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Der Orient · 1840-01-11 · Heft 2 (11.1.1840) · p. 9

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 2 (11.1.1840)
Article
Egypten: Kairo
Date
1840-01-11
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Bevrchte- Stn-ien «nd Kvrtiken . für ,' "7 DaS Abonnement für ein Quartal ist I THlr. 6 Gr. Man abonnirt bei alten löbl. Postämtern nnd allen soliden Buchhandlungen. jüdische Geschichte und Literatur •' Herausgegeben von Vr Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentliche das Literaturblatt mitgerechnet, zwei.Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 2» Leipzig, den 11. Januar 1840» . .. Orient. Egypten (Kairo; Alexandrien.) — Italien (Triest). — Deutschland (Berlin). — Ungarn (Pefth. Schluß.). — Rußland (Petersburg; Uman, in Kleinrußland). — Böhmen (Prag). — Literaturblatt des Orients. —- O r i e n t. Ggypten (Kairo). Edward William Laue, der jetzt Tausend und Eine Nacht mit kostbaren Realbemerkungen herausgiebt, theilt in seinem unübertrefflichen Werke „An Account of the Manners and Customs of the Modern Egypüans (London 1836)“, ein die Eingebornen selbst zum Staunen hinreißendes, naturgetreues Sittengemälde der Egypter und auch folgenden Bericht über die egyptischenJuden mit: „Es giebt in Egypten ungefähr 5000 Juden (arab. Zehud, sing. Jehudi), von denen die meisten in der Metropole wohnen, in einem elenden, verschlossenen und schmutzigen Stadtviertel, welches durch Gaßchen durchschnitten wird, von denen viele so eng sind, daß kaum, zwei Personen in demselben neben einander vorüber gehen können. In. den Gesichtszügen und in dem allgemeinen'Ausdruck der Physiognomie unlerscheiden sich die orientalischen Juden weniger von andern ostlandischen Völkern, als die in den europäischen Landern von der Bevölkerung, in deren Mitte sie leben.. Viele der egyptischen Juden haben böse Augen und eine aufgedunsene Complexion; dies kommt, wie man mit Grund vermachen kann, von dem unmäßigen Gebrauch des Sesamöls in ihrer Nahrung. In ihrem Anzuge sowohl als in ihrer Person sind sie gewöhnlich lüderlich und schmutzig. Die Farben ihrer Turbane sind dieselben, als der christlichen Raja's.. Ihre Frauen verschleiern sich, und unterscheiden sich in ihrer öffentlichen Kleidung von den andern egyptischen Frauen in keinerlei Beziehung. Die Juden haben acht Synagogen in ihrem Stadttheil zu Kairo; sie genießen nicht allein religiöse Duldung, sondern sind in Egypten unter einer weniger drückenden Regierung , als . in irgend einem andern Lande des türkischen Reiches. In Kairo bezahlen sie für die Freiheit ihres Stadttheils von den Besuchen des Wohhtesibl), und sie thatm dasselbe auch rücksichtlich des Vali^), so lange sein Amt existirte. Indem sie in Folge dessen das Privilegium haben , Artikel des Lebensunterhalts, zu höhern Preisen, als die andern Bewohner der Hauptstadt, zu verkaufen, so sind sie im Stande, solche Maaren zu höheren Raten einzukaufen, und darum ihre Laden mit Victualien, besonders Obst, von besserer Qualität zu versehen, als es in andern Theilen der Stadt zu finden ist. Gleich den Kopten, und aus einem gleichen Grunde, zahlen die Juden Tribut, und sind vom Militärdienste eximirt. Sie stehen im Allgemeinen bei den Moslims in der äußersten Verachtung und.Verabscheuung, und sollen einen eingewurzelteren Haß gegen die Muslims und die Religion derselben, hegen, als irgend ein anderes Volk, wie schon der Koran (Sure V. V. 85) aus spricht. Als ich gegen einen mir befreundeten Muslim diesen Zug im Charakter der Juden erwähnte, erzählte er mir zum Beweis dafür einen Vorfall, der sich wenige Tage vorher ereignet hatte. Ein Jude, erzählte er, ging eines Morgens früh, vergangene Woche, vor einem Kaffeeladen vorüber, den ein Muslim hielt, mit dem er Bekanntschaft hatte, Namens Muhammed. Als er Jemanden da stehen sah, sagte er, in der Meinung, daß es der Herr des Ladens sei (denn es war schon dunkel): Guten Morgen, Scheich Muhammed! Aber die einzige Antwort, die er auf diese Begrüßung erhielt, war eine wüthende Zurechtweisung, daß ein Jude jenen ihm über Alles verhaßten Namen in der Anrede 1) Der Marktvogt, unter dessen Aufsicht die Märkte Kairos und die Gewichte und Maße stehen. 2) Eine Amtsperson, welche früher die Verhaftung von Dieben und andern Verbrechern, so wie die Aufsicht über die öffentliche Prostitution über sich Hatte. 2

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