Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1921)
- Article
- Im deutschen Reich
- Date
- 1921-10-01
- Page
- 296 (sequence 2)
- Language
- German
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296 3m deutschen Reich Judenfeinden durch Wanderredner, Zeitungen und zahllose Broschüren eine skrupellose Agitation zu entfallen, ihr Gift in weiteste volkskreise zu tragen und uns diese immer mehr zu entfremden. Leider sieben ungezählt viele unserer Glaubensgenossen dieser Hetze untätig und sogar gleichgültig gegenüber. Nicht jeder von uns ist ein Redner, nicht jeder ist in der Lage, für sein Recht mit der Feder-zu kämpfen; aber jeder ist in der Lage, sein Scherflein in die Kriegskasse des Tentralvereins zu zahlen. wer das nicht tut, leistet unseren Feinden helsersdicnste. wie im alten Israel sich jeder verpflichtet fühlte, seinen halben Schekel zu geben, so muß für jeden (Ehrenpflicht sein, zu geben „nach Maßgabe s e i n e r K r ä f L e, entsprechend dem Segen, den ihm Gott verliehen hat", wer möchte zu den Totengräbern des Judentums gehören? Jeder gehört dazu, der uns nicht in unserem Kampfe zur Seite steht. I. Baruch, Herford, Vorsitzender des Landesverbandes O st w e st f a l e n — L i p p e. * » * Gs hat etwas Beschämendes und Niederdrückendes für uns deutsche Juden, daß nach Jahren, in denen der Deutsche zur Genüge an sich selbst erfahren, was blinder haß vermag, wir zu einer Opferwoche aufrufen müssen, um Mittel zu schassen zur Verteidigung gegen offene und versteckte Feindschaft unserer Volksgenossen, mit denen wir für das gemeinsame Vaterland heilige Opfer an Gut und Blut gebracht. Ls ist unsäglich traurig, daß in Zeiten, wo die Not Hunderter von philanthropischen Anstalten, Vereinen und Hilfswerken und Stätten der pflege der Wissenschaft zum Himmel schreit, Geld verwendet werden muß zur Bekämpfung niedrigster menschlicher Instinkte. Aber gerade dies Bewußtsein muß uns überzeugen, daß schon reinster Selbsterhaltungstrieb uns alle zu uneingeschränkter Opferwilligen verpflichtet, um uns eine ruhigere Gegenwart und den kommenden Geschlechtern eine gesicherte Zukunft zu schenken. Die Tage der Selbstprüfung werden uns alle zu der Erkenntnis zwingen, die ich für unseren Tentralverein allen in Abänderung eines Prophetenwortes zurufen möchte: Liebe verlange ich und Opfer. Rabbiner Dr. Braunschweiger, Oppeln, stellv. Vorsitzender des Landesverbandes Oberschlesien. * * Der Kamps der deutschen Juden gegen ihre Unterdrücker ist ein bedeutsamer Teil des großen Freiheitskamxfes der Menschheit.