Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Article
- Hochschulantisemitismus
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 57 (sequence 5)
- Language
- German
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Hochschulantisemitismns 57 demonstrativ ausfälligen Abstand, an einzelnen Universitäten weigerte sich die Mehrheit, mit den Juden zusammen zu chargieren. In allen diesen Fällen begegnete man auch einer passiven Resistenz, zum mindesten aber einer großen. Unlust der Universitätsbehörden, an die man sich mit der Bitte um Abhilfe wandte. Heute steht es fast überall so, daß an die Stelle der studentischen Allgemeinheit bei akademischen Feierlichkeiten der „Hochschulring deutscher Art" tritt, eine Vereinigung, die sich strnter prinzipiellem Ausschluß der Juden auf rein antisemitischer Grundlage gebildet hat, und längst ist keine Rede mehr davon, daß Inden und Nichtjuden in irgendwelchen auf .der Grundlage freiwilligen Zusammenschlusses gebildeten Ausschüssen zusammen arbeiten. Die Tendenz der antisemitischen Politik der Hochschulkreise geht zielbewußt auf eine Verächtlichmachung und Ehrlos e r k l ü r u n g der jüdischen Studenten aus. Zuweiten nimmt diese Absicht freilich Formen an, die von Hysterie nicht allzuweit entfernt sind. So haben die deutschen Burschenschaften den lieblichen Beschluß gefaßt, der leider in der großen jüdischen Oeffentlichkeir fast unbeachtet geblieben ist, daß kein Burschenschafter ein „jüdisches oder farbiges W e i L" heiraten dürfe. Man ist also in seinem perversen Hasse soweit gegangen, Juden mit Negern auf eine Stufe zu stellen, und wenn sich nachher in den Kreisen der „Alten Herren", die man vorher nicht gefragt hatte, leise Scham und ein — übrigens gänzlich unwirksamer — Widerstand regten, so beruhte das weniger aus dem Bewußtsein, welche kulturschänderische Gemeinheit in einem solchen Beschlüsse lag. Es war lediglich die Rücksicht auf das Geld der getauften Verbandsbrüder ans früherer Zeit, die ja nach dem angenommenen Rassenprinzip gleichfalls zu den Juden zählten, und ein wenig Liebenswürdigkeit gegen jene Rassegenossen, die es trotz ihrer antisemitischen Grundsätze nicht verschmäht hatten, zu jüdischen Mitgiften auch die unangenehme Beigabe einer „semitischen" Frau in den Kauf zu nehmen. Diesem ^großen" Beispiel ließen sich noch unendlich viele kleinere an die <Leite stellen. Einzelne jüdische Studenten werden, sobald sich die Antisemiten in Rudeln sicher fühlen, auf das gemeinste beschimpft, und der Fall Falken st ein in Gieße n, bei dem fünf tapfere Hakenkreuzler, die einer dortigen Landsmannschaft angehörten, über den einen Juden herfielen, hat berechtigtes Aufsehen erregt. So unangenehm nun auch alle diese Verhältnisse sind, sie berühren noch keineswegs das Recht der jüdischen Studenten. Aber auch hier hat man ernsthafte Versuche gemacht, den Inder? zu deklassieren. So schlimm es auch sonst in unserem Vaterlande zugeht, nirgends hat man in gesetzgebenden Versammlungen Diskussionen darüber gehabt, ob den Juden das Staatsbürgerrecht zu beschränken oder ganz zu nehmen sei. Lediglich den akademischen Parlamenten war es Vorbehalten, sich durch solche Diskussionen zu beflecken! Die große jüdische Oesfentlichkeit weiß noch nicht deschrlrwfr jüdische grauen. Man sucht das fiaai'äb'ittgerl'ckhe Recht der indischen Akademiker rauben.