Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Article
- Mittel und Wege zur Entgiftung unserer Bevölkerung von Haß und Vorurtei gegen die Juden
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 2)
- Language
- German
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AdupircTfarnmhntfl des &»>ngraU»frcing n Tagespoluik die bewegenden Fragen der Zeit im Sinne einer Versöhnung von Deutschtum und Judentum behandle. Als zweites Referat trägt Gemeinderabüiner Dr. Felix Goldmann-Leipzig etwa folgendes vor: Das Thema ist wesentlich ein praktisches. Man muß sich fragen, wie die gefährlichen Ausschreitungen des Antisemitismus zu bekämpfen sind. Die Frage, ob es möglich ist, den Antisemitismus bis zur Vernichtung zu bekämpfen, ist Lediglich G la u b en s s a ch e. Solange die auf jüdischen ttlicb.'r Grundlage stehende Welrorvnung anerkannt wird, solange Gerechtigkeit und Liebe Ziel unseres Strebens sind, ist Alrtisnniüsmns Haß und Verbrechen und innß darum ebenso bekämpft loerdcn rrn'e die Lüge, wenn auch, ebenso wie bei ihr, der Kanrpf ungeheuer schwer erscheint. Es ist ein sittlülzer Kampf und unsere Festigkeit wird der inneren Zuversicht entsprechen, die in uns wirkt.. Zur Entgiftung-des'Kinnpfcs würde noese?Ul:ch beitragen, wenn wir uns auf Oie P; yche des Gegners einstellten. Wir Juden fallen in sittlichen Fragen leicht in Extreme,' und haben wir einmal eine Wahrheit erkannt, so pflegen wir mit aller Kraft und Folgerichtigkeit für sie einzurreren. Jur Kampf 'muß man sich aber auch nach dem Gegner richten und bedenken, daß dem Judenfeinde jede sittliche Grundlage fehlt. Zur Taktik gehört auch Takt. Psychologisch ist dar Antisemitismus das Problem der Mehrheit gegen die Minderheit. Zu unnötiger und scharfer Reaktion führt es aber, wenn über den Zroeck der Abwehr hinaus der gewisse vorhandene Wert Minderest allzu sehr betont wird. Mmr muß sich zurückhalten können, weil Ruhmredigkeit den verständigen Gegner sehr unangenehm berührt. Beispiele gäbe es genug (einige bespricht der Redner ausführlich). Weiteres psychologisches Moment des Hasses ist der Neid Innerlich wie äußerlich muß man sich hüten, tfat unnötig au sin stacheln. Ebenso CKtrf nicht von unserer Seite im Mvehrkampf ocr Fchlcr des Gegners wiederholt und unnötigerweise verallgemeinert werden. In dar' Form des Kampfes, in dem. Ziriercn christlicher Sprüche must die Empfindung des Gegners geschont werden, und überhaupt ist auf Besonuerrh-eit und Vornehmheit ür d-er Fornr unseres Kaurpscs zu achten. Ebenso schädlich ist bk häufig verfolgte bloße Demonstrationspolitik. Demonstrationen, bedeuten, nur etwas, nrenn hinter ihnen eine reale Kraß stcht> die uns fehlt; sonst wirken sie läck>crlich. Zchammcusasicnd sei zu fordern., daß der Jude u;t Abwehrkampf sich stets seiner Minderheitsstelln'ug bewußt sei. Er soll weder aus Kleinigkeiten P r m; zip i en f ragen machen, vor allem aber nicht aus Fragen der Taktik Weltanscha u n n gs prob leine. Er soll keine leeren, kraftlosen Demonstrationen vortäusck)en und seinen Kampf nach den alten weisen Worten führen: i?ortiter in re, suaviter in modo: Stark und energisch in 'der Sache, besonnen und taktvoll in der Form. . Der als dritter Referent vorgesehene Redner, Or. Max Marnzer-FranksurL verzichtet in dieser Eigenschaft auf das Dort und führt in der D iskussion aus: