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Im deutschen Reich · 1921-12-01 · Heft 12 (Dezember 1921) · p. 356

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 12 (Dezember 1921)
Article
Ludendorff, Kaiser, Parlament und Juden
Date
1921-12-01
Page
356 (sequence 2)
Language
German
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o5G Im deutschen Reick) Volkes, die zweifellos in Ruhe eine andere Wahl gleichsaus hingenommen hätten. Denn es irtufj daran erinnert werden, daß Freiherr von Hertling als ein besonderer Vertrauensmann der Linken des Parlaments keineswegs zu betrachten war. -verkling hatte eine konservative Vergangenheit hinter sich, und er schien eine Bürgschaft dafür zu sein, das; ein Abgteiten der deutschen Politik nach links ganz gewiß durch ihn nicht zu be-- sürchten sein würde. Die politischen Vertrauensleute des .Kaisers in der höchsten Reichsstellung, in einer Zeit von allerhöchstem Ernst für den Monarchen, sür das Reich und für das deutsche Volk sind also nnsgewnhlt und ernannt worden von Wilhelm 11. ans ureigenstem Entschluß heraus und ausschließlich auf seine Verantwortung hin. Bis zum Zusammenbruch des Kaiserreichs in Deutschland bestand' die allerwicbtigste Funktion des Monarchen darin, seine militärischer! und' ministeriellen Berater sich selbst zu wählen. Ein Versuch des Parlaments, ans die Ministerernennung Einfluß zu gewiuueu, wurde seit den Bismnrckschen Zeiten mit größter Rücksichtslosigkeit stets und.ständig zurückgewiesen. Ein solcher Versuch wurde als „u,identisch" gebrandmarkt. Alle drei Kanzler während des Krieges und bis zürn Zusammenbruch waren im absoluten Sinne Vertrauensmänner Kaiser Wilhelms II;, waren nach der Ansicht des Kaisers diejenigen Männer, die ihm als die geeignetsten erschienen, das Staatsschiff durch die furchtbare Brandung des Weltkrieges Hindu rchznsteuern. General Ludendorff fällt nun in seinem Werk „Kriegführung und Politik" geradezu vernichtende Urteile, sowohl'über Bethmann-Hollweg wie über Hertling. Er geht mit stillschweigender Resignation an dem Kanzler Michaelis vorüber, und solche Resignation muß wohl dahin interpretiert werden, daß diese unglückliche Gestalt an entscheidender Stelle im deutschen Reiche arn besten in Schweigen begraben wird. Wenn ein Monarch, wie Wilhelm II., seine vornehmste Pflicht und sein vornehmstes Recht die Berufung seiner Berater —, in einer Weise ausübt, wie es nach Ludendorffs Ansicht durch Wilhelm II. geschehen ist,- so spricht dies zunächst gegen den unfähigen Monarchen, der im gegebenen Falle seine Aufgabe nicht zu erfüllen in der Lage war. Aber da die Monarchie nicht die geringste Gewähr dafürbietet, daß auf einen unfähigen Monarchen nicht eine weitere, lange Reihe gleich unfähiger Monarchen folgt, so ist das Buch Ludendorffs, des Monarchisten, eine Schatzkammer zum Kampfe gegen die Mo n ar ch i e. Man muß das Werk Ludendorffs lesen, um sich vergegenwärtigen zu können,'mit welcher nie ermüdenden Kraft er immer von neuem die Unfähigkeit, die völlige Unbrauchbarkeit, die . bodenlose Ratlosigkeit Bethmann-Hollwegs schildert. Er ist für die innere wie für die äußere Politik des Reiches ein Verderber.

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