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Der Orient · 1840-01-11 · Heft 2 (11.1.1840) · p. 10

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 2 (11.1.1840)
Article
Egypten: Kairo
Date
1840-01-11
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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— 10 — anzuwenden wage. Der Beleidiger wurde vor seinen Oberpriester geschleppt, der ihm eine tüchtige Tracht Stockschläge für die zugefügte Beleidigung zuerkannte, trotz aller seiner Gegenvorstellung, Laß sie unabsichtlich gewesen sei. Es ist eine gemeine Rede unter den Muslimen hier zu Lande: „Der und der haßt mich mit dem Hasse der Juden." Wir dürfen uns also nicht wundern, wenn die Juden von den Muslimen weit wehr verabscheut werden, als die Christen. Es ist nichtlange her, daß sie in den Straßen Kairo's oft gewaltsam gestoßen, und zuweilen lediglich-deshalb geschlagen zu. werden pflegten, weil sie einem Muslim zur rechten Handvorbeistrichen. Gegenwärtig sind sie weniger bedrückt; jedoch dürfen. ßsnoch immer nicht ein anzügliches Wort aus-fprechen, selbst wenn sie von dem gemeinsten Araber oder Türken ungerechter Weise verunglimpft oder geschlagen werden; denn vielmals ist ein Jude dem Tode übergeben worden auf die falsche und boshafte Anklage hin, unehrerbietige Worte gegen den Koran oder den Propheten geäußert zu haben. Es ist sehr gewöhnlich zu hören., Vastein Araber seinen abgeplagten Esel schimpft und:,, nachdem er ihm mancherlei, schmähliche Beinamen beigelegt hat, die Bestie einen Juden nennt.. Ein Jude wird oft geopfert,, einen. Muslim zu retten, wie in folgendem Falle sich zutrug. —1 Ein türkischer Soldat, der bei. Gelegenheit, einiges Geld wechselte, erhielt von dem SsniccrfÜ (Geldwechsler), einige türkische, Adlije's genannte Münzen, jede zu 16 Piastern gerechnet. Diese gab er einem: Kramer zur Bezahlung für einige gehandelte' Waaremhin,, aber letzterer wollte die Adllj e nicht anders) als-zu 15 Piaster annehmen, indem er ihm erzählte-,.- der Basha hake die Verordnung erlassen, daß diese Münze nicht langer für 16 P. passiren solle. Der Soldat nahm die Adlije's zurück zu dem Ssairafi, und? forderte, daß er zu-jeder noch einen Piaster zulegen solle;, er erhielt aber, abschlägige Antwort. Deshalb beklagte: er sich beim Basha selber, welcher, aufs höchste entrüstet, daß seine Verordnung mißgeachtet würde, den Ssairafi holen ließ. Der Mann bekannte, daß er sich einer Entgegenhandlung: schuldig gemacht habe, suchte es aber dadurchzu bemänteln', daß er behauptete, fast jeder Geldwechsler in der Stadt habe dasselbe gethan, und er nähme Adlije's zu dem nämlichen Werthe an. Der Basha indeß, ihm mißtrauend, oder es für nothwendig erachtend, ein öffentliches Strafexempel. aufzustellen, gab ein Signal mit seiner . Hand, dadurch andeutend , daß man den Delinquenten enthaupten solle.- Der Hofdolmetsch, von Mitleid für dem unglücklichen-Mann bewegt, bat den Basha, sein Leben zu verschonen. Dieser Mann, sagte er, hat nicht mehr gethan, als alle Geldwechsler der Stadt; ich selberempfing erst gestern Adlije's zu ebendemselben Werthe. Von' wem, rief der Bascha aus? Vom einem. Juden, er.wiederte, der. Dolmetsch, mit dem ich schon viele Jahre lang, im Geschäftsverbindung, stehe. Der Jude wurde, gebracht und zum Strange verurtheilt, während der Muslim begnadigt wurde. Der Dolmetsch in der größten Bestürzung, intercedirte ernstlich für das Leben des- Juden, aber der Basha war unerbittlich; es war nothwendig, ein Exempel zu statuiren, und man meinte besser zu thun, vielmehr einem Juden, als einem schuldigeren Muslim das Leben zu nehmen. Ich sah den bejammemswertheN Mann hängen an dem Fenster eines öffentlichen Springbrunnens, der einen Theil einer in der Hauptstraße der Stadt gelegenen Moschee bildet.^) Man schlang ein Ende des Stranges über eine der Querstangen des gegitterten Fensters, und zog ihn so in die Höhe, und als er dicht an das Fenster geschnürt dahing, war er in einem geringen Grade in den Stand gesetzt, sich dadurch zu halten, daß er die Füße gegen die unteren Gitterstaugen stemmte, wodurch sein Leiden auf eine schreckliche Weise in die Länge gezogen wurde. Seine Verwandten boten große Geldsummen für seine Begnadigung, aber die einzige Gunstbezeugung, die sie erkaufen konnten, war die, daß sein Gesicht gegen das Fenster gekehrt wurde, so daß ec von den Vorübergehenden nicht gesehen werden konnte. Er war ein bei Allen, die ihn kannten,- sehr geachteter Mann (die Muslimen natürlich ausgenommen), und hinterließ eine Familie, in sehr hülflosem Zustande; aber der Dolmetsch, der wider seine Absicht die Ursache seines Todes wurde, gab eine Beisteuer zu ihrer Unterstützung. Die Juden in Egypten führen im Allgemeinen ein sehr geruhiges Leben, indeß finden sie außer Leuten ihrer Religion nur Wenige, die mir ihnen gemeinschaftliche Sache machen wollen. Ihre Kost ist äußerst nahrhaft; jedoch werden sie gemeinlich als ein mäßiges Volk betrachtet. Die Wohlhabenderen unterihnen kleiden sich zu Hause, recht hübsch, aber sie legen-eine schlechte, selbst schäbige Kleidung an, bevor sie aus'gchen; undobgleich ihre Hauser von außen ein gemeines und schmutziges ^lussehen. haben, so enthalten doch viele derselben schöne und wohlattsge« stattete Zimmer. In. dem Hause sind sie nicht so streng, als die meisten, andern Orientalen^ in Verbergung ihrer. Weiber vor. Fremden, oder wenigstens vor ihren Volks-- genossen und vor. Franken; es geschieht oft, daß ein Gast aus Europain ein Gemach eingeführt wird, wo die Frauen der Juden unverfchleiert sitzen, und daß ihm von diesen Frauen aufgewartet wird. Dieselbe. Sitte waltet noch bei vielen der spanischen, in Kairo wohnenden Christen vor.- Man sagt, daß nicht, selten Jntriguen mit den Jüdinnen, gespielt werden; aber man findet, keine erklärten Buhlerimun unter ihnen. Die Lage der niedrigeren Kolksklaffen ist sehr elend; viele von ihnen- 3) Es ist. wunderlich, bemerkt Laue, daß die Muslimen einen Juden gegen ein Fenster einer Moschee hängen, da sie ihn als eine so unreine Kreatur betrachten, daß sein Wlut ihr Schwert besudeln würde. Aus diesem Grunde wird me-ein Jude in Egypten enthaupttt.

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