Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 11 (November 1921)
- Article
- Der Zarenmord und die Juden
- Date
- 1921-11-01
- Page
- 324 (sequence 5)
- Language
- German
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324 Im deutschen Reich. streckte? Diese Erwägung allein hätte genügen sollen, um die'ganze Sache in das Reich der Fabel zu verweisen. Aber da es sich um „die Inden" handelte, wurde die alberne Fabel geflissentlich aufrechterhalten, mit großem Eifer verbreitet und willig geglaubt. Inzwischen hatte . der russische Admiral Koltschak gegen die Bolschewisten eine „weiße" Armee organisiert, die anfangs siegreich war. Zugleich operierte in Sibirien eine-englische Armee unter General Knox.-, Der russische Admiral setzte eine förmliche Regierung ein, mit einem regelrechten Kabinett, dem als Justizminister einer der bekanntesten russischen Juristen, Starinkewitsch, angehörte. Das erste, was der Justizminister unternahm, war, eine Untersuchung einznleiten über die Vorgänge bei der Ermordung der Zarenfamilie. Die Untersuchung wurde im Dezember 1918 abgeschlossen. Der Chef der . UnLersuchungskommission, Nikolajeff, berichtet hierüber am 12. Dezember an seinen Justizminister Starinkewitsch. Gleichwohl berichtet der englische General Knox am 5. Februar 1919, also mindestens zwei Monate nach dem Abschluß dieser- Untersuchung, von Omsk aus an seine Regierung telegraphisch etwas - ganz anderes: Im Lokalsowjet von Jekaterinenburg gabes zwei Parteien, von denen die eine die Zarenfamilie um jeden Preis retten wollte, die andere dagegen, geführt von fünf Juden, - erstrebte den Tod der Zarenfamilie. Zwei von den fünf, namens Varnen und Sarafoff, die mit Lenin durch Deutschland , aus der Schweiz gekommen waren, wurden ansersehen, den Mord zu vollstrecken. Die Wache um das Wohnhaus des Zaren war unter dem Vorwand, sie habe 10 000 Rubel gestohlen, entfernt worden; an ihre stelle kam eine andere Wache, bestehend aus zehn Letten und drei Juden,, Laipon und Jurowski (der Name des dritten ist, unbekannt geblieben), kommandiert von .einem Russen namens Medojedow, einem bekannten Verbrecher,, der im Jahre 1906 wegen Mord und Brandstiftung und im Jahre 1911 wegen Notzucht an einem elfjährigen Mädchen abgeurteilt worden war. Es folgen nun Einzelheiten ü'ber den Vorgang, die für unsere Frage gleichgültig sind. Dieser. Bericht des Generals Knor an den englischen Kriegsminister wurde den Protokollen des Parlaments einverleibt und -in einem Weißbuch veröffentlicht. Er bildete natürlich ein gefundenes Fressen, für die Antisemiten aller Schattierungen. Obwohl nämlich aus den achtzig Prozent Juden nichts geworden war und unter allen Zareumördern nur fünf Juden a^lfzutreiben waren, der Hauytanteilaber den Letten und. dem abgestraften russischen Verbrecher Medojedow zufiel, so war doch von authentischer Seite . beglaubigt worden, daß. die. „jüdische" Partei im Lokalsowjet auf den Zarenmord, hinarbeitete und daß ein Jude den Opfern das Todesurteil vorlas. Das genügte natürlich, um nicht nur diesen paar Juden irgendwo in Omsk oder Jekaterinenburg, nicht nur allen Juden in Sibirien, nicht nur allen Juden. in Rußland, sondern auch denen in England,- ja, in der ganzen Welt einen. Strick zu-drehen. Die Londoner „Mcrning Post" und alle antisemitischen Blätter in. Paris, Berlin und Wien und überall in der Welt triumphierten. Haben wir's nicht immer, gesagt? Die Juden, sind an allem schuld, die Juden haben die russische Revolution gemacht, die Juden haben den Bolschewismus gemacht, die Juden haben den Zaren und seine Familie ermordet. Die Juden sind das 'königsmörderische Volk, alle Juden' der Welt waren für alle Zukunft gebrandmarkt... ... Die englischen Juden, die gewissermaßen als Mitschuldige der Herrn Jurowski und Genossen ^n Sibirien bezeichnet wurden, wollten den Makel nicht auf sich sitzen lassen und beschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. In London hatte der Jenisb Board of Deputies und die Anglo-Jewish associatioa ein Joint foreign coimuittee eingesetzt,