Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Article
- Hochschulantisemitismus
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 4)
- Language
- German
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56 Im deutschen Reich Den: Juden rvirD dir atüdernjsche Sarisfakrien verweigert. Man versucht Juden von: atadewischer. Ls den auL;u'- schließen. Die Verschärfung der Situation trat vornehmlich in der Frage der Sat,isfaktion zutage. Unter deutschen Studenten herrscht die Sitte, Beleidigungen zwischen Einzelpersonen und Verbindungen auf dem Wege der Mensur mit der scharfen Waffe, dem Säbel, auszugleichen. Ob dieser Brauch berechtigt ist oder nicht, ist'eine Frage für sich. Es wird überall, insbesondere in religiös orientierten Kreisen, grundsätzliche Gegner des Duells geben. Das Prinzipielle jedoch kommt für den jüdischen Stud'enten nicht in Frage. Solange die Mehrheit der deutschen Studentenschaft die Satissaktionsfähigkeit mit der persönlichen Ehre in engste Verbindung bringt und das Abfprechen der Satissaktionsfähigkeit einer Ehrloserklürung gleichkommt, muß jeder jüdische Akademiker — selbst wenn er persönlich ein Feind der Mensur und des Fechtens überhaupt ist — sich energisch dagegen verwahren, daß dem Juden allgemein die Satisfaktion verweigert wird. Längst vor dem Kriege war dies seitens der österreichischen Studenten geschehen, und der dahingehende Waidhosener Beschluß enthält die Begründung, daß „der Jude jeder Ehre bar" sei. In Deutschland ist man soweit nicht gegangen. Zwar wurde fast überall beschlossen, der „jüdischen Verbind u n g" Genugtuung nicht mehr' zu geben, wobei man auch Korporationen ohne direkte jüdische Tendenzeinschloß, sofern sie in ihrer Mehrheit aus Juden oder Judenstämmlingen bestanden. Dem einzelnen Juden Satisfaktion mit der Waffe Zu geben, wurde aber meist freigestellt. Von ihrer theoretischen Möglichkeit ist jedoch fast nirgends Gebrauch gemacht worden. Jüdischen Studenten wird durchweg die Genugtuung mit der Waffe nutet der Begründung verweigert, daß man sich mit Personen fremder Rasse nicht schlage. Daß hierin ein gut Teil Furcht auch liegt, sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Die jüdischen Studentenverbindungen waren mit großer Energie jeder Verunglimpfung nachgegangen und hatten so manchen Verleumder und Angreifer aus dem Mensurboden empfindlich, gezüchtigt. Und da jeder Haß mit Feigheit eng gepaart ist, wird es von vielen Seiten freudig begrüßt, daß man nunmehr ungestraft beleidigen darf, indem man sich auf ein sehr bequemes Prinzip beruft. Jedenfalls versucht man aber, auf diesem Wege dem Juden die Ehre zu rauben. Die Zuspitzung der Gegensätze trat aber auch in der Haltung der Gesamtheit gegen die jüdische Korporation mtage. Bis zum Kriege hatte man mir ihr in konventionellen Formen verkehrt und sie in allgemeinstudentischen Fragen anerkannt. Bei festlichen Gelegenheiten chargierten die Abordnungen der jüdischen und der anderen Verbände friedlich nebeneinander, und in den studentischen Ausschüssen arbeiteten sie — von wenigen Ausnahmesällen abgesehen — ohne Reibungen miteinander. Auch das hat sich gänzlich geändert. Bei festlichen Anlässen — so beispielsweise beim Rostocker Universitätsjubiläum — erfuhren jüdische Korporationen eine'schmähliche Behandlung, bei Aufzügen nahmen antisemitische Verbindungen von den Jrrden