Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1921)
- Article
- Ludendorff, Kaiser, Parlament und Juden
- Date
- 1921-12-01
- Page
- 361 (sequence 7)
- Language
- German
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Lndendorff, Kaiser, P^nlanient und Juden 3«1 Die deutschen Juden haben auf den Schlachtfeldern geblutet wie ihre christlichen. Kameraden. .Die deutschen Juden baden das Eiserne Äreuz I. und II. Klasse erhalten und andere lthrcnzeichen für Tapferkeit, und General Lndcndorsf, an einer der höchsten Stellen der Armee stehend, ist nicht eingeschritten und hat nicht gesagt, diese Berschwörerbande gegen Teutjchl-and verdient leine Srden: heraus mit ihnen ans der Armee. Aber vielleicht hat General Lndendorff seine 'Wissenschaft vom Hochverrat inib Landesverrat der Juden erst später erhalten! Und daraus ergibt sich folgende Sachlage: Die deutsche Armee hat ein wohlausgebautes Spionage« fvstem gehabt. Sie muftfc wissen, welche Gefahren in Deutschland und welche Gefahren austerhalb Deutschlands dem Reiche drohten. Und sie hat nichts gegen die Zuden getan, die auf die Niederlage Deutschlands — immer nach General Ludendorff hinarbeiteten. Und für diese unerhörte Unterlasslmgssünde wären doch wenigstens die verschiedenen Reichskanzler n i rii t verantwortlich zu machen, sondern die- Militärbehörden, die General Lndendorff Jahre hindurch entscheidend 51t beeinflussen in der Lage war. Und welch' ein vollkommenes Versagen der militärischen Aufklärung wäre es gewesen, wenn über die Berrätereien des Zudentnins General Lndendorff erst nach den: Kriege unterrichtet worden wäre. Die Unfähigkeit, die hierin läge, wäre jener Unfähigkeit der deutschen Reichslc nzler, die General Lndendorff behauptet, durchaus an die Seite zu stellen. Und schließlich noch eine Bemerkung von allgemeiner Natur. Wer lüeibt nach der Ansicht von General Ludendorff' in Deutschland übrig, um unser Volk zu regenerieren? Die Sozialdemokratie und der Radikalismus kommen hierfür natürlich nicht in Frage. Die Demokraten auch nicht, und das -Zentrum in seinen heute führenden Preisen ebensowenig. xVt bezug auf die deutsche Bolksparrei must man schon sehr begründete Zweifel hegen, denn viele rmd einflußreiche Mitglieder sträuben sich, den vulgären Antisemitismus mitznmacheu, und sie sind geneigt, sich der Demokratie und der Republik anzuschLietzen. Aber sogar in der deutschnationalen Botkspartei gibt cs Elemente, die ganz gewiß nicht auf dem Standpunkt des Generals Ludendorff stehen. Den uneingeschränkten Beifall freilich wird er finden bei. ausgesprochenen Reaktionären unb bei ausgesprochenen Antisemiten der deiltichnationalen Bolkspartei. Reichen diese Mreife aus, um jene Gesundnngskur dnrchznführen, die General Lndendorff vorschlägt? Und entscheidend scheint mir die nachfolgende Erwägung zu sein. Es gibt in 'Deutschland etwa 1 Prozent Znderr, d. h. es entfällt auf 100 Deutsche nirftf ganz ein Jude, und wenn es nun richtig ist, daß dieser, eine Einzige auf 100 Richtjuden iroi> Schule, trotz bisheriger militärischer Erziehung, trotz Universität, trotz Beamlcnlum und Heer, wie es war, trotzbem daß Juden bisher aus der höheren Stantslaufbahn und