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Im deutschen Reich · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 35

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
28 (1922)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Article
Anthropologische Geschichtsschreibung
Date
1922-01-01
Page
Seite 35 (sequence 8)
Language
German
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35 Anthropologische Geschichtschreibung Jungbrunnen i<x Westjuden, durch die Kultivierung entkräftet werden. Tie zweite Möglichkeit bietet der Zionismus. Tie Zionisten sind ja bekanntlich die HatscheLlindcr der Antisemiten. Die anthropologische Geschichtschreibung sieht in ihnen die Edeling? der Judenzeit, was ja auch, wie wir gehört haben, in ihrer Blondheit hinreichend begründet erscheint. Familiensinn, Ehrbarkeit, Wohlwollen gegen alle Menschen, sogar Harmlosigkeit rühmt sie ihnen nach. Ob die Zionisten diese Tugenden erst erwerben, U-eun sie sich zum Zionismus bekehren, wie sie ihre durcb Neger- und PolarenüluL doch ein für allemal sestgelegte rassische Minderwertigkeit loswerden, bleibt das Geheimnis der anthropologischen Geschichtschreibung. Sehen wir uns diese eigenartige Geschichtschreibung noch kurz als Ganzes an. Nicht etwa, weil wir noch viel dadurch profitieren, könnten, sondern in erster üiuie darum, weil sie typisch ist für die antisemitische Wissenschaft wie für ihre Vertreter. Objektiv betrachtet, ist diese „Geschichte der Juden" auf anthropologischer Grundlage einer der zahlreichen wissensä^ftlichen Versuche, eure konrplizierte, vielfach bedingte Erscheinung von einem Punkte aus zu betrachten, zu verstehen, zu erklären. Ihr Mangel ist also die Einseitigkeit. Sicherlich spielt die Rasse int ikfceit der Völker eine bedeutsame Rolle; aber darum vermag sie allein noch lange nicht dieses Leben zu erklären. Vor allem darf oie Entwicklung nicht vergessen werden, die bekanntlich die Arc vollkommen ändern kann. — Subjektiv betrachtet, ist das Werk keine Geschichte des Judentums, sondern ein Pamphlet auf die Juden. Das ist gewiß ein hartes Urteil; aber schon die Kennzeichnung biz j stoischen Acrzte reicht zur Begründung aus, mib es würoe dem Leser noch berechtigter erscheinen, wenn er Kenntnis Härte von den zahllosen hämischen, lächerlichen, sinnlosen Glossen (siehe die Kennzeichnung Eambettas, Lissauers, Hans Müllers), die noch dazu in einem Geschichtswerk gar nichts au suchen haben. Getviß muß sich der Jude, der has Werk eines Nichtjnden, und noch dazu eines Antisemiten, über seine Geschichte oder über seine heiligen Schriften zur Hand nimmt, von vornherein darüber klar sein, daß die Truge sich hier anders ausnehmen werden, als sie ihm mit jüdischen Augen gesehen erscheinen. Anderseits aber hat er das gute Recht zu verlangen, daß auch der antisemitische Autor, wenn er mehr sein will als ein Provagandaschriftstcller, denjenigen Forderungen gerecht werde, die Wilhelm v. Humboldt schon vor hundert Jahren als unerläßlich für oen Historiker aufstellt: daß er sich vor allen Dingen hüten müsse, der Wirklichkeit eigenmächtig geschaffene Ideen anzubilden, und daß ihm die schonende Zartl)eit nicht mangele, ohne die ec die einfache uud lebendige Wahrheit der Tinge verletze. Ter neueste Geschichtschreiber der Juden macht aber gar' nicht einmal den Versuch, den Mangel dieser selbstverstärrdlichen Fähigkeiten auch nur zu vertuschen. Darum kehrt sich auch sein Werk gegen ihn selbst. Diese „Geschichte der Juden" sollte ein Panegyrikus aus das Germanentum werden und ist eine Satire geworden. Wohl hat es Herrenmenschen und Herrenvölker gegeben, und es wird hoffentlich auch in der Zukunft nicht daran fehlen. Daß das Herrentum sich aber in der Selbstbeweihräucherung bis zum Ekel und in der Entehrung des Gegners manifestieren müsse.

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