Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1921-12-01 · Heft 12 (Dezember 1921) · p. 358

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 12 (Dezember 1921)
Article
Ludendorff, Kaiser, Parlament und Juden
Date
1921-12-01
Page
358 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316912-2316922-2359112--32393-2359154
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Im deutschen Reich oöb zugleich ein Ausblick in die Zukunft, und ein Einblick, der für das deutsche Volk in Erinnerung behalten werden sollte. An einem Diktator, der, nach seiner Ansicht wenigstens,- sich für diktatorische Aufgaben als geeignet erachtet, fehlt es uns in Deutschland mithin nicht. Der General Ludendorff gibt auch durch sein Werk bekannt, daß er für solche Aufgaben sich bereit hält. Der Versuch, die Diktatur in Deutschland 1916 oder später zu . errichten, zeugt genau von derselben politischen Einsicht, welche jene Leute besessen haben, die den Kapp-Putsch inszenierten oder die dem Kapp-Putsch in der Reichskanzlei assistiertein Hätte mau 1916 versucht, die Verfassung umzustosten durch Proklamierung einer Diktatur, so hätte das zu den allerschwersten inneren Erschütterungen führen'müssen; Erschütterungen, die in der allerungünstigsten Weise, voraussichtlich in verhängnisvoller Weise, auf die "Armee an den Ironien hätten z n r ü ck w i r k e n n t i i f) e 11. Wilhelm II. ist gewiß kein großer Politiker gewesen, aber daß er solchen Ratschlägen nicht gefolgt ist, zeigt doch immerhin Einsicht in politische Möglichkeiten. Der Vorschlag Ludendorffs beleuchtet seinen politischen Scharfblick, seine politische Urteilsfähigkeit nnb seine Achtung gegenüber der Gesetzlichkeit. Gesetz ist das, was ein Einzelner im Interesse des Staates für zweckmäßig erachtet. Damit ergibt sich eine Staatskonstruktion von überwältigender Einfachheit. Ein Monarchan der Spitze, und hinter ihm ein oder mehrere Diktatoren-, die das tun, was s i e für notwendig halten. Vor länger als 1060 Jahrcn unu:be so das fränkische Reich regiert. Aber diese tausend Jahre )inb an der Bevölkerung Europas nicht gerade ganz spurlos vorübergegangen, und man kann einigermaßenbezweifeln, daß die - damaligen Methoden auch heute noch sich als heilbringend erweisen würden. Es ist ganz klar, daß den reaktionären Tendenzen des Generals Ludendorff ein charatteristifcher Zug fehlen würde, wenn er sich nicht zugleich zu dem allerausgesprochensten und radikalsten Antisemitismus bekennen würde.- Sein Buch „Kriegführung und Politik" benutzt er zugleich, um die deutschen Juden dem deutschen Volke als — R e i ch s v errate r zu denunzieren. Eine solche Anklage erhebt General Lndendorsf natürlich nicht mit dürren Worten. Er zieht es begreiflicherweise vor, in Allgemeinheiten zu sprechen, die aber so deutlich sind, daß jeder Antisemit die nötigen Folgerungen zu ziehen in der Lage ist.. Und das ist natürlich der Zweck der Hebung. Es wird nützlich fein, einige der Aeußerungen des Generals wörtlich hierherzusetzen. Es heißt von den Deutschen: „Sie gaben sich willig volkssremden und namentlichjüdischen Einflüssen hm, die dem germanischen Wef*n völlig zuwider sind. Das war um so gefährlicher, als das jüdische Volk selbst —' Um ein-Volk handelt es sich in den Juden — ein stark ausgeprägtem Volksgefühl und einen starken Erwerbssinn besitzt. Beides war

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.