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Im deutschen Reich · 1921-09-01 · Heft 9 (September 1921) · p. 269

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 9 (September 1921)
Article
Die Not der Schwestern
Date
1921-09-01
Page
269 (sequence 4)
Language
German
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Die Not der Schwestern 269 außergewöhnliche Mittel zur Abhilfe fordern, und sind bereit Opfer in weitestgehendem Matze zu bringen. Solche Opfer können aber nicht -durch Verbandsöeschluß vorgeschrieben werden; der einzelne herein muß wissen, wie weit seine Mittel reichen, und er darf nicht gezwungen werden, etwas zu versprechen, was er nicht unbedingt halten kann. Von Wolfs-Frankfurt ist jüngst der sehr erwägenswerte Vorschlag ausgegangen, an die Stelle des Gehalts ein Taschengeld zu setzen und der Schwester alle notwendigen Auf« Wendungen in natura zu gewähren. Da die Schwestern Wohnung, Verpflegung und Dienstkleidung bereits beziehen, so würde es sich vor allem um Beschaffung von Wäsche und Stiefeln handeln. Einzelne Vereine haben bisher schon den Aufwand für das Sohlen des Schuhwerks übernommen und Zuwendungen an Wäsche gemacht; kleinere Vereine mit besonders freigebigen Gönnern konnwn den Schwestern auch Stiefeln liefern. Es muß irr allen diesen Dingen besonders daraus gesehen werden, daß keine Vereinsschwester persönliche Geschenke annimmt, denn bei dem hohen Wert, welchen einzelne Bekleidungsstücke heute haben, ist es noch viel wichtiger als früher, Bevorzugungen zu vermeiden. Dagegen ist §uzugeben, daß die Lieferung von Bekleidungsgegenständen jeder Art den Verein viel oder wenig kostet, je nachdem ihm seine Mitglieder mehr oder minder günstige Bezugsbedingungen einräumen. Kleine Vereine werden hierin manchmal mehr Entgegenkommen finden als große, während andererseits mit der Zahl der Mitglieder die Möglichkeit billigen Bezuges wächst. Ter einzelne Verein muß somit tunlichst viel Freiheit in der Ausdehnung der Naturale ntlohnung besitzen. Der heroischste Weg Zur Erhaltung der jüdischen Schwesternschaft wäre natürlich die Zusammenlegung der Vereine. Aber keine Gemeinoe wird freiwillig aus ihren Verein verzichten, und kein Vorstandsmitglied wird davon ausgehen, daß gerade seine Mitglieder sich zu opfern hätten. Eine andere Frage ist es freilich, )ö nicht 5:e Not eine Anzahl Zweigstationen zur Auslösung zwingen wird, und niemand weiß heute zu sagen, ob und welche von den mittelgroßen Stationen sich am Leben erhalten können. Das Wichtigste ist und bleibt, wie ich in meinem vorjährigen Aufsatz des näheren auseina».dergcsetzt habe, die Herbeiführung eines neuen Geistes in den Vereinen. Die Arbeit um des jüdischen Namens willen muß Zweck und Ziel der Vereine werden, die Schwestern dürfen ihren Berus nicht unter dem Gesichtspunkt des Erwerbs ansehen, und die Kranken müssen sich bewußt sein, daß sie nicht bezahlte Arbeiterinnen, sondern Vertreterinnen werktätiger Nächstenliebe in Anspruch nehmen. Man kann von den Schwestern Zufriedenheit mit einer bescheidenen Lebensführung und Verzicht auf geldlichen Gewinn aus ihrer Arbeit nicht erwarten, so lange es Leute gibt, die vor der Schwester mit ihrem Wohlleben prahlen und über die ewige Bettelei der Schwesternvereine losziehen. Keine Geldsumme, und sei sie noch so hoch, aleicht die Liebe und Geduld aus, die eine rechte Pflegerin dckm .Kranken erweist. Die unaufhörliche Selbstverleugnung, welche die Pflege Schwerkranker erfordert, setzt bei der Schwester das

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