Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Article
- Hochschulantisemitismus
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 61 (sequence 9)
- Language
- German
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Hochschulantisenntismus_61 bigett. Sie ist aber gefährlich, beim die freiwillige Aufgabe von Rechten und die Erklärung fremd zu sein, ist psychologische und tatsächliche Unterlage für die weitere gesetzliche Entrechtung, die erstrebt wird. Jeder Kampf ums Recht muß schließlich sich auf Kleinigkeiten erstrecken, denn es kommt nicht nur auf die großen Grundsätze cm, sondern auf ihre Durchführung im einzelnen. Allein von diesem Standpunkte des Rechtes aus ist die Frage der studentischen Form zu beurteilen. Und der jüdische Student verlangt Verständnis für seinen Kampf. Er fordert nicht innerliche Zustimmung zu diesen Formen, Wohl aber die Anerkennung, daß im Eintreten für sie wesentliche Arbeit für die Rechtsgleichheit, gegen den entehrenden Judenhaß geleistet wird. Was man im nationaljüdischen Lager denkt und sagt und spöttelt, ist ihm natürlich völlig gleichgültig. Wenn aber seine Arbeit im eigenen Lager einer großen Interesselosigkeit und einem ausgesprochenen Mangel an Verständnis begegnet, so tut ihm das manchmal weh, weil er darin auch Mangel an' Interesse und Verständnis für die Abwehrarbeit überhaupt erblicken muß. Die Starke des Judenhasses von heute beruht auf seiner Ausbreitung in Hochschnlkreisen! Diese aber geht darauf zurück, daß man einst zu Stöckers und Treitschkes Zeiten die Gefahr des Hochschülautisemitismus absolut verkannte. Wir dürfen den Fehler nicht noch einmal machen, denn wenn heute wieder nichts getan wird, so geht mit Leichtigkeit die Theorie in Praxis über, und wir haben in zwanzig Jahren ein Deutschland, dessen Beamte und führenden Geisterwffen die Entrechtung der Juden betreiben. Die ganze jüdische Oeffentlichkeit muß sich der Größe der Gefahr bewußt werden und erkennen, daß auch für die Bekämpfung des akademischen Antisemitismus ganz anderer Ernst und ganz andere Kräfte geweckt werden müssen, als es heute geschieht. Der studentische Verband, der zur Bekämpfung des Antisemitismus gegründet wurde, der K.C., feierte vor kurzem ein dreifaches Fest. Fünfunddreißig Jahre' sind es her, seitdem die alte „Viadrina" in Breslau gegründet wurde, fünfundzwanzig seit der Verband ins Leben trat, zwanzig Jahre seit an Stelle der von den Universitätsbehörden nach heldenhaftem Kampfe aufgelösten Viadrina in Breslau als neue Verbindung die' „Thuringra" entstand. Der K. C. hat für die Bekämpfung des Judenhasses unendlich viel getan, große Scharen von Streitern hat er organisiert. Die Aufgabe ist aber so groß, daß es auf die Kräfte eines jeden jüdischen Studenten, auch wenn er sich nicht einer Mischen Verbindung anzuschließen vermag, ankommt. Der Centralverein hat zu diesem Zwecke akademische Ortsgruppen ins Leben gerufen, die alle Studierenden umfassen, ohne Rücksicht auf ihr Geschlecht und auf ihre Zugehörigkeit zu anderen studentischen Verbänden. So nützlich und erfolgreich aber auch die studentische Arbeit ist, sie leidet Organisation Oller xüdisLen Studenten insbesondere in den akademischen Ortsgruppen des C.A. vonnöten.