Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1921)
- Article
- Ludendorff, Kaiser, Parlament und Juden
- Date
- 1921-12-01
- Page
- 357 (sequence 3)
- Language
- German
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Lndendorn, 5taiscr, Parlament und Juden 357 Das ist nicht nre i n c Ansicht, und tuclc in Deutschland werden nicht ans diesem Standpunkt stehen. Aber hieraus foinmt es nicht an, — an dieser Stelle und in dies e m Aussen blick. Der Kampf gegen jene Reichskanzler, die der Kaiser ernannt hat, füllt einen wesentlichen Teil des Ludendorffschen Buches aus. Also: Die Kanzler ruinierten die Siege; die Kanzler waren unfähig, 511 einem ehrenvollen Jriedensschluß zu gelangen: die Kanzler untergruben die J-estigkeit in Deutschland, uud die Kanzler zerstörten den Siegeswillen im Heere. Und diese Kanzler sind frei gewählt von Kaiser Wilhelm II. Der Kaiser ruiniert mithin Deutschland durch die Männer seiner Wahl; der Kaiser ruiniert das Heer: der Kaiser ist der intellektuelle Urheber für das furchtbare Unglück Deutschlands. Das sind die Zolgerungen, die sich nach der einen Richtung hin aus denn Werke des M o n a r ch i st e n Ludendorff zwanglos ergeben. Ein Plädoyer für die Zurückführung der Hohenzollern ist dieses Buch also ganz \n\b gar nicht. Bielleicht denkt der Menarchist Ludendorff daran, der das H e r r } ch c r h c. n s d e r H o h e n z olle r n s o s n r ch t b a r p r e i s g i b t, itnb der heute in Bayern sich niedergelassen hat, die Wittelsbacher an die Stelle der Hohenzollern zu setzen. Mit echten monarchischen Prinzipien ließe sich das freilich nicht vereinige;!. Es entspräche das mehr dem Borbilde des Hausmciertmns: hier sestt ein starker Staatsdiener jene auf den Dhron, die -ihm.als die geeignetsten für seine politischen Ideale erscheinen. Und solchen Gedanken ist General Ludendorff keineswegs unzugänglich. In feinem Buche finden sich einige Stellen, die in dieser Beziehung außerordentlich aufschlußreich sind. General Ludcndorsf erachtet es als einen unverzeihlichen Welcher, daß nicht — im ^alire 1216 etwa — die Diktatur in Deutschland proklamiert worden ist. Diese Stelle seiner Schrift muß wörtlich-hierhergesetzt werden. General Ludendorff ist sich natürlich bewußt, daß die Errichtung der Diktatur in Deutschland nicht gerade zu den allerharmlosesten Borgängen zu rechnen gewesen wäre. Immerhin sagt er das Aachstehende: „Trotzdem ' hätte die Oberste Heeresleitung mit Zustimmung der Krone an Stelle der unfähigen Negierungsgewalt die Diktatur ergreifen müssen, auch wenn ich daran zerschellt wäre. Ich hätte dann das Aeußerftc versucht, was in diesem Augenblick nicht nur zur Erhaltung, sondern zur Rettung des Staates und der Monarchie geschehen konnte." Diese wenigen Zeilen sind recht aufschlußreich. Nicht nur die Diktatur wäre nach der Ansicht des -General Lndendorff notwendig gewesen, sondern für ihn ist es selbstverständlich, daß cr ein Träger der Diktatur hätte sein müssen. Wenn man in Betracht zieht, daß General Lndendorff beim Kapp-Pntsch in der Reichskanzlei sich anfhielt, und daß er dort voraussichtlich nicht gerade Ratschläge zur Respektierung der Reichsverfassung erteilt hat, so ergibt sich hieraus