Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Article
- Innere Mission
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 5)
- Language
- German
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16 Im beutf&en Reick nicht alä Juden, sondern als Verbrecher am Judentum, nicht nur am deutschen Volle. Die erhobenen Vorwürfe richten sich nicht nur gegen das Genußleben der Großstadt. Sie betreffen vor allem auch das Treiben in den Badeorten und an andern Stätten des Nichtstuns. Was kann unsererseits geschehen? Viele Vorschläge sind gemacht. Man hat die Aufgabe der Erziehung den Logen zugewiesen, .den Rabbinern, schließlich auch dem Eentralverein. Man hat im einzelnen die mannigfachsten Vorschläge gemacht, die hier nicht wiederholt zu werden brauchen. Für alle diese Bestrebungen , qilt das gleiche wie für die jüdische Erziehungsarbeit der letzten Generation überhaupt: alle Maßnahmen, so gut gemeint sie auch sind, Vorträge, Predigten, Zeitungsaussätze usw. verfehlen ihr Ziel. Sie erreichen diejenigen, die sie nicht brauchen, und die sie brauchen, an die kommen sie nicht heran. Hier muß Wandel geschaffen werden. Wir müssen nach den: Prinzip des Traktätchens arbeiten, ohne in den Traktätchensril zu verfallen. Wir müssen eine systematische Broschüreuliteratur verfassen, die in jedes Jndenhans gelangt. Die Rabbiner müssen an den hohen Feiertagen, wenn die Synagogen gefüllt sind, die Dinge behandeln, und die Lehrer müssen immer wieder stärker in den Dienst der Aufgabe gestellt werden. Sie müssen auf die Jugend wirken; denn dic- Aufgabe ist nicht von heute auf morgen zu läsen. Sie erfordert die Erziehungsarbeit einer ganzen Generation. Auch den Weg zu den Alten müssen wir über die Jungen finden. Wenn nichts anderes hilft, muß die Jugend revolutioniert werden, bis - die Kinder erklären, daß sie mit den Eltern nicht mehr über die Straße gehen, wenn sie sich nicht eines gesitteten Benehmens befleißigen. Nützen Erziehungsmittel nichts, so müssen wir Abschreckungspolitik treiben, propagandistisch darauf Hinweisen, welche Wirkungen sich aus diesem Gebaren ergeben, und schließlich kann die gesellschaftliche Aechtnng euS lokale Maßnahme Notwendigkeit werden. Letzten Cordes wird aber nur eines helfen: die Erneuerung des ganzen Menschen, die Schaffung der jüdischen Persönlichkeit. Mag die Abwehr der Angriffe gegen uns erste Aufgabe des Centralvercins sein, so müssen wir uns doch darüber klar werden, daß wir nich t uur ein Ab tu chr v e r ein, sondern e in Centralverein von Juden sind. Der Abwehrkampf kann keine dauernde Existenzgrundlage sein. Ein Trutzjudenrum ist kein Judentum. Wir brauchen jüdischen Inhalt, jüdische Weltanschauung. Das positive Programm muß kommen. Wir müssen nnsern Mitgliedern und vor allen: der Jugend ein jüdisches Ideal bieten. Wenn wir das nationale des Zionismus ablehnen, müssen' wir Ernst machen mit der religiösen Erneuerung.'Die letzten 100 Jahre haben das religiöse Leben desJudentums innerlich verarmt. Wir haben abgetragen, aber nicht aufgebaut. Wir müssen das Judentum wieder reich und schön machen. Wir müssen der