Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Article
- Anthropologische Geschichtsschreibung
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2316602-2316923-2316924-2359206--32504-2359278- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3lr.tl)rov»o[cfli;ci?e 31 Reibet muß aber sestgeftellt werden, das; uns der anthropologische Geschichtschreiber Persönlichkeiten, Kulturtaten uno anständige Charaktereigeuschasten nicht einmal in diesem Prozentsatz znerkemu. Es ist selbstverständlich, daß auch für die anthropologische Gesäüchtschreibnng das Alte Testament, als bedeutsamste Kulturschöpfung des Judentums neben dem Talmud, ein bevorzugtes Demvnstratiousobjekt eogibr. Obwohl es einmal als der Ausdruck des rassisch noch wesentlich nordischen Judentums atterfanut wird, dient cs sonderbarerweise trotzdenr als Beweisobjekt für den ethischen Tiefstand des jüdischen Volkes und der jüdischen Religion, wogegen selbst der Talmud, das echte Erzeugnis jüdischer Mischrassigkeit, noch verhältnismäßig gut abschncidet. Im allgemeinen hat die anthropologische Geschichtschreibung an dem jüdischen Sittengesetz, auch da, wo es unangreifbar ist, die ü e L e B e zie hu ng auf Jahwe auszusetzen (im Gegensatz zum KodexHammurabi). „Aber, wie schon, angederrtet, schreibt sich daher eine Wirkung nur auf die Abergläubischen, auf jene, die durch stärkere Rassentrübung ihren inneren Einklang verloren haben und nun an allerlei jenseitige Einflüsse glauben." Das will sagen: Nur der Mischrassige braucht die Transzendenz in. der Religion, braucht vor allen Dingen Lei jedem sittlichen Gebot bezw. Verbot den lieben Gott als schwarzer Mann mit drohend erhobenem Anger hinter sich. Ter reine nordische Blondling dagegen braucht solch „jenseitige Einflüsse" nicht; der steht und stand von Anbeginn seiner sittlichen Entwicklung auf eignen Füßen und tut das Gute immer und e^v-ig um seiner selbst willen, ohne daß er jemals eines Himoeises aus Gottes oder Christi Gebot („Ich aber sage euch..."!) bedürfte. — Daß, psychologisch betrachtet, jede sittliche' Entwicklung von der Heteronomie zur Autonomie geht, d. h. von der erzwungenen Unterwerfung unter einen fremden Willen zur freiwilligen Unterordnung unter die erkannte Pflicht; daß ferner, rcligionsgeschichtlich betrachtet, jede Religion, sobald sie über den Stand der Naturreligion hinauswächst, alles Sittliche auf Gotr beziehen m u ß , um "die G o t t e s v o r st e l! u n g zu versittlichen und die Goltesidee zur vollkommenen auszugestalten, das alles geht die anthropologische Geschichtschreibung natürlich nichts an. Das E n L w i ck l u n g s m o m e n t kommt sür diese Art Geschichtsforschung nicht iit Frage; die kennt nur das Blut als' ein sür allemal bestimmende und entscheidende Macht. Es allein entscheidet üb^r Leben und Tod dar Völker und einzelnen. Gnaden wähl mögen es die einen nennen, Schicksal die andern. Ein Beispiel sei angeführt, das nicht nur die Bibelforschung oer anthropologischen Geschichtschreibung glänzend illustriert, sondern auch für den Geist der ganzen antisemitischen Wissenschaft charakteristisch ist. Wenn es etroas gibt, was das Judentum mit Stolz erfüllt, so ist es der soziale Geist seiner biblischen Gesetze. Um so noNvendiger erscheint es dem Antisemitismus, diesen Stolz zu entkräften. — Im vierten Gebot hnßt es bekanntlich: Da sollst du keinerlei Arbeit verrichten, weder du noch dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Bieh.uno dein Fremdling, der in deinen Toren weilt. — Dazu bemerkt der anthropo;ogh'che Geschichtschreiber — nachdem ct natürlich ä la Delitzsch den Sabbat zu einem