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Im deutschen Reich · 1921-11-01 · Heft 11 (November 1921) · p. 327

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 11 (November 1921)
Article
Der Zarenmord und die Juden
Date
1921-11-01
Page
327 (sequence 8)
Language
German
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Der Zaren nwrd unb die Juden 327 Die Triebfedern die sc 5 ganzen Vorgangs liegen, nun Hat zutcu)c. Die Zarenfamilie wird ermordet. Die russischen reaktionären Militärkreise bieten alles auf, um die Schuld auf die Juden abzuwälzen. Der General Dietrichs verbreitet eine Flugschrift unter dem Titel „Dir.' Juden haben den Zaren ermordet!" und dieses Schlagwort findet lauten Widerhall in Berlin, Paris und London, dringt sogar bis nach Madrid, wo der sonst so schweigsame König Alsonso erklärte, die Juden haben den Weltkrieg gemacht, sie haben die Revolution gemacht, sie haben zuguterletzt den Zaren und seine Familie ermordet. Mächtige und weitverbreitete Zeitungen und Zeitschriften wie Morning Post, Times, Le Temps, Revue des Deux Mondes bestätigen sie in ausführlichen, langen und mit angeblich authentischen Dokumenten versehenen Artikeln und hämmern sie dem gebildeten Publikum der ganzen Welt in das Hirn. Durch Tausende und aber Taufende kleiner Aussätze, unscheinbarer Zeitungsnotizen, Flugschriften und Broschüren, die für das „gemeine" Volk berechnet sind, wird diese Ueberzeugung unter den Volksmassen aller Länder verbreitet, bis sie zu einer uner-- schütterlichen selbstverständlichen ,Wahrheit" wird, wie ehemals, daß die Juden den Sohn Gottes gekreuzigt und jahrhundertelang seinen Leib in der geweihten Hostie marterten oder daß sie noch heute Christenkinder schlachten, um ihr Blut in die Osterbrote zu kneten. . . . Welcher Zweck wird damit verfolgt? Die Juden sind die Urheber und Träger der Revolution. Das will sagen: Wer an der Revolution teilnimmt, dient den jüdischen Interessen, fördert das Judentum gegen das Christentum und verwirkt sein Seelenheil, er untergräbt die Kirche, hilft dem Satan und dem Beelzebub, sich zu Herren der Welt zu machen. ... Es gibt kein wirksameres Mittel, die Revolution und ihre Forderungen der Masse zu verekeln und verdächtig zu machen, als indem man sie zu Erzeugnissen des „jüdischen Geistes" stempelt. Alle Elemente, hoch und niedrig, die irgendwie ein Interesse daran haben, der Reaktion wieder zum Siege zu verhelfen, werden sich unweigerlich dieses Motivs bedienen und in der Propaganda so rücksichts- und gewissenlos sein, wie man es immer in der politischen Propaganda überhaupt gewesen ist, zumal uw es gegen Juden losging. Keinem fallt es ein zu leugnen, daß in allen Ländern Juden an der revolutionären Bewegung teilgenommen haben. Das wäre ja anders gar - nicht möglich getoq'eu, 5a doch die Juden am Ende auch sozusagen Menschen sind, am bürgerlichen Leben Anteil nehmen und über die politischen Zustände ihre Ansichten haben und betätigen müssen, wie alle anderen Sterblichen auch. Und da die Juden am Ende nicht stumpfsinniger und unbegabter sind als alle anderen Menschen, so war es unvermeidlich, daß manche von ihnen hier und dort zu Führerstellen gelangten. Aber man täusche sich nicht, wäre das Unmögliche geschehen und kein Jude hätte sich an der Revolution beteiligt oder wären Trotzki und Bola Khun, Eisner und Landauer keine Juden der Abstammung nach, man hatte sie zu Juden gestempelt, um nur die Anklage gegen die Juden als die Urheber der Weltrevolution erheben und die Weltrcvolutivu als „jüdisch" brandmarken zu können. Es gibt mächtige und einflußreiche Kreise, für deren Zroecke es unbedingt notwendig ist, daß diese beiden Auffassungen existieren und immer mehr verbreitet werden. Wo es keine Juden gibt, müssen sie erfunden werden. Kein Mensch in Europa glaubt heute, daß die Juden jemals geweihte Hostien zerstachen und ihnen Blut abpreßten, um sich an den Martern Christi zu weiden, und dennoch mußten im Verlaufe der Jahrhunderte unzählige Juden den Scheiterhaufen besteigen, um dieses

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