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Im deutschen Reich · 1921-11-01 · Heft 11 (November 1921) · p. 331

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 11 (November 1921)
Article
Der Zarenmord und die Juden
Date
1921-11-01
Page
331 (sequence 12)
Language
German
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33t Der Zarenmord und die Juden in Frankreichs intellektuellen Kreisen ungleich größere Nachsicht fand ^berhaudals in Deutschland) ruhte der politische Mordanschlag bis auf Hödel und NoLiling, die bis in die radikalsten Kreise hinein tiefste Entrüstung in Teutschtanv. weckten. Aber seit November 1918 hat eine erschreckende Anzahl von politischen Morden stattgefunden: Liebknecht, Rosa Luxemburg, Kurt Eisner, Landauer, Gareis. Erzberger sind Opfer geworden. Ungleich weniger prominente Persönlichkeiten sind in viel größerer Zahl hingerafft worden, rnan hat ausgerechnet, daß bis zum Juli 1921 nicht weniger als 360 politische Morde in Deutschland verübt worden sind. Und zwar wurden diese Morde von Anhängern der Ordnungsparteien .verübt und von Stützen des Thrones und des Mares gutgeheißen und' belobt. Kein Gerechtdenkender wird diese Tatsachen, die man nicht erst zu falschen und zu übertreiben braucht, dazu benutzen, um den politischen Mord als eine immanente Eigenart des deutschen Volkes oder als einen Ausdruck des deutschen Geistes hinzustellen, sondern wird sie erklären als eine Folge der schauerlichen, durch den £rieg verursachten moralischen Verwilderung und der maßlosen politischer? aozureyverr. Verhetzung, die alle Grenzen überschreitet. Nach der lieblichen und gerechten Methode des Jenny-Prosoroff dagegen dürfen wir nicht nach der Erklärung fragen, sondern einfach, wie die Tatsachen bestellt sind. ... Es ist Tatsache, daß die „im Grunde vernünftige zarisckre Judenpolitik" ^oie gewisse Kreise auch in Deutschland verwirklicht schon möchten) überhaupt erst die Juden Rußlands in eine so hoffnungslose Lage gebracht hat, daß die intellektuelle Jugend und das Proletariat dem revolutionären Gedanken zugänglich gemacht wurde. Vereinzelte jüdische Namen tauchen in der terroristischen Bewegung erst in den 80 er Jahren auf, lange nachdem die großen anhaltenden, von der Regierung offenkundig betriebenen Pogrome den Juden alle Hoffnung geraubt hatten, auf legalem Wege eine Verbesserung ihrer Lage zu erreichen. Mau suchte mit Lichtern nach jüdischen Teilnehmern an früheren Revolutionen und fand nur — daß am Dekabristenaufstand 1825 der Sohn eines getauften, seit Jahrzehnten in Petersburg fern von Juden und Judentum residierenden jüdischen Millionärs beteiligt war (dieser Aufstand war von Angehörigen des höchsten deutsch-baltischen und russischen Adels und der Offiziers- und Beamtenkreise gemacht worden). Alle grausamen Leiden, die „die im Grunde vernünftige Judenpolitik",' namentlich unter Nikolaus I., den Juden zufügte, ertrugen diese bis vor 40 Jahren mit stummer Geduld. Seither wurden die extremen Elemente unter den Juden immer mehr in den Wirbel der revolutionären Strömung hineingezogen. Doch erst im Jahre 1911 geschah es zum erstenmal, daß ein Jude, Bogrow, ein Mordattentat verübte, nämlich auf Stolypin. Aber immer war es so, daß die Juden um so radikaler waren, je mehr sie, ohne Rücksicht auf ihre Klassenzugehörigkeit, dem Judentum in religiöser und kultureller Beziehung entfremdet und in dem Russentum aufgegangen waren. Diejenigen Schichten, die in innigem Zusammenhang mit der jüdischen Tradition und dem jüdischen Leben standen, und diese bildeten gut 99 Prozent der russischen Judenheit, befanden sich im Lager des liberalen Bürgertums, das durch die Kadetten und Oktobriften repräsentiert war. Die verhältnismäßig verschwindende Zahl von ,Zudem", die sich dem Bolschewismus anschloß, hatte sich vom Judentum am weitesten entfernt. Wie sich die „jüdischen" Bolschewistenführer zum Judentum als religiöse und kulturelle Gemeinschaft verhalten, ist in der genannten Schrift von Bulaschow S. 25 und S. 34—38 sowie im Mai-Juni-Heft dieser Zeitschrift genügend auseinandergesetzt worden, und es ist überflüssig, das dort Gesagte zu wiederholen. Mt vollem Recht sagt

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