Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Article
- Innere Mission
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 3)
- Language
- German
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14 Im deutschen Reich nm Wohl des Vaterlandes Mitarbeiten.. Tüchtige Menschen sollen sie worden, tüchtiger als andere, weil man den Juden nur dann gelten läßt, wenn er mehr leistet als die andern. Und sie sollen es werden, nicht weil sie Juden sind, sondern weil wir alle Kraft einsejzen wollen, aus den Inden eine kulturelle Elitegemeinschaft zu machen. Und zu Kämpfern wollen wir unsere Kinder erziehen. Zu Kämpfern für Ehre und Würde des Judentums, für Wohl und Gedeihen der Menschheit. „Tamit.es endlich, endlich wohnlich werde, damit mehr Licht sich breite aus der Erde." Ms letzter Referent macht Dr. Jsmar Freund-Berlin etwa folgende Ausführungen: Zu den traurigsten Kapiteln auf dem Gebiete der inneren Mission gehört der jüdische Antisemitismus, die Befangenheit und Ungerechtigkeit, mit der wc^te jüdische Kreise den Juden und dem Judentum gegenüberstehen. Da wir. Gerechtigkeit gegen uns von den anderen verlangen, müssen wir sie Zunächst selbst, üben. Wir müssen uns deshalb die Frage vorlegen, bis zu welchem Grade die Borwürfe der jüdischen und nichtjüdischen Antisemiten berechtigt sind, wieweit der jüdische. Einfluß mitschuldig ist an den gegenwärtigen sozialen und politischen Verhältnissen in unserm Volke. Bei all diesen Dingen ist es schwer, ein objektives Urteil zu gewinnen, weil wir zu wenig Distanz zu ihnen haben. Es ist deshalb, wenn wir nach einer objektiven Antwort suchen, gut, sich ^larznmacken, daß die Anwürse gegen uns nicht von heute und gestern ^'ind, und daß die Geschichte bereits ein Urteil gesprochen hat. Bereits im Beginn der Emanzipationsbewegung, in Lessings Tagen, wurde die Frage aufgeworgen, ob die Juden ge» eignet seien, gleichberechtigte Glieder des deutschen Volkskörpers zu werden. Damals sprach sich u. a. der bekannte Verfasser des „Mosaischen Rechts", Ritter von Michaelis, gegen die Emanzipation der Juden aus, mit der Begründung, daß sie moralisch minderwertig seien, wobei er zur Unterstützung seiner Behauptung auf die Kriminalakten hinwies, nach welchen die ^iben nur ein Fünfundzwanzigstel dex^Bevölkerung ausmachten, zu den gemeinen Verbrechendes Diebstahls und der Hehlerei aber die Hälfte aller Schuldigen stellten. In diesem ersten Abwehrkampf war es Moses Mendelssohn, der darauf hinwies, daß es falsch sei, die Zahlen der jüdischen Diebe und Hehler an dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung schlechthin zu messen. Man müsse vielmehr fragen, wie Juden und Christen unter gleichen Lebens-und Berufsbedingungen zu bestimmten Verbrechen stehen, wieviel jüdische und wieviel christliche Diebe und Hehler etwa im Althandel anzutreffen seien; dann werde man sehen, daß die Christen dieses Berufes verhältnismäßig noch viel mehr Verbrecher" der gedachten Art als die Juden aufweisen. In Württemberg wurde, nachdem den Juden 1826 eine