Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1840)
- Article
- Berlin
- Date
- 1840-01-11
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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14 Gelehrten jüdischen Glaubens auch sogar außerland wissenschaftlichen Sinn verbreiten zu lassen, wie Munk in Paris, Valentin in Aürch, Fürst in Leipzig beweisen; denn alle sind preußische, Preußen liebende Unterthanen. „Thatsache ist es, daß gerade in der neuern Zeit, welche die Juden als solche zu drücken doch immer mehr aufhört, sie sich in großer Zahl dem Christenthume zuwenden, und wieder geschieht dieß dort am meisten, wo sie den Christen im bürgerlichen Gesetze ganz gleich gestellt sind. In Frankreich lassen die jüdischen Familien ihre Kinder in der Lieget christlich erziehen, und so schwinden sie allmahlig in die Nation hinein. Druck und Noch haben noch Niemanden bekehrt, viele verderbt. Der Jude kann mit größerer Ehre sich dem Christenthum zukehren (natürlich ich meine ehe er dieses genauer kennt), wenn er durch dessen öffentliches Bekenntniß keine weltliche Vortheile erwirbt, als wenn er deren dadurch erlangt. Je naher und inniger die Juden mit den Christen verkehren, desto mehr Anregung und Gelegenheit suchen sie auch den christlichen Geist kennen zu lernen, und sich ihm ganz cmznfchließen." Wer seit einem Jahrzehend einen Blick auf die hervorgetretene Gesinnung der Juden geworfen, der wird vom Gegentheile überzeugt seym Früher freilich hat Berlin allein ein Drittel zum jährlichen Contingent der Judenchristen geliefert, aber es ist gewiß, daß die Hälfte der Apostaten nur durch Noch und durch Harte der Gesetzlichkeit ihren eigentlichen Charakter verlaugmt haben. Jetzt beim erwachten Bewußtseyn im Judmthume ist der jüdische Charakter auch gegen Noch gestählt; in Frankreich, in Holland und auch in Berlin hat das Christenthum gegen das erstarkte Bewußtsein jene oft gerühmte Uebergewalt der Ueberzeugung verloren. Die etwa hie und da noch verlornen, verirrten Kinder Israels, die für ein Stück Schweinefleisch sich jetzt noch dem Christentzume in die Arme werfen, können gewiß nicht als Trophäen des Evangeliums angesehen werden. Wenn von einem feindlichen Entgegensetzen dieser zwei Religionen die Rede sein kann, so könnte der Jude fast mit Recht sagen, daß solche Apostaten dem Judenthume einen zweifachen Dienst lcistendenn das Befreien des Zudenthums von einem verkümmerten Charakter ist ein Dienst, und die Zuschiebung desselben dem Christenthume wäre noch ein größerer. „Der Umstande, welche wohl anderwärts der Judenemancipation im Wege stehen, Hiebt .es in Deutschland nur wenige. Eine eigenthüm- Liche Stellung nehmen die Juden in vielen östlichen Ländern Europas^ein, namentlich in Schlesien, Ungarn, Polen, und merkwürdiger Weise findet hier und da das nackte Prmcip ihrer Emancipauon, weil darüber im liberalen Geist so viel gesprochen wird, eifrigere Freunde als selbst die Begründung eines blühenden Städtewesens und die Emporhebung des Bürgerstandes, was doch jedenfalls mehr Noch thate. Dazu kommt, daß die Juden dort große Capitale des Landes in Harrden haben, und dem bedürftigen Theil des Adels Hülssquellen eröffnen. In Ungarn vermehrt sich die Zahl der Juden mit jedem Jahre, das Geld ist mil dem Handel in ihren Händen, sie finden in mannigfacher Hinsicht Begünstigung. Dies erinnert an die beherzt genswerthe Geschichte der Juden ln Polen. (Sa fU mir til., der Große, suchte auf alle Weise die Civil!- satkon und den Wohlstand in seinem Reiche zu erheben, er erleichterte das Loos der Leibeigenen, gab ihnen einige Rechte (z. B. das, Soldat zu werden), schuf Städte, rief Handwerker, Kaufleute, Künstler, Juristen und Gelehrte aus Deutschland herbei, und suchte aus den Com« munen sogar einen neuen Stand im Staate zu errichten: zugleich führte er zuerst die Juden in Polen ein. Man sagt, er habe eine Jüdin geliebt, und von ihr bewegt, ihrem Volke Aufnahme und Rechte im Lande verliehen; wahrscheinlich ist es aber, daß er in diesem für Polen, wie jetzt für Ungarn geschieht, ein Civilisirungselement sah. Was geschah nun? Von allem was asimir gegründet und eingeführt hatte, blieben nach seinem Tode fast nur die Juden im Lande. Denn der Adel, eifersüchtig auf die wachsende Größe der Städte, fühlte nichts weniger als Eifersucht auf die Juden, die keine politische Existenz im Staate, nur eine commercielle im Lande begehrten, ihm in allen Dingen, schon weil ihr eigener Vortheil dem der Städte <. gegenüber war, dienstlich zu Hand gingen, und ihm die Hülfsquelten einer steigenden Civilisation eroffneten, denen Genüsse und Bequemlichkeiten verschafften. Adel und Juden hielten gegen das Aufkommen eines freien, kräftigen Städtethums zusammen, und wahrend die Rechte der Städte zum größten Theil wieder verloren gingen, was Polens Unglück gew.orden ist, bewahrten die Juden in Polen ihre vollen Privilegien. Die Juden konnten abrr doch am Ende das gediegene Sradtewesen nicht ersetzen, und haben iw Polen in mannigfacher Weise nur einen zerstörenden Einfluß ausgeübt. Es ist gewiß zu wünschen, daß sich Aehnliches nicht in Ungarn gestalte, wo die Juden auch anfangen, die Städte zu ersitzen, sich dabei mit einer eommerciellm Existenz begnügend, während die Städte eine festere politische erringen wollen, ohne welche ein frisches, reiches Gedeihen derselben unmöglich wird." — Die nackte Geschichte widerlegt schon hinlänglich diese niedrigen Betrachtungen, welche der Neid über die liberale Besprechung der Emanciparionsfrage bei den Ungarn hervocgelockt. Der märkische Politiker kann es nicht verschmerzen, daß der Magparenstamm, ein nach seiner Meinung noch halbwilder Volksstamm, über religiöse Freiheit der Juden klüger sein will, als die Publicisten der Mark Brandenburg. Und vollends erst das Slcwenvolk, wie Polen und Oberschlest'en, sollte doch erst bei der Hegel'schm Philosophie der Residenz um die Erlaubniß nachsuchen, liberal denken