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Im deutschen Reich · 1921-09-01 · Heft 9 (September 1921) · p. 257

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 9 (September 1921)
Article
[Ohne Titel]
Date
1921-09-01
Page
257 (sequence 4)
Language
German
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Jüdische Rundschau 257 siawen, Ruthenen, die alle auch außerhalb Oesterreichs ihre Konnationalen hatten. Die Rasse iin anthropologischen Sinne fümUe schon aus dem Grunde nicht gemeint sein, wer! keine Behörde in der Welt befähigt ist, die Rassenzugebörigkeit eines heutigen Menschen sestzustellen. Zu welck>er Rasse müßte übrigens der Bewerber gehören? Zur germanischen? Ein sehr großer Teil der christlichen Bevölkerung MenZ stammt von tschechischen Eltern, die nach Niederösterreich eingewandert sind, wie die Familiennamen beweisen, und die noch nicht deutsch sprechen kennten, deren Nachkommen jedoch unverfälschte Deutsche sind. Vor kurzem fand eine Zusammenkunft zwischen dein tschechischen Präsidenten Masaryk und dem österreichischen Harnisch statt; beide Staatsoberhäupter waren von je sechs hohen Würdenträgern begleitet. (Die Ver- Handlungen wurden natürlich in deutscher Sprache geführt, denn die Prager verstehen ausgezeichnet Deutsch, während die Wiener kein Wort Tschechisch verstehen.) Es traf sich nun, daß alle sechs tschechoslowakischen Staatsmänner deutsche und alle sechs deutsch-österreichischen slawische Familiennamen trugen. Die Tschechen waren also unzweifelhaft germanischer und die Deutsch-Oesterreicher slawischer Rasse. Es war wie eine grimmige Satire auf die Rassenlehre. Wie soll nun das Opüonsamt bei jedem einzelnen Bewerber prüfen, ob er zur germanischen Rasse gehöre? Dieser ganze Passus wurde mir ausgenommen, um das arme Deutsch-Oesterreich vor der Tschechisierung zu schützen. Bekanntlich arbeitetet! die Tschechen seit Jahrzehnten daran, Niederösterreich und besonderi Wien, wo derer mehrere Hunderttansende wohnen, zu „erobern". Der Friedensschluß mit seinem famosen „Minderheitsschutz" gab ihnen nun die Möglichkeit, vom Staate tschechische Schulen, tschechische Amtssprache, tschechische Verwaltungssprache ufnu zn fordern. Bei der ersten Wahl zur Nationalversammlung wurde in Wien ein Tscheche gewählt, der im Parlament durchaus tschechisch reden wollte. Dazu kam, daß die jüdischen Nationalisten den seltsamen Einsall halten, die jüdische Bevölkerung ebenfalls als fremde Nationalität zn konstituieren und sie unter den Minderheilsschutz zu stellen. (Das Ansinnen ist allerdings an dem gesunden Sinn d?r jüdischen Bevölkerung gescheitert.) Dieses unglückliche Lan) sah sich also von der Gefahr bedroh!, zu allen Echwierigkeiren auch noch im Innern eine Reihe von zentrifugalen Mächtten erstarken zu sehen, die ihm seine Existenz nur noch unerträglicher machen könnten. Davor sollte Deutsch-Oesterreich durch die Bestimmung geschützt werden, daß es nur solchen Personen die Staatszugehörigleit zu gewähren verpflichtet ist, die durch Sprache und Nationalität der Mehrheit der Bevölkerung angehören, und dadurch die Gewähr bieten, daß sie .nicht mit der Zeit zu einer „Minderheit" heranwachsen, die Sonderbestrebungen hegt und auswärtigen Schutz anruft. Es sollte, wie gesagt, heißen, „Nationalität und Sprache", aber die Herren der Welt zu Versailles harten von dem wahren Sachverhalt auch in diesem Falle keine Ahnung, setzten gedankenlos, dem französischen Sprachgebrauch folgend, Rasse für Nationalität, ohne die geringste Erläuterung hinzuzufügen. Eine feindselige Behörde bedient sich nun des toten Buchstabens, um tausenden Juden die Existenz unmöglich zu machen. Abermals hat also ein kleines Wörtchen in einer weltpolitisches Urkunde großes Unheil über die Juden gebracht, die eben diese Urkunde, diesmal durch Zuerlemumg des Minderheitsschutzes und Anerkennung als „Nation", beglücken sollte. Mein diesmal wachten in Paris, nicht wie vor 105 Jahren bloß einige hochgestellte Privatleute, Bantiers und Salondamen, sondern eine Reihe von mächtigen Organisationen. Wilson, dazumal der größte Mann der Welt, hatte alle Forderungen der Juden anerkannt und ge- Eine Sattr« »Ls dt «Raff enl«hr« Abermals ein VerhängnisvollerSchreibfehler LS schliefen die Wächter. Israels!

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