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Im deutschen Reich · 1921-11-01 · Heft 11 (November 1921) · p. 335

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 11 (November 1921)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1921-11-01
Page
335 (sequence 4)
Language
German
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Zcitschau 335 haben im schönen München die Deutichnationalen ihren Parteitag begangen. Daß der Antisemitismus dabei eine Rolle spielte, ist selbstverständlich. Teils diente er der Erheiterung der Massen, die beim Worte „Jude" ihren Mannesmut durch erhebliches Kampsgeschrei bewiesen, teils mußte er Zum Ausbau des Parteiprogramms herhaltcn. Hier kam man zum Schmerze der Unentwegten nicht ganz zum Ziele. In der völkischen Frage wurde folgende Entschließung angenommen: „Der Parteitag siebt einmütig auf dem Boden des deutschvölkischen Bekenntnisses. Die Prüfung, welche Folgerungen hieraus für die Grundsätze und Satzungen der Partei, insbesondere hinsichtlich der Frage einer schärferen Fassung der Satzungsbestimmungen über die Mitglied, schast zu ziehen sind, wird einem sofort zu wähleuden Ausschuß von neun Mitgliedern zur Berichterstattung auf dem nächsten Lertreterlag. und zwar binnen drei Monaten, überwiesen. Diesem Ausschuß werden alle an den Parteitag gerichteten Anträge zur deutschvölkischen Frage überwiesen." So ganz einfach scheinen also die Dinge auch hier nicht zu liegen. Öb man fürchtet, sich durch eine zu radikale Formulierung mit Elementen, die man Unter den Linden nicht grüßen will, zu sehr zu vereinigen? Oder ob man immer noch hofft, inan werde,auch wenn man denSozialismus im Judentum bekämpft, doch aus dem Kapitalismus in ihm einigen Mutzen ziehen können? Jedenfalls erscheint hier Judenhaß als etwas, in dem man sich nach Kräften betätigen darf, das man aber nach außenhin nicht so sehr zeigen soll! Und das können wir den blaublütigen Herrschaften nicht sehr verdenken. Die Gesellschaft, in der sie sich hier befinden, ist keine besonders erfreuliche. So mancher, der im Kamps gegen die Juden seine Treue und seine Ehrlichkeit preist, muß sich hüten, das Dunkel, das über seiner Vergangenheit oder über seinem gegenwärtigen Privatleben liegt, zu lüsten. Wie bezeichnend ist es doch, wenn ein antisemitischer Redakteur, der in einer bekannten Prozeßsache verurteilt wurde, nicht in der Lage ist, die Kosten des Rechtsstreites zu bezahlen. Oder wie muß es denen, die das Flugblatt „Deutsche Mädchen, hütet Euch vor Negern, Juden und Mongolen" verfaßt haben, ums Herz werden, wenn sie lesen, daß einer ihrer süddeutschen Parteihelden wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an Kindern, zu mehrmonatiger Gefängnisstrafe verurteilt worden ist! Und als Herr Kunze auf seinem Parteitag Abschaffung der Papier, zcldwirtschast und Verstaatlichung der Banken verlangte, da dachte er wahrscheinlich daran, wie schön die Leitung einer solchen staatlichen Bank sei, wenn sie, wie kürzlich die Deutsch, völkische Bank, cs ablehne, ihr vorgezeigte Schecks zu honorieren. Wie immer, wenn wir an dieser Stelle einen Ausschnitt aus der antisemitischen Bewegung aufrollen, komme» wir zu ErnzeltzeiLe».

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