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Im deutschen Reich · 1921-09-01 · Heft 9 (September 1921) · p. 263

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 9 (September 1921)
Article
[Ohne Titel]
Date
1921-09-01
Page
263 (sequence 10)
Language
German
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Wie sie das Voll betören 263 Daß trotz aller Gutmütigleit der Teutsch-Oeslerreicher sogar der blutrünstige Pogrom-Antisemitismus hier sein Haupt erheb!, beweist die Rede des ehemaligen Abgeordneten Stock er aus einer Versammlung dcs steierischen Bauernbundes, in der offen zur Ausrottung der Juden aufgesordert wurde. „So ein Pogrom braucht nicht einmal allzu blutig zu verlausen, denn wcmn auch nur ein Dutzend Juden einmal an Laternenpfählen baumeln, dann verschwinden die übrigen von selber." Die Union hat gegen Herrn Stöcker bei der Staatsanwaltschaft in Gratz die Strafanzeige erstattet. Die Untersuchung ist noch in der Schwebe. — Aus dieser kurzen Skizze kann man ermessen, welche Leistungen dis Union vollbracht hat und welche Aufgaben die Abwehr des Arttisemitis- Die Wiener mus in Deutsch-Oesterreich zu bewältigen haben wird. Außer der Union Loge unv di« hat auch die Loge Humanität, an deren Spitze der Professor S. Ehr - WieverLllianz mann steht, ein Mann, der sich in der Wissenschaft wie im gemeinnützigen Wirken eines gleich hohen Ansehens erfreut, der Bekämpfung des Judenhasses ihre "Aufmerksamkeit zugewendet. Prof. Ehrmann sitzt auch im Ausschuß der „Wiener Allianz", die am Anfang das amerikanische Unterstützunaswerk für die Flüchtlinge leitete. An der Spitze der „Allianz" steht Dr. Kura n der, der die glänzendsten Traditionen der Wiener Judenheit verkörpert. Der Sekretär, Dr. A. Karn i k a, ein rühmlich bekannter Gelehrter und Schriftsteller, hat sich auch als Organisator hervorgetan. Hoffentlich gelingt es den vereinten Kräften dieser Organisationen, der antisemitischen Sturmflut einen Damm entgegenzusehen. Wie sie das Volk betören. Von Rabbiner Dr. L o e v y - Berlin.*) II. Seit fast vier Jahrzehnten haben zahlreiche Männer von Weltruf, darunter Franz Delitzsch, Strack, M e r r, mit wissenschaftlicher Gründlichkeit und heiligen Eider: die Beschuldigung des illi t u a l m o r d e s, welche Professor Rohling und der zweimal getausre Brimann-Jnstus gegen oas Judentum geschleudert, als frevelhafte Lügen gebrandmarkt nnd die antisemitische Tagesliteratur allmählich in diesem Punkte zum Schweigen gebracht. In den letzten Wochen ist nun dieses Gespenst wieder' aufgetaucht, wrd zwar als unheimlicher Begleiter der gegen das Judentum erhobenen Anklage, von Religions wegen Mädchenschändung, Mädchenhandel und Nassenverschandelung zu erlauben, m zu empfehlen. Tie antisemitischen Blätter schreiben eins vom andern wörtlich oder mit Kommentar ad und zwingen uns, nachdem wir dem gewissenlosen Spiel eine Weile zugej?hen — weil es einen Gegenstand Betrifft, den man öffentlich auS Schicklichkeitsgründen nur mit Widerstreben berührt — nun endlich doch das Wort zu ergreifen, un: der Verbreitung des Giftes Einhalt zu tun und mit der trüben Quelle eine Fälschung ohnegleichen aufzudecken. Diese Quelle, sie fließt weder in der Bibel, noch im Talmud oder Schulchan Aruch, sie rinnt verborgen unter dem wirren phantastischen Gestrüpp der Kabbala, welche, vor jeder Aufklärungsperiode innerhalb des Judentums überwunden zurückrreichend, immer wieder in Zetten der Verzweiflung und mystischen Dranges wie ein erstickender Nebel sich über die Geister legte. Hier handelt es sich um eine Stelle aus dem von dem bekannten Kabbalisten Chajrm Vital (1600) verfaßten Leier hamkutim S. a. Heft 7/6 dieser Zeitschrift.

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