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Im deutschen Reich · 1921-09-01 · Heft 9 (September 1921) · p. 260

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 9 (September 1921)
Article
[Ohne Titel]
Date
1921-09-01
Page
260 (sequence 7)
Language
German
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260 Im deutschen Reich Wonne und ein Stolz, in diesen Bänden zu blättern, da wir daraus er. sehen können, wie warm und begeistert die hohe und höchste Weltdiplomatie Europas mit den gekrönten Häuptern an der Spitze, sich der unglücklichen Juden annahm, ach, leider mit so ganz geringem Erfolg! Die Anden in Rumänien blieben nämlich nach wie vor entrechtet und Heimatlos, und in regelmäßigen Abständen sauste ein Pogromsturm über sie dahin. Aber mit Ausbruch des Krieges entstand in Rumänien eine . patriotische Stimmung, die den Juden sehr günstig war, zumal diese sich frage aus dem in hervorragender Weise um das Vaterland verdient machten. Mai: BerUner durste also erwarten, daß der Berliner Kongreß, der dm Kongreß Fürstentum die vollständige Unabhängigkeit sichern sollte, die Inden endgültig erlösen würde. Zum Kongreß entsandte denn auch die Pariser Alliance zwei ihrer bewährtesten Vorkämpfer, und die ganze große Presse Europas brachte regelmäßige Berichte über die Erfolge dieser Männer bei den leitenden Persönlichkeiten des Kongresses. Bismarck, Hohenlohe, Gortschakoff, Schuwalosf, Beaconssield, Andrassy, Salisbury. Alle, alle gaben sie die besten Zusicherungen, waren begeistert, herzlich und human. Die Zukunft der rumänischen Juden schien gesichert. Damals verbreitete und befestigte sich in der Welt die Legende, daß „die Juden" mittels der Pariser Alliance auf die europäische Weltpolitik "einen geheimnisvollen, gewaltigen Ensluß ausüben. Die Juden hatten die Weltherrschaft an der sich gerissen und lenkten die europäischen Kabinette nach ihrem Willen, der Weltherr-- Dieser Legende bemächtigte sich der bald daraus gewaltig erstarkte Anti« schafr der semitismus, und es ist bekannt, wieviel Unheil sie gestiftet hat. Sie bildet ,-,uden noch heute eine der gefährlichsten Waffen gegen uns, da sie die Phantasie der Massen unheimlich erregt, und sie veranlaßt, überall schreckliche, von seiten der Juden drohende Gefahren zu wittern. Im Jahre 1878 war die Sachlage folgende: Die Juden in Nn« mänien erstrebten die Anerkennung ihres tz e i m at r e ch t e s, welches ihnen seit zwölf Jahren widerrechtlich aberkannt wurde und die n{«■ Hebung der furchtbaren A n s n a h m e g e s e tz e. Die p o I i t i f ch e Gleichberechtigung war ih-en minder wichtig, da ja auch die ganze Bauernschaft und überhaupt die große Masse der Bevölkerung iu Rumänien politisch rechtlos war. Wahlrecht, Zutritt zu den Aemtern hatte für sie nur geringen Reiz. Sie wollten nur sicher sein, nicht wie vogelfreie „Ausländer ohne ausländischen Schutz" behandelt und in ihrer wirtschaftlichen Betätigung durch Ausnahmegesetze behindert werden zu dürfen. Ihre westeuropäischen Vorkämpfer dagegen wollten für sie nach der Schablone die politische Gleichberechtigung erkämpfen. Das gelang ihnen auch, und, wie wir gesehen, bestimmte die neue rumänische. Verfassung die völlige Gleichheit aller rumänischen Bürger ohne Unterschiei des Bekenntnisses, also auch der rumänischen Juden, vor dem Gesetz ui jeder Hinsicht. Allein die westeuropäischen Vorkämpfer hatten vergessen, ihren Schützlingen vorerst da! Heimat recht zu erkämpfen. Laut der neuen Verfaffung waren zwar alle rumänischen Juden vollkommen gleich« berechtigt, allein es gab keine rumänischen Juden, denn allk Juden in Rumänien waren nach wie vor „Ausländer ohne ausländischer Schutz" und sind es bis auf den heutigen Tag geblieben. Alle Ausnahme« gesetze durften nach wie vor gegen sie gehandhabt werden und wurde! Die rumä. auch nur noch mit verdoppelter Rücksichtslosigkeit gehandhabt. — Zw öl! nbasopferCn Jahre hatte Paris und London für die rumänischen Juden gekämpft eines kleinen aber im entscheidenden Moment übersahen die Vorkämpfei weltdiplo. die Hauptsache. Nur der italienische Kongreßdelegierte Graf dl 'icbens' Lau nay bemerkte einige Tage nach dem „Siege", als der berühmt! Judenartikel des Berliner Vertrages kodifiziert werden sollte, daß ohnr

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