Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1921-09-01
- Page
- 258 (sequence 5)
- Language
- German
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253 Im deutschen Reich Ein« interessaute gefchtchtllche Parallele Die Judenfrage in Rumänien wistermaßen das Protekto.at über „Kol Jißroel" übernommen. Eine ganze Reihe von jüdischen Persönlichkeiten galten, jede im besonderen, als die „rechte Hand" oes amerikanischen Präsidenten. Goldene Berge wurden den Juden versprochen; man versicherte, es werde eine Bestimmung getroffen werden, wonach die Regierungen der einzelnen Länder str etwaige Pogrome besonders haftbar gemacht werden. (Das hat sich oie Ukraine besonders zu Herzen genommen!) Alle großen jüdischen Organisationen in Amerika, England und Frankreich verwendeten sich im Olymp zu Versailles für die armen Brüder im Osten. Außerdem bildete sich in Paris eine noch heute bestehende Organisation, das sogenannte „Komitee der Delegationen", welches sogar den Anspruch erhebt, die offizielle Vertretung der gesamten jüdischen Nation vor den Weltmächten zu bilden. Wilson entsandte sogar Zunl größten Aerger seines Kollegen und Freundes P a d e r e w s k i eine eigene Untersuchungskommission nach Polen, um die. Gerüchte über die dortigen Pogrome zu prüfen. (Die Kommission stellte bekanntlich fest, daß es in Polen ül>erhaupt keine Pogrome gegeben habe. Die Juden hätten bloß davon geträumt, daß sie gemordet und geplündert worden wären . . .) Und unter, allen diesen Wächtern Israels fand sich feiner, der ahnen mochte, daß in dieser Zeit das Wörtchen Rasse für die Juden verhängnisvoll werden konnte . . . Die Folgen einer ähnlichen Unterlassungssünde, die vor 43 Jahren begangen wurde, lasten noch heute schwer auf den Juden in — Rumänien. Im Jahre 1878 bestimmte bekanntlich der Berliner Kongreß, daß die Unabhängigkeit des neugebackenen Fürstentums Rumänien nur unter der Bedingung anerkannt werden dürfe, daß es den Juden vollkommene politische Gleichberechtigung gewähre, d. h., daß es in seine Verfassung einen Art'^c einfüge, auf Grund besten der Unterschied des Bekenntnisses für die Ausübung aller bürgerlichen und politischen Rechte kein Hindernis bilden dürfe. Unter dem Druck der Großmächte nahm der kaum auS dem Ei gekrochene Kleinstaat nach heftigem Sträuben diesen Artikel in seine Verfassung auf. Und dennoch sind die Juden Rumäniens bis au'' den heutigen Tag nicht nur rechtlos, sondern heimatlos, sie figurieren in den amtlichen Verzeichnissen als „Ausländer ohne ausländischen S ch u tz". Aus Rumänien können sie, auch wenn die Vorfahren bis ins sechste Geschlecht im Lande geboren imb erzogen waren, ohne weiteres als lästige Ausländer ausgewiesen werden. Dabei sind sie gezwungen, olle Lasten des Inländers, namentlich den Militärdien st, zu leisten, denn sie stihen ja unter keinem ausländischen Schutz. Diese unerhörten, einzig in der Welt dastehenden Zustände (wie sich die Lage im neuen Rumänien gestalten wird, schwebt noch im unklaren) waren die Folge einer Unterlassung. Man kann die Geschichte in der Schrift: „Rumänien und seine Juden" (Berlin, Nibelungen-Verlag 1918) Nachlesen. Sie klingt wie eine bittere Satire. Im Jahre 1866, mit der Thronbesteigung des Fürsten Karl von Hohenzollern, beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Juden Rumäniens. Der Fürst brachte die auf der mehr als 30 Jahre zurückliegenden ru s sisch e ^Gesetzgebung beruhende Auftastung zur Geltung, wonach die Juden in Rumänien eine „besondere fremde Nation" bildeten und somit Ausländer waren, die erst der Naturalisation am Lande bedurften, um überhaupt als Rumänen». angesehen werden zu können. Aber ein Artikel der vom Fürsten (nachmaligen König) Carol I. erlassenen Verfassung gestattete in Rumänien nur „Ausländern der christlichen Riten", naturalisiert zu werden. Die int Lande seit Jahrhunderten ansässigen Juden waren also mit einem Strich als Ausländer erklärt und teilen zugleich die Naturalisation unmöglich gemacht. Dieser Artikel der