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Im deutschen Reich · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 22

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
28 (1922)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Article
Mittel und Wege zur Entgiftung unserer Bevölkerung von Haß und Vorurtei gegen die Juden
Date
1922-01-01
Page
Seite 22 (sequence 3)
Language
German
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S»i ^cuijdicn ,/3>te SfL'fercntcn haben im wesentlichen gesprochen von der Grtgistung der intellektuellen Kreise vom Judenhaß. Es gibt aber auch einen Antisemitismus der Masse. Tie Erfahrung beweist, I>NZ dieser vielfach zurückzufühcen ist darauf, das; unsere nichtjüdische U m g e L u n g die Juden überhaupt nicht k e u n t und daß der einzelne sehr wohl der Aufklärung zugänglich ist, wenn er Inden kennen lernr. Deshalb darf die Exklusivität, so noüoendig sie vielfach, beispielsweise für die Arbeit des Centralvercins ist, nicht übertrieben werden, damit der Graben, der uns von unseren nichtjüdischen Mitbürgern leider trennt, nicht unnötig verbreitert und vertieft wird. Es gibt namentlich ans kleineren Plätzen noch oft genug Gelegenheit, beispielsweise in Turn- und Sportvereinen mir Andersgläubigen zusammen zu arbeiten. Das gilt auch vielfach von den Wandervögeln, die durchaus nicht alle antisemitisch sind. Wenn unsere Jugend im Elternhause richtig erzogen ist in Einfachheit und Bescheidenheit, aber auch mit dem nötigen Rückgrat, kann sic im Zusammenleben mit christlichen Kameraden hier außerordentlich nützlich wirken. Damit in Zusammenhang steht die innere Mission im Sinne der Ausführungen der Frau Fürth; si-e kann sehr viel zur Entgiftung beitragen, und ich muß unserem Ehrenvorsitzenden, Geheimrat Fuchs, widerspreche:!, wenn er diese Seite der inneren Mission als nebensächlich ansieht. Ein Appell an den Geschmack und den Takt, der leider manchen Glaubensgenossen fehlt, könnte in dieser Beziehung Nutzen bringen. Wichtiger freilich ist die Beeinflussung der nichtjüdischen Intelligenz, denn sie hat beit größten Einfluß auf die Dauerentwicklung der Psyche der Bevölkerung, weil sie die Verwalter des Staates, die Richter, Lehrer und Erzieher des Volkes stellt. Nach dem ausgezeichneten Referat des Herrn Prof. Goldstern kann ich mich in dieser Beziehung auf technische Einzelheiten beschränken. Wir müssen ein eigenes Bureau schaffen, das unter kundiger journalistischer Leitung unseren Ortsgruppen aus Berlangen A u s kl ä r u n g s art ikel liefert, die in die Lokalpresse gebracht werden können, da es den Ortsgruppen selbst an journalistisch geschulten Kräften meist fehlt. Und schließlich bedürfen wir eines Bureaus, in dem alle Angriffe auf Juden und Judentum'gesammelt und von dem aus dann sosort aufklärende Artikel der gesamten in Betracht kommenden Presse zur Verfügung gestellt werden, ähnlich, wie dies seitens der Katholiken in einer dazu geschaffenen Presse zentrale seit Jahrzehnten erfolgreich geschieht." Nach einem kurzen Bericht von Levinger-Müncheu über die Tätigkeit der Landesverbände wird die Diskussion über die Referate eröffnet. An ihr beteiligen sich Stern-Kattowitz, Sabahky-Köslm, Kaufmann-Stettin, Holländer-Hamburg, Frau Fürth-Frankfurt a. M., Halberstadl-Büdingen, Aronsohn-Berlin, Nathan-Berlin, Michaelis-Berlin, Jsmar Freund- Berlin, Sobotker-Berlin.

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