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Im deutschen Reich · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März 1922) · p. Seite 62

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
28 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März 1922)
Article
Hochschulantisemitismus
Date
1922-03-01
Page
Seite 62 (sequence 10)
Language
German
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Im deutschen Reich 6*2 doch bamnter, daß von Semester zu Semester die Führer und Mitglieder wechseln, so daß für die ständige Durchführung der Arbeit doch die GesamLorganisaLion eintreten muß. Zweck dieser Zeilen ist lediglich, darüber Klarheit zu verbreiten, daß die Bekämpfung des HochschulanLisemitismus wegen seiner gefährlichen Folgen nicht ein Spezialgebiet der Abwehrarbeit bedeutet, sondern daß hier 'der wichtigste Quell des gesamten Uebels zu finden ist. Ohne Erfolge in dieser Richtung ist alle Mühe umsonst! Ünd will die deutsche Judenheit ernstlich gegen den Judenhaß etwas ausrichten, so möge sie über die Mahnung Nachdenken und sich nach ihr richten! Raffe itstb Volk urrd kern Ende — RafferipOliUk auf LeMschen Hochschulen — Ser Volkerbund, die österreichische Retzieruvg und das Rassenuroblem — Gefährliche Begriffsverwirrungen und ihre Folgerr — Die Weisen von. Zion u'üb die Narren von Berlin — Die „Oberleilung" des jüdischen. BoUeS- RaNc und DoU und um ' Lude. Die Grundsätze der Rassen Politik, welche die österreichischen RegierungsarrLifemiLen bei der Erteilung des österreichischen Bürgerrechtes an ehemalige Staatsangehörige des zerfallenen Kaiserstaates zur Anwendung gebracht haben, haben Anklang gefunden bei der Negierung der deutschen „S t n d e n t e n r e p u b l i k". Die deutschen UniversitäLshörer, jetzt von Staats wegen organisiert und mit einem nicht unerheblichen Recht ausgestaLLet, in Verwalrungsfragen mitznreden, wollen die an Ausländsdeutsche zu gewährenden Vergünstigungen bezüglich der Aufnahme auf deutsche Hochschulen, der Höhe des Lehrgeldes usro. nur auf solche Studenten angewendet wissen, die Nachweisen können, daß sie der Nasse nach dem deutschen Volke zugehören. Ob diese Forderung aufrechterhalten und burchgeführt wird, ist eine Frage für sich. Auf jeden Fall müssen wir davon Kenntnis nehmen, daß ein sehr beträchtlicher Teil der akademischen Jugend, künftige Richter, VerwalLungsLeamte, Lehrer und Führer des Volkes schon jetzt den Standpunkt vertreten, zur deutschen Nation könnten nur Menschen gerechnet werden, die einer bestimmten Rasse angehoren. Zu welcher Rasse? Ausschließlich zur germanischen oder auch zum keltischen, zur slawischen, zur romanischen? Vielleicht gar zur kaukasischen Rasse? Der österreichische Staatssekretär des Innern, Dr. W a b e r — er ist inzwischen bei der jüngsten Regierungskrise zurück getreten, aber sein System ist geblieben — verlangte, wie die Leser sich Wohl erinnern, von den Bewerbern um die deutsch-österreichische Staatsbürgerschaft den Nachweis, daß sie der Rasse nach der Mehrheit der deutsch-österreichischen Bevölkerung zugehören. Während nun die Bewerber in Verlegenheit waren, wie dieser Nachweis zu erbringen — die anthropologische Wissenschaft bietet leider keine Handhabe dafür —, hatte der Dr. Waöer einen sehr bequemen Gegenbeweis zur Hand: Wer nicht christlichen Bekenntnisses war, gehörte nicht zur deutscher: Rasse! Ein ganz neues, bisher ungeahntes anthropologisches Prinzip! Und daraufhin wurde Hundsrttausenden von Bewerbern die Aufnahme in den Staatsverband verweigert. Aber was einem kleinen politischen Praktikus im kleinen Deutsch-Oesterreich genügen mag, das dürfte hie gelehrte Jugend im Deutschen Reich nicht befriedigen. Man darf also erwarten/ daß die jungen Herren Studenten sich zuvörderst um die

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