Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 3)
- Language
- German
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B3_Im deutschen Ke ick ^ranvunvÄo'eül Ereignis bcr letzten Tage. Herrvouocr.Heydebrand Lcuiich- und der Lasa, den man Jahrzehnte hindurch den uugev°.ra»cn f,.z,uen König von Preußen nannte, hat zum ersten Male seit November 1918 sein Schweigen gebrochen und in der „K r e u z z e i t u n g" in einem Artikel „Einheitsfront" die deutschvölkische Frage im Reimen dcutschnationalcr Partei- Politik einer Kritik unterzogen. Er stellt zunächst die Opfer fest, die die alte konservative Partei den Dcutschnatioualen gebracht hätte, ohne dafür die in manchen Punkten erwartete Berück s i ch t i g u u tj zu finden. So scheinen ihur beispielsweise, bei aller Anerkennung der deutschvölkischen Bewegung,alle Fragen doch zu sehr nur aus dein Gesichtswinkel des Antisemitismus heraus behandelt zu werden, rvobei der konservative Gedanke wenig auf seine Rechnung käme. Wenn man den erfahrenen Taktiler recht versteht, so befürwortet er eine Loslösung des rechten Flügels der Teutschnationalen, sonst — Herr von der Hetdcbrand deutet ganz fein darauf hin — sei der Zusammensch l u st der konservativen Elemente zur Pflege ihrer Idee nicht ganz ausgeschlossen. Herr Wulle verzeichnet im „Deutschen Tageblatt" Heydebrands Anerkennung der völkischen Bewegung mit großer Freude und nimmt den Gedanken einer Loslösung des völkischen Flügels lebhaft auf, ohne zu merken, daß die Bestrebungen des Herrn von der Heydcbrand zu einem guten Teil aus der Abneigung herzuleitcn sein werden, mit den Leuten um Wulle in denselben P a r t e i l i st e n geführt zu werden. Wir meinen, ein positives Vorgehen der Konservativen könne freudiger begrüßt werden als das bloße Ausscheiden der Völkischen, wobei die klare Linie zwischen anständigen Menschen, die Antisemiten sind, und sonstigen Antisemiten nicht erkennbar würde. Es ist interessant, bei dieser Gelegenheit einnial zu betrach- D«riiirrolc-1, warum ein Parteiprogramm Auslegungen, Erg antzrainm und zungen und Verbesserungen'sehr gut verträgt, während die Vereine Weltanschauungin ähnlicher Weise zu bearbeiten, entweder an deren festgefügtem Vau abprallcn oder aber solche Risse in sie bringen, daß mau sic nicht mehr als das ansehen kann, was sie vorher gewesen ist. Begreiflich erscheint cs uns darum, daß man wohl von einer konservativen Weltanschauung, von einer demokratischen, sozialistischen,. kommunistischen spricht, die Bezeichnung „d e u t s ch n a t i o n a l" aber nur in Verbindung mit Parteiprogramm gebraucht. Daß diese Tatsache derVescheidcnheik den Deulschuationalen zugute zu halten ist, wäre denkba^, aber erfahrungsmäßig kaum zu begründen. Sie wird wohl auf die Unmöglichkeit zurückzuführen sein, dieses Konglomerat von Egoismus, Eitelkeit,