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Im deutschen Reich · 1921-11-01 · Heft 11 (November 1921) · p. 323

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 11 (November 1921)
Article
Der Zarenmord und die Juden
Date
1921-11-01
Page
323 (sequence 4)
Language
German
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Ter Zarenmord und die Juden 323 Offiziere bcfciHgieit den mißliebigen Herrscher oder die eigene Gemahlin, wie die „deutsche Zarin" Katharina die Große lenkte den Arm der Würger gegen das Opfer. Die Vorgängerin dieser „deutschen Zarin", die schöne Kaiserin Elisabeth, war der Schrecken aller Mitglieder des Zarenhofes und hatte eine besondere Vorliebe für das Abschneiden der Brüste jener hohen Frauen, die ihr aus irgendeinem Grunde verhaßt waren. . . . Der russische Historiker Lawrow sagt, es scheine ein Gesetz der russischen Geschichte zu sein, daß jeder russische Zar vom Moment seiner Thronbesteigung an zu einem gewaltsamen Tode verurteilt sei, nur sterben manche ausnahmsweise von selber, bevor der Moment der Urteilsvollstreckung gekommen ist. Der Zarenhof war vielleicht noch blutbefleckter als die italienischen Höfe der Renaissancezeit, wo Dolch und Gift zu den alltäglichen Bedarfsartikeln gehörten. Die russischen Zarenmörder rekrutierten sich durchweg aus den höchsten Kreisen, es waren Söhne, oft auch Töchter der hohen Aristokratie, des Grundand 'Schwertadels, der obersten Beamten des Reiches, sowohl des Zivilals des Mililärstandes. Diese Elemente bildeten die Verschwörungen, die einen Umsturz der unbeschränkten Autokratie erstrebten, um eine konstitutionelle Monarchie mit Parlamentarismus, Ministerverantwortlichleit usw. an deren Stelle zu setzen. Dieselben Elemente sind es gewesen, die im 19. Jahrhundert, verstärkt durch den Zuzug von Anhängern aus den Kreisen der bürgerlich-demokratischen Intelligenz, in Rußland die „permanente Revolution" wie ein unterirdisches Feuer unterhielten und das Land nicht zum Atemholen kommen ließen; sie erstrebten schon radikalere Ideale, Republik, soziale Revolution, Volksh^cschast, sogar Kommunismus. Unzählbar waren die Morde an Iren hohen und höchsten Würdenträgern des Staates. Es verging kein Monat, daß nicht aus Rußland mitten im tiefsteu Frieden die Kunde kam von einem Mordanschlag auf einen der Großfürsten, Generalgubernatoren, kommandierenden Generale, Staatsminister, Prokuratoren des heiligen Synod oder sonstigen Polizeigewaltigen. Rußland unterhielt eine bebesondere geheime Volizeitruppe, die berüchtigte „Ochrana", zahlreicher als das gesamte Streitheer manches mittelgroßen Staates, um die ständige Mordgefahr von den Häuptern der Mitglieder der Dynastie und der Vertreter der Staatsgewalt, abzuwehren, auf die die russischen Attentäter aller Grade lauerten, die aber trotz.aller Wachsamkeit in den meisten Fällen ihr Ziel erreichten. Immer sind die Attentäter ohne die Juden fertig geworden. Erst als es galt, Nikolaus II. aus dem Wege zu räumen, zuckte den weichmütigen echten Russen das übermrle Herz — und sie waren gezwungen, sich den Juden Jurowski, den ehemaligen Uhrmacher und Lebensversichcrungsagenren, mitsamt den 36 Letten zu verschreiben. Das ganze Problem dreht sich um die Person des Jurowski, der die Judenheit und das Judentum vor der Weltgeschichte verkörpert. Allein das Problem Jurowski hat eine Vergangenheit, und diese verdient eine ausführlichere Behandlung. Anfang August 1918 verbreitete sich in Europa die Nachricht, daß die ganze Zarenfami!> in Jekaterinenburg, Sibirien, irgendwo in der Nähe von Omsk, durch die Bolschewisten in einer grausamen Weise erschossen worden sei. In Paris erzählten ehemalige Zarengenerale und ähnliche Persönlichkeiten, die es wissen mußten, unter den Zarenmördern hätten sich, wie oben erwähnt, achtzig Prozent Juden befunden. Das harre von vornherein einige starke Zweifel erregen müssen. Sibirien war bekanntlich den Juden verschlossen. Woher konnten sich dort auf einmal so zahlreiche Juden sinden, daß sie die dortigen Sowjets beherrschten und sogar achtzig Prozent der Truppe stellten, die das grausame Todesurteil an der Zarensamilie voll- Wie fünf Iu den. die Lvcr Haupt nicht eristterten,vcr Zaren rmd seine Jamill' ermordeten.

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