Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1921)
- Article
- Opferwoche
- Date
- 1921-10-01
- Page
- 282 (sequence 2)
- Language
- German
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282 3m deutschen Reich Kampf. Deutsche Juden, erfüllt Eure Pflicht! wir rufen Luch Goethes Worte zu: „wer Opfer heut Zu bringen scheut, Verdienet erst die Bande!" Dr. Brodnitz, Vorsitzender. * Lin furchtbares Schicksal hat der durch jahrhundertlange Knechtung mangelhaft entwickelte politische Sinn über die jüdischen Deutschen gebracht. weite Kreise nehmen ihre gesellschaftliche Aechtung als etwas Gegebenes hin, suchen sich der politischen Verleumdung gegenüber taub zu stellen und übersehen die wirtschaftlichen Gefahren, denen nach den Lehren der Wirtschaftsgeschichte in kritischen Zeiten der von der Mehrzahl der Bevölkerung verachtete Paria ausgesetzt war. So vergißt man die Herrlichkeit unserer Vergangenheit, auch wenn sie eine Leidensgeschichte war, man übersieht die Geistigkeit unsres Geschlechtes, die Erhabenheit jüdischer Weltanschauung, die würde der Ahnen, denen Ueberzeugungstreue und innere Ehrlichkeit über alles gingen, man opfert Ewigkeitswerte, die unsere Jugend beglücken könnten, nur um sich taub zu stellen. Vereinigung macht stark, würdevolles, mannhaftes Auftreten erwirbt Achtung; nur die Schaffung eines stahlharten Gesamtwillens bekämpft den Gegner. Ihr gebt das zu; aber Ihr könnt Luch nicht vom Gelde trennen. Lin Geschlecht, welches die a n d e r n zahlen läßt, ist n o ch i m m e r untergegangen. Ihr wollt in Ehren leben. Dann opfert, u m L u r e r Kinder willen. Ludwig Holländer. Die antisemitische Welle, von der wohl kaum ein Land Europas verschont ist, deren Ausläufer sich sogar schon in Amerika zeigen, droht in Deutschland zu einer Flut anzuwachsen, die den ganzen Bau unserer staatsbürgerlichen Rechte unterspült. Die republikanisch-demokratische verfassung des Deutschen Reiches, die dem Einzelindividuum einen beträchtlichen Einfluß auf das gesamte Staatswesen zusichert, bietet bei allen 'sonstigen Segnungen die Gefahr, daß gesetzliche Umwälzungen bei einem starken Ansturm der Massen unschwer erfolgen können, wenn nun auch die Furcht vor einer solchen Beschränkung unserer