Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 65 (sequence 4)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 65 die.soeben erwähnte Erinnerung» ferner die Vorstellung einer Blutsg e m e i n s ch a f t, die aber sehr anfechtbar ist, übrigens im Leben der Staatsvolker so gut wie gar keine Rolle spielt, hauptsächlich aber das gemeinsame Glaubensbekenntnis, welches die Quelle einer ganzen Anzahl historischer Heiligtümer bildet, sowie einer Reihe von Glaubensvorstellungen. betreffend die Zukunft der Menschheit und der Rolle der jüdischen Gemeinschaft in ihr. Aus all dem fließt eine gewisse Summe von Gefühlsdispositionen, die die Weltanschauungen und Weltstimmuugen eigenartig färben, etwa wie dies bei P t o i e ft a nie n und KaLholick i k e n auch der Fall ist. Alle diese Gemeinsamkeiten liegen auf idealem Gebiete und streifen das Gebiet des Realen, in welchem dis Gemeinsamkeiten der modernen Völker und Nationen liegen, ganz und gar. nicht. Man kann vom jüdischen Volk sprechen Zn dem Sinne, tn welchem man vom protestantischen oder vom katholischen Volle spricht, man muß höchstens noch zwei Elemente hinzusügen: die Vorstellung der Blutsgemeinschast, die aber, wie gesagt, im Leben und Bewußtsein der modernen. Völker so gut wie gar keine Rolle spielt, und die ähnlichen bitteren Schicksale/gegen die wir gekämpft haben und fernerhin anzurämpsen entschlossen sind. Da nun diese idealen Gemeinsamkeiten sich mit den realen an keinem Punkte kreuzen, einander nicht in die Quere kommen, so können sich die Juden den einzelnen Völkern, unter denen sie leben, völlig angliedern, mit ihnen auf Gedeih und Verderb für immer verbunden sein, ohne die Zugehörigkeit Zu dem jüdischen Volke, in jenem rein idealen Sinne, im geringsten anzutasten. Wenn also vom „jüdischen Vol^ die Rede ist, so beruht es ans einer Flüchtigkeit und einer Verwechselung der Begriffe, wenn man dabei dem Worte „Volk" denselben Sinn unterlegt, wie etwa wenn vom deutschen Volk die Rede ist. Das jüdische „Volk" umfaßt, gleich wie das protestantische und das katholische, Angehörige der verschiedensten „Völker", deren politische, wirtschaftliche und kulturelle. Ziele, Bestrebung und Interessen zueinander im schroffstem Gegensatz stehen und die deswegen in schwerem Kampf miteinander liegen, sogar blutige Kriege gegeneinander führen können, wie wir es ja in den Letzten Jahren genugsam gesehen haben .... Um exakt zu sein, müßte man für diese zwei verschiedenen Begriffe verschiedene Bezeichnungen wählen. Statt dessen hat ein merkwürdiger Wortaberglaube zu verhängnisvollen Mißverständnissen geführt, "zu Mißverständnissen, die von antisemitischer Seite natürlich geflissentlich aufrechterhalten und vertieft werden. Man klammert sich dort an die Fiktion des „jüdischen Volkes" als eines fremden, parasitären Volkskörpers innerhalb des StaaLsgefüges, und dichtet konseauenterweise diesem „Volk" auch eigene, selbstverständlich geheime völkische Bestrebungen, eigene politische Ziele an, die — wie Ware es anders denkbar? denen des „Wirtvolkes" zuwiderlaufen, ja aus die Ueberwindung, den Rumder nichsiüdischen Staatsgemeinsamkeit ausgehen. Eine der penetrantesten Blüten dieses leichtfertigen und verbrecherischen Unsinns ist das Buch „Die Weifen von Zion", die von Gottfried zur Beek frei/sehr frei nach der Urschrift des fabelhaften Russen Sergej Nilus heransgegebenen Protokolle, nun beim dummen Kerl von ganz Europa Glauben finden. Ganz wie Ludendorff es von der — von ihm erfundenen — „jüdischen Oberleitung" versichert, behauptet Gottfried zur Beek, daß die ,Meisen von Zion" zur Erreichung ihrer Ziele die Niederlage Deutschlands brauchten. Darum Beachtet die Anzeige; Philo Verlag! Ta§ fuMfd*€ Öolf uiib hie nichtMischou Völker. Die Weisen von Zion und Narren von Berlin.