Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 11 (November 1921)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1921-11-01
- Page
- 336 (sequence 5)
- Language
- German
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836 Im lettischen Ncich dem Ergebnis, daß nicht nur gegen uns viel Schmutz ausgeworfen wird, sondern daß die antisemitischen Macher in ihren eigenen Reihen sehr, sehr viel mehr Schmutz haben. Darauf hinzuweisen ist immer wieder nötig zur Aufhellung des Blickes derer, die dem Antisemitismus seine Berechtigung nicht absprechen wollen. Nichts beweist klarer die Hohlheit der antisemitischen These von der Minderwertigkeit der Juden, als die Torheiten der Argumente und die persönliche llngeeignetheit derer, die sie vertreten. Eine gute Sache braucht kein Aushängeschild, das in allen Farben schillert, und keine Verfechter, die dunkle Wege gehen, weil ne die Hellen scheuen. Mit Schmutz wirft nur, wer gewöhnt ist, Schmutz anzufaffen. r-r,Antt,eini> Der Antisemitismus ist jedenfalls in der Form, in der er Vätern,n in Deutschland geübt wird, kein Problem, sondern er ist eine Torheit, eine gefährliche Torheit; gefährlich nicht nur für die Juden, sondern für die gesamte Bevölkerung. Von einem Problem des Antisemitismus könnte man nur dann sprechen, wenn seine Argumentation wissenschaftlich, wirtschaftlich oder politisch zu begründen oder zu widerlegen wäre.- Das ist jedochvon seltenen Fällen abgesehen, nicht möglich. Aber auch Torheiten müffen bekämpft rverden, zumal wenn Torheit, sie in dem Ausmaße auftreten wie diese. Der Kampf geschieh! nicht in der Weise, daß man den Gegnern, um ein liebenswürdiges Gesicht von ihnen zu erhalten, sagt: „Die meisten von uns sind so, wie ihr sie bezeichnet, ich aber und wenige - andere, wir sind so gut wie ihr." Dadurch, daß mau-solches sagt, nimmt man nicht nur die gleiche Torheit, sondern außerdem den Fluch der Lächerlichkeit und' den noch schlimmeren Fluch der Kriecherei auf sich. Ebensowenig aber überwindet man die Torheit, indem man sie nicht sehen will. Denn sie ist da. Und an Tatsachen Vorbeigehen zu wollen, ist ebenfalls töricht. Wir kämpfen gegen die Torheit, indem wir unermüdlich versuchen, sie auszurotten. Eine Opferwoche liegt hinter uns. Tage, die unter einer besonder» religiösen Weihe lagen, und in denen wir gerade deshalb zu hoher und heiliger Leistung aufgefordert wurden. Mit dem Ablauf der Opferwoche sei aber'das Werk nicht getan. Nicht nur dann, wenn wir dazu aufgerufen werden, und nicht nur alle Jahre einmal sei des Werkes gedacht, sondern die Arbeit an ihm sei unsere ständige Begleiterin. Der Torheit begegnen mir. auf Schritt uüd Tritt; deshalb muß ihr überall die ernste, vernunstgem äße und wahrhaftige Arbeit entgegengesetzt werden. 25. Oktober 1921. K. Zl.