Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 11 (November 1921)
- Article
- Der Zarenmord und die Juden
- Date
- 1921-11-01
- Page
- 326 (sequence 7)
- Language
- German
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L26 Im deutschen Reich depeschierte, vom General Dietrichs erhalten hatte, der auf eigene Faust eine Untersuchung geführt. Aber schon am 6. April 1920 richtete Di*. R. Blank an Lucien Wolf einen Brief, Ln dem er über eine Unterredung mit dem ehemaligen Justizminister der KoLLschakschen Negierung, StarinkewiLsch, berichtete. Es heißt darin wie folgt: „Nachdem Herr StarinkewiLsch mir die entschiedene Erklärung abgegeben hatte, daß an der Ermordung der Zarenfamilie kein einziger Jude beteiligt war, richtete ich an ihn die Frage, wie er sich die Tatsache erkläre, daß General Knox an das britische Kriegsamt das Gegenteil drahten konnte. Herr StarinkewiLsch schwieg eine Weile, dann sagte er lächelnd: Die russischen Militarkreise bemühten sich gleich vom Beginn mit großer Heftigkeit, sestzustellen, daß die Ermordung des Zaren ein Werk der Juden gewesen sei, und daß dies durch die Untersuchung erwiesen werden müsse. Sie unternahmen Nachforschungen auf eigene Faust und drängten daraus, daß die ganze gerichtliche Untersuchung ihnen überlassen werde. Der Justizminister hatte große Schwierigkeiten zu überwinden, bis es ihm geläng, durchzusetzen. daß die Untersuchung durch die ordentlichen Organe seines Departements geführt wurde. Aber diese Untersuchung wurde fortwährend durch das Eingreifen der Militarkreise gestört. Als z. B. der erste Untersuchungsbeamte Sergejew nicht imstande war, die Spur einer jüdischen Beteiligung zu entdecken, protestierten die Militärkreise laut gegen ihn und streuten aus, daß er selber Jude sei. Der Kampf gegen diesen Beamten war so heftig und anhaltend, daß der Justizminister gezwungen war, Sergejew zu entfernen und die Untersuchung einem anderen zu übertragen. Allein auch diesem gelang es ebensowenig, eine jüdische Spur an dem ganzen Vorgang zu entdecken. Tatsächlich war die amtliche Untersuchung abgeschlossen, als der General Knox seine Depesche an das Kriegsamt absandte. Andererseits hat der Öberkommissar des britischen Auswärtigen Amtes Sir Charles Eliot, nachdem er vom General Knox eine gleiche Depesche erhalten, an den Justizminister Slarinkewitsch sich mit der Frage nach den Ergebnissen der Untersuchung gewandt, und von ihm eine Abschrift des Berichts erhalten, den Sir Charles Eliot doch wohl seiner Regierung weitergegeben haben dürfte. Es erheben sich nun folgende Fragen: Warum hat der Herausgeber des Weißbuches den amtlichen, vom Justizminrster Koltschaks gelieferten Bericht in das Weißbuch nicht ausgenommen? Ferner: Warum hat General Knox das Ergebnis der amtlichen Untersuchung, oas ihm doch wohl bekannt sein mußte, ignoriert?" Dr. Blank schließt: „Die amtliche Unterstützung, die der falschen, durch die Depesche des Generals Knox erhobenen Anklage dadurch verliehen wird, daß die Depesche in das von der britischen Regierung herausgegebene Weißbuch ausgenommen wurde, hat den Juden in der öffentlichen Meinung Englands und anderer Länder unzweifelhaft schweren Schaden zugefügt. Die einfache Gerechtigkeit fordert, daß dieser Schaden, wenn auch viel zu spat, wieder gutgemacht wird durch eine öffentliche Erklärung der englischen Regierung in beiden Häusern des Parlamentes." Es sind wahrscheinlich Gründe „höherer" Politik gewesen, die die Regierung von Großbritannien bisher verhindert haben, dieser einfachen Gerechtigkeitspflicht nachzukommen, der sich im Privatleben kein Gentleman entziehen würde .... Lucien Wolf hat diese gesamte Korrespondenz einschließlich der amtlichen Dokumente im Spätsommer 1920, also vor mehr als einem Jahre, in einer kleinen Broschüre veröffentlicht, die die Ueberschrift führt: „The Assassinaticm of the Tsar."