Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1921-09-01
- Page
- 262 (sequence 9)
- Language
- German
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Im deutschen Reich 803 Flüchtlinge wiederholt die Beschuldigung erhoben, daß sie versuchten, sich zu rituellen Zwecken E h r i st e n b l u t zu verschaffen. In allen diesen Füllen hat die Union durch sorgfältige Erhebungen au Ott und Stelle den absolut verleumderischen Charakter dieser Anklagen fest, gestellt und die Urheber und Verbreiter der gerichtlichen Bestrafung zugeführt. Nicht hoch genug kann es eingeschützt werden, daß die Union Klagen der Flüchtlinge über schlechte Behandlung und sonstige Miz. stände in den Internierungslagern zu Pohrlitz, Nilolsburg und Deutsch, brod eingehend prüfte und die Abstellung der Mißstände bewirkte. Ganz wie in Deutschland verlegtet! sich auch in Oesterreich die Antisemiten darauf, die Volksleidenschaften gegen die Juden auszustacheln, sie für den Ausbruch des Krieges und die Verzögerung des Friedens verantwortlich zu machen, sie der Drückebergerei, der unrechtmäßigen Bereicherung, \a des Landesverrates zu beschuldigen, obwohl die Verlustlisten und die glänzende Mitwirkung der Juden an allen Zweigen der Kriegsfürsorge bezeugten, daß sie ihre Pflicht gegen das Vaterland in jeder Beziehung tapfer und hingebungsvoll erfüllten. In zahlreichen Eingaben uub Denkschriften mt die beteiligten Ministerien und an das Armeeober, kommando sowie in persönlichen Vorstellungen bei diesen Behörden ist die Union bicfem Verleumdungsfeldzug entgegcngetteten und hat bet Wahrheit den Weg gebahnt. Den statistischen Nachweisen der Union über die restlose Erfüllung der militärischen Pflichten durch die jüdischen Armeeangehörigen ist es zu danken, daß die gehässigen und verlogenen Anwürse sehr bald.verstummten. Einige Male hatte die Union sogar gegen antisemitische Erlasse von seiten höchster Armeestellen einzuschreiten, so von seiten des Erzherzogs Eugen und des Generalobersten von Arz, jedesmal mit bestem Erfolg. Als unmittelbar nach dem Zusammenbruch das Kvalitionsministeümn die Regierung übernahm, machte sich in den einzelnen Refforts eine verschiedene Auffassung bezüglich derjenigen jüdischenBeamten gellend, die im „Neu-Ausland", d. I), in Böhmen und Galizien, beheimatet waren. Die Union setzte sich mit Erfolg dafür ein, daß diesen Beamten die österreichische Staatsbürgerschaft zuerkannt wurde und sie in ihre Aemter wiedereingestellt wurden. Als gleich daraus ein antisemitischer Antrag in der Nationalversammlung eingebracht wurde, daß künftighin nur Per- [oiien arischer Abstammung in Oesterreich Bemntenstellungen bekleiden dürfen, bewirkte die Intervention der Union beim Staatsches S e i tz und beim Siaatskanzler Renner, daß dieser verfassungswidrige Antrag in den Archiven der Nationalversammlung begraben wurde. In einer würdevollen und energischen Denkschrift an das Justizministerium protestierte die Union gegen die einseitige Beschuldigung der Juden als Kriegswucherer und Preistreiber und erbrachte durch sorgfältige statistische Erhebungen den Nachweis, daß die Zahl der wegen Kriegswuchcrs, Preistreiberei und Kettenhandels angeklagten Juden weit hinter dem prozentuellen Verhältnis der jüdischen zur christlichen Bevölkerung zurüablieb. Im April 1918 bewirkten einige führende Persönlichkeiten der Union, Or. Julius Ofner, Dr. Jakob Ornstei n und Siegfried Fleischer, in einer Aussprache mit dem Justizminister die Begnadigung des Leopold tzilsner. Damit hat der nahezu zwanzigjährige zähe Kampf der Union um die Befreiung dieses schuldlosen Opfers des Ritualmordwahnes ein erfolgreiches Ende gefunden. Die Wiederaufnahme des Prozesses wäre jetzt.Ehrenpflicht des tschechoslowakischen Präsidenten Massaryk, der seinerzeit den Mut fand, im Widerspruch zur ganzen öffentlichen Meinung seines Volkes, öffentlich für die Schuldlosigkeit Hklsners einzutreten.