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Im deutschen Reich · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 36

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
28 (1922)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Article
Anthropologische Geschichtsschreibung
Date
1922-01-01
Page
Seite 36 (sequence 9)
Language
German
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Im deutschen Reich Tie ovriscinittf*e WcU.' dcö €«:rn £erßi. Tcr ßcfd.jlufc des tcuiid'.s r.a cr.alc« PurteiarisschusfeS SS das I>at erst bk neuere germanische Rasjeulehre entdeckt.' Ob diese iOtethode sehr überzeugend wirken wird, darf bezweifelt werden. Verständnislos steht der nachdenkliche Jude;— und mit ihm. sicher mancher andere „Mi>chrassige", — vor einer systematisch betriebenen Selbsterniedrigung, die sich nicht zum letzten darin bekundet, baß. sie jede Mrwermrtworttmg an einer gewaltigen, seit Jahr und Tag heranreifenden nationalen Katastrophe von sich weist, vor den hmibgreiflichstcn Tatsachen feige die Augen schließt und dafür mit würdelosem Eifer die Kehrichthaufen der Weltgeschichte durchstöbert, um Beweis mmerm! gegen Jal)we und seine Bekenner zu sammeln. Auf die vom Judenkoller befallene Masse wird Otto Hausers umfangreiches Judeubuch sicherlich den gewünschten Eindnick machen, I ü d i s ch e Geschichte wird jedoch niemand daraus lernen können. Tasür manches andere. Wir Juden werden den Stolz jenes Wilden fühlen, der Europens übertünchte Höflichkeit nicht kannte. Künftigen Geschlechtern von hoffentlich ruhigerer und abgeklärterer Denklveise wird es eine Fundgrube für das Studium der Psychologie und Pathologie unserer Zeit sein. Ob es aber auch dem Verfasser den Ruf eines großen Historikers eintragen wird, wollen wir zur Ehre der deutschen Wissenschaft bezweifeln. ZeiLschau. Herr Hergt, der Vorsitzende der deutschnationalen Volkspartei, wendet, wie cs scheint, seitdem sich seine Prophezeiung über beu Ausgang des uneingeschränkten U-Bootkriegcs so gleit* zcnd erfüllte, in seinen Reden mit Vorliebe Bilder an, die ans der Anschauung des scekundigcn Mannes erwachsen, uird so prägte er den Satz von der „Welle des Antisemit'ismits", die sein Partcischisf hochtragen werde. Nun wird -Herr .Hergt wissen, haß Wind und Wellen nicht nur in der Politik nur Stabreime sind, sondern daß beide in einem geloijsen ursächlichen Z u s a ni m e n h a n ge stehen; mtd darum trägt er dafür Sorge, daß, wie einst dem Odysseus der Windschlauch des Aeolus, ihm eine gehörige Quantität Windes zur Verfügung steht, durch den er seine antisemitische Welle wieder erregen könrie, wenn lange Stille sie beruhigte. Man geht sicher nicht fehl, wenn man den neuesten Beschluß des Ausschusses der deutschnationalen Volkspartei als einen solchen Acolusschlauch bezeichnet, aus dem Herr Hergt immer den Wind ivird toehen lassen können, der ihm günstig erscheint. Der Münchener Parteitag der Deutschngtionalen hatte die allgemein erwartete Aufrollung der Judenfrage und einen Beschluß über sie' nicht gebracht. ' Die Zeitknappheit sollte schuld daran sein, Referenten warnt verhindert, und die

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