbeitung desH i ob von G abr iel De ssa u er entspricht zwar, weder der deutschen Uebersetzung nach, noch dem-hebräischen Commentare nach, den gegenwärtigen Anforderungen einer wissenschaftlichen Exegese. Wenn man aber bedenkt, daß dieses exegetische Produkt aus der talmudischen Schule hervorgegangen, — der Verfasser ist ein Schüler des seligen Sofer, — so wird man dasselbe, besonders in Rücksicht auf das schöne Hebräisch, in welchem der Commentac geschrieben ist, gewiß mit Nachsicht beurtheilen. Es ist gewiß erwähnenswert!), daß. R.. Moses Sofer? auch der ^deutschen Uebersetzung seine Approbation gegeben. Ich kann nicht umhin, hier auf ein merkwürdiges Manuscript aufmerksam zu machen, welches ich in Pesth bei meinem werthen Freunde, Herrn Dc. Schwimmer, zu sehen Gelegenheit hatte. Es ist eine bis zum Buchstaben 0) fortgesührte vollständige C on cordanz des Talmuds, von einem , in Ungarn unter dem Namen R. Sinn Lamd.au bekannten, bereits verstorbenen Privatgelehrten, welche das bekannte Pachad Jizchak an Ausführlichkeit und zweckmäßiger Anordnung. bei weitem übertrifft. Diese, vom Verfasser selbst mit ungewöhnlicher Zierlichkeit geschriebene Handschrift, welche zwei große Foliobande ausmacht, und nur Einmal existirt, wäre für manche Bibliothek gewiß eine schöne Acquisition, da schon die vollendeten Buchstaben bei mancher kritischen Arbeit sehr wichtige Dienste zu leisten geeignet sind, und bei der Genauigkeit, mit. welcher der Verfasser sein Werk behandelte, das mühsame Suchen in den Quellen, wenn nicht ganz überflüssig machen, doch mindestens sehr m leichtern. Ein Buchhändler, welcher etwa durch einen Verein von Gelehrten dieses Riesenwerk, dessen Halste als fertig zu betrachten ist, und kaum einer Revision, bedarf, seiner Vollendung zuführen wollte, könnte das Manuscript um einen äußerst billigen. Preis am sich bringen. — Die Literatur der Rcligonsbücher und' Katechismen haben auch die ungarischen Lehrer, aber mit nicht sehr glücklichem Erfolge, zu bereichern gestrebt. C. Skreinka in Arad, E. Horwitz in Preßburg haben Katechismen geschrieben, die außerhalb der Grenzen ihrer Gemeinden und Schulen kaum bekannt worden sind.. B e r na cd F r a n k e l 's Volksschriften haben das Verdienst, daß sie in den Landgemeinden Geschmack an deutscher Lectüre verbreiten. Rußland. Petersburg, 14. Dec. Diejenigen Hebräerfawilim in dm westlichen Gouvernements des Reiches, welche in ganzen und ungetheilten Familien dem Landbaue sich widmen und als Ackerbauer große oder kleine Landgemeinden von 56--80 Köpfen stark, sich auf den durch Kauf acquirirten oder aus Pacht zu bestimmten Fristen übernommenen Kronlandereien ansiedeln, sollen auf 60 Jahre der Rekrutenverpflichtung enthoben bleiben. (H. ß,) ltman (in K leinrußland), 4. Dec. Es ist merkwürdig, daß trotz ttüler Sympathie, die Leidensbrüder an einander kettet, der glühendste Haß gegen Juden gerade unter denjenigen Völkern herrscht, die mit ihnen unter einemgleichen Schicksale lebten und leben. Wir nennen nur die Griechen und Polen. Letztere haben dies mehrmals auf eine boshafte Weise beurkundet, und der Name „Jude" ist ihnen noch immer ein zündender Funke in den Pulverminen ihrer Nationalität. Suchen wir die Ursachen solcher Erscheinungen auf, so gewinnen wir freilich kein anderes Resultat als, daß lange Sclaverei jeden Keim sittlich religiösen Gefühls erstickt, da eben Toleranz der beste Prüfstein sittlicher Bildung eines Volkes ist. Eine erhebende Betrachtung für unsere Glaubensgenossen, die das Joch der Knechtschaft am tiefsten gebeugt, deren edleres Selbst aber der härteste Druck nicht abzustumpfen vermochte. Und als die stolzen Söhne Leches ihrem traurigen Schicksal eelagen, da haben viele Juden, bei aller Anhänglichkeit an-ihrem Monarchen, heiße und bittere Thranen geweint um die Unglücklichen, die als Menschen ihre Brüder flnb. — Am treffendsten scheint mir das Vechaltniß der Juden zu