Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Article
- Antisemitismus, Jugend und Erzieher!
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 5)
- Language
- German
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Amisemitiswus, Jugend und Erzieher 71 An die Eltern, auch an die jüdischen, geht in der letzten Zeit, zumal in kleineren Städten, seitens der SchuldirektorLN vielfachder Nus um Bewilligung fortlaufender GeldunLerstützungen zur Erhaltung und Erneuerung von Lehrmitteln, Lehrer- und Schülerbibliotheken. Gar oft will sich der Unmut jüdischer Eltern üLer die unverdienten Kränkungen ihrer Kinder durch Verweigerung jeglicher Mittel Luft wachen. So verständlich dies ist, so bedauerlich wäre es. Denn den Schaden hätte am Ende nur die Allgemeinheit zu tragen, die Reibungsflächen aber würden hierdurch eher vermehrt als vermiuderL. Nein, wogen die Juden zeigen, daß ihnen die höhere und altere Kultur innewohnt und, wie sonst, auch hier mit vollen Händen spenden. Mögen sie aber diese Gelegenheit nicht vorüLergehen lassen, uw ihre ethischen Forderungen mit allem Nachdruck geltend zu wachen, nicht als Gegengabe für die Spenden, sondern als Postulat der elementarsten Gerechtigkeit. Ein getreues Spiegelbild der höheren Schulen bilden die Hochschulen. Noch immer wird das studentische Leben kraft der für Deutschland charakteristischen Entwicklung durch die Korporationen repräfenLierL. Mit Ausnahme der wenigen jüdischen sind fast alle farbentragenden, aber auch der größere Teil der nichtfarbentragenden Verbindungen im , Art" vereinigt, nutzer halb ferner Reihen :Nennung zergr. prätentiöse Benennung zeigt, daß er alles, was außerhalb ferner Reihen steht, nicht als deutsch betrachtet. Auch er segelt im völkischen Fahrwasser. Der in ihm vertretene Radikalismus zeigt verschiedene Abstufungen: Bon den Befürwortern einer Vrozentnorm für die Juden nach russischem Muster bis Zu den Rohlingen, welche die Resolution von den „farbigen und jüdischen Weibern" faßten und jüdische Kommilitonen (Fall FalLenstein in Gießen) oder friedliche Bürger anfallen. Als Mitglieder des oberschlesischen Selbstschutzes haben solche Elemente diese an sich so dankenswerte Schöpfung durch ihr brutales Auftreten gegen die oLerschlesifchen Juden diskreditiert, die sie mit ihrer ekelhaften Hakeukreuzelei belästigten und, wie manche auf den Straßen es ausschrien, „irr ihrem eigenen Blut zusammen mit den Polen ersaufen wollten". Auch ans deL Kreiferr der Studentenschaft ertönen Hilferufe zur Sammlung von Geld- und BLcherfpenben. Aus diesem Anlaß machten die Juristen einer Universitätsstadt eine Eingabe an den Rektor und die juristische Fakultät, in der sie ausführten: meint ist die Eisenacher Resolution der Burschenschaften) widerspiegeln. Von einer Stellungnahme der UniversiLLLsbehörden oder der Professorenschaft zu dieser" Bewegung, welche die unserem Vaterlande so bitter nötige Einheit dauernd gefährdet, fein Ansehen in der Welt untergräbt und in ihren rohen Formen eines akademischen Bürgers unwürdig erscheint, ist bis jetzt nichts verlautet." sehnlich schrieben die Mediziner. Die Antworten lauteten ausweichend. Es handele sich bei der „SLudentennot" um ein aus Sorge für die deutsche Kultur ins Leben gerufenes Unternehmen reiner Menschenliebe, so schrieb der Dekan der Juristen, bei dem jede politische, konfessionelle oder Rassenunterschiede berücksichtigende Neben- Lestrebung ausgeschlossen sei. Merkte der Herr Professor wirklich nicht. Wie er seiner selbst spottete? Wo blieb sein Appell an die reine Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!