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Im deutschen Reich · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 4

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
28 (1922)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Article
Im Kampf um unser Vaterland
Date
1922-01-01
Page
Seite 4 (sequence 3)
Language
German
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4 Im deutschen Reich Stunde, sondern für baZ §anze Leben dar. — Ab'. Holländer seinerzeit in unsere Reihen getreten sei und eine Deä giertenversammlung auregte, habe^ selbst der murine Horwip sehe erhebliche Bedenken gehabt, ob eZ überhaupt inöglich sein werde, eine solche Versammlung von erhcblichertt Umfange zustande zu bringen. Der Blick irr diesen Saal gäbe Dr. Holländer den Dank für seine Arbeit. lHravo!) Irr der daraus einsetzenden Diskussion erhält namens der indischen Frauen Frau Justizrat Dormitzer das Wort: „In dieser feierlichen Stunde, die die deutschen Juden im Kanrpfe um ihr Recht aufs Darerland hier vereinigt, soll auch die Stimme der deutschen Jüdin gehört werden. Glauben Sie mir, auch wir jüdischen Frauen leiden sch.Mr unter der antisemitischen Hochflut, die uns umbraust; wir empfinden es als Schmach sondergleichen, i»aß man uns zu Menschen Zweiter Klasse 511 stempeln versucht, daß man uns schmäht und verleumdet, anfeirrder rmd bekämpft, und vor allem, daß man uns die Rechte, die wir kraft Geburt, Erziehung, Kultur und Gesinnung zu beanspruchen Hubes!, in unerhörter Weise schmälern will. Wo wir stehen und gehen, aus der Straße urrd im geschlossenen Raume, in der Heimarstcrdr uitd aus der Reise, in kritischen Tagen, die jedem Deutschen als schicksalschwanger und düster erscheinen, Lrc Zeiten, da wir mut- und hoffnungsvoller in die Zukunft zu blicken glauben, allüberall der gellende Schlachtruf: der^Inde wird verbrannt! Wahrlich, wir Juoeu sind im Laufe der Jahrtausende vom Schicksal nicht verwöhnt worden, wir können uns ruhig als Prügelknaben der Weltgeschichte betrachten, aber das, was uns jetzt bedroht, was man uns heute a n di ch r e t u n d a n t ut, es üBettrifft di e Zeiten finstersten Mittelalters. Wenn wir F-rmtMt durch unsere mehr an die Häuslichkeit gebundene Stellung auch nicht so viel in der Seffentlichkeit wirken und schassen wie. die Männer, wenn unser Dasein sich naturgemäß in ruhigeren Bahnen abspielt — die Wirkrmg der Judenhctze, sie erreicht uns doch, sie greift Lies in unser Leben, das in dieser schüveren und harten Zeit dadurch doppelt schwer und hart wird. Da kommen unsere Kinder aus der Schule nach Hause rurd Nagen über hämische Reden, giftige Angriffe, die sie nicht nur von ihren Mitschülern, sondern leider allzu oft von ihren Lehrern zu erdulden haben; da sehen wir sie verstimmt und traurig über Kränkungen und 3iinicli'€£uu9cn, die sie um ihres Gläuberrs wollen erleiden ncüssen. Es bedarf all der Beredsamkeit, all der Ueberzeugnngskraft, deren eine eäste Mütter fähig ist, um Erbitterung und Verbitterung aus den jungen Herzelt zu entfernen. Immer' wieder muß man ihnen vor Augen führen, daß sie als dnitsche Knaben und Mädchen jüdischen Glaubens die gleichen Rechte haben wie jette Verleuiuder, die sie ihmm als „Menrvrassige rmd Fremdblütige" zu rauben versuchen, die sie in wol^ überlegter Persidie entwirrzeln urschten. Wir jüdischen Frauen haben von jeher die Ausübung der Wohltätigkeit, gleichgültig, ob sie unter christlicher oder jüdischer Führung rvirkte, als unsere ureigenste Domäne bk-

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