Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 11 (November 1921)
- Article
- Der Zarenmord und die Juden
- Date
- 1921-11-01
- Page
- 328 (sequence 9)
- Language
- German
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323 3in deutschen Reich gräßliche Verbrechen zu büßen. Tausende wurden verfolgt und vertrieben.' Das BluLwunder war eben aus allerlei dringenden Gründen nötig.— und es geschah! Die ganze Welt glaubte fest daran. Jexn benötigt man den Glauben an den Juden als Haupttriebkraft der Revolution,, daher die rastlose Propaganda. Und-die Welt glaubt abermals daran. Wir können uns im Kampf gegen diese Pro« paganda unserer Haut nur dadurch erwehren,- daß wir immerfort rastlos bemüht sind, die öffentliche Meinung aufzukläreu, und es übrigens der Wahrheit überlassen, sich durchzusehen. Daß dies' eine Sisyphus-Arbeit ist, braucht nicht gesagt zu werden. Das lehrt uns jedes Blatt der antisemitischen Presse. Vor nicht langer Zeit hat dies der Artikel „Das Judentum im Bolschewismus", von Dr. E. I c u n y ttbswMen'uä' der „Deutschen Tageszeitung" Nr. 363—6 abermals erwiesen. Mit reis Ende. einem merkwürdigen Gemisch von naiver Heuchelei und dreister Unverfrorenheit eifert der Verfasser gegen „die jüdischen-und jüdisch beeinslußten Blätter, die mit geschicktem Hakenschlagen versuchen, die Juden von der Schuld am Bolschewismus reinzuwaschen".- Der Verfasser versichert, daß sie „in Rußland selbst desgleichen Lun, schon weil im ganzen Rätebereich kein einziges nichtbolschewistisches .Blatt erscheint, und dort die Presseverwaltung rein jüdisch ist". Also die jüdischen Bolschewistenblätter in Rußland suchen die Juden von der Schuld.am Bolschewismus rein zu waschen. Da aber in den Augen der Bolschewistenblätter der Bolschewismus keine Schuld, sondern ein Verdienst ist, so müßte die Bolschewistenvresse, wenn sie „rein jüdisch" wäre, unaufhörlich die Verdienste der Juden um den Bolschewismus austrommeln, anstatt den Zusammenhang abzustreiten. Eins von Jenny oder Leiden ist entschieden unwahr. Interessant ist, daß Herr Or. Jenny Prosoroff? über die „Republik der Pseudonyme" spöttelt und den vielen. „echt russisch klingenden Namen" zu mißtrauen rät. Herr Dr. E. Jenny ist nämlich identisch mit Herrn G. Prosorosf, welcher bis zum Kriegsausbruch im roten „Tag" die von glühender Nusseuliebe durchdrungene Politik August Scherls verfocht und dabei, wie es. sich für einen „echt russischen Menschen" geziemt. Ln der Judenfrage die Ideen der „Schwarzen Hundertschaften" vertrat. Es wäre interessant zu erfahren, ob' G. Prosoroff oder Dr. E. Jenny der echte Name - und welches das Pseudonym ist. In der Zwischenzeit hatte Prosoröfs- Jenny allerlei Wandlungen durchgemacht, ein paar Momente lang . schillerte er sogar judenfreundlich. Aber jetzt erfordert die Konjunktur, daß man abermals die Chuligan-Politik betreibt. In deutschen antisemitischen Kreisen ist nämlich die Ueberzeuguug verbreitet, daß die Erben der Bolschewisten die „Schwarzen Hundertschaften" sein werden; mit diesen müsse man sich also beizeiten gut stellen, um das Bündnis zwischen einem reaktionären Deutschland und einem reaktionären Rußland wie vor dem Kriege vorzubereiten. Das ist indessen ein verhängnisvoller Irrtum. Die Reaktion hat in Rußland so - gründlich - abgewirtschaftet, daß sie keinerlei Aussicht hat, wieder zur Macht zu gelangen. Es war der Grundfehler aller Gegenrevolutionäre, daß sie in ihrem Gefolge den zaristischen Bureaukraten und den Großgrundbesitzer führten. Die „weißen Garden" gingen darum massenhaft zu den roten über und fanden dabei die Unterstützung der Bauernbevölkerung. Die Zukunft gehört in Rußland dem ' liberalen Bürgertum, welches durch die Kadetten und Oktobristen repräsentiert wird und dessen Führer gegen den Antisemitismus ebenso protestieren wie gegen den Bolschewismus und schon oft dargelegt haben,. daß eben das fluchwürdige . zaristische System, welches die Pogrome als Regierungs- und Berwaltungsmittel handhabte, es ^wesen ist, welches das Enrporkommen des Bolschewismas Ln. Ruß-