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Im deutschen Reich · 1921-09-01 · Heft 9 (September 1921) · p. 255

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 9 (September 1921)
Article
[Ohne Titel]
Date
1921-09-01
Page
255 (sequence 2)
Language
German
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Jüdische Rundschau l'55 tet Jagd und beim ßiixt. Mau kann hierüber in der gediegenen und glänzend geschriebenen Monographie von Dr. Salo Baron viel Erbauliches Nachlesen, die vor Jahresfrist in Wien bei R. Löwit erschien und an Fülle des Materials, an Ueberlegenheit und Reife des Urteils und Klarheit der Darstellung eine der wertvollsten Arbeiten auf historischem Gebiete bildet. — Ter erste Versuch, die Judenfrage, wenigstens zu einem kleinen Bruchteil, weltpolitisch zu lö[cit, endete für die Juden mit einem bitteren Fiasko. Hundertundfünf Jahre nach jenem Wiener Kongreß tagte abermals Hunvertrmd. ein weltpolitischer Friedenskongreß, diesmal in Versailles (1919), und auch dieser hatte eine Anzahl „Judensragen" zu lösen, u. a. die OPtions - - frage der Bürger des ehemaligen Kaiserstaatcs Oesterreich. Was sollte mit den sehr zahlreichen Personen geschehen, die, zuständig nach einer der jetzt von Oesterreich abgetrennten Provinzen, wie Böhmen, Galizien und Dalmatien, seit Jahrzehnten in der jetzt neugeschasscnen Republik Deutsch- Oesterreich ibren Wohnsitz haben und hier mit ihrem ganzen Dasein verwurzelt sind? Es wurde festgesetzt, da^ es ihnen sreistehe, für ihre zweite lige Helfer stellt Euch sofort in Massen Eurer zuständigen Ortsgruppe zur Verfügung. Für besonders verdienstvolle Mitarbeit werden vom Vorstände künstlerische Ehrendiplome verliehen. Heimat, die in Wirklichkeit ihre einzige ist, zu optieren, d. h. wenn sie das Bürger- und tzeimatrecht in Deutsch-Oesterreich beanspruchet!, dieses thnen zuerkannt werden Obusse, wmn gewisse Bedingungen gegeben sind. Nun, sehen wir zu, was dabei herauskommt. Ein Fall für tausend: Es optiert für -Oesterreich ein nach Prag zuständiger ehemaliger österreichischer Staatsbürger, der 1866 in Dresden geboren wurde, wo seine Eltern dazumal wohnten. In Dresden absolvierte er die Volksschule, studierte dann in Prag an der dortigen deutschen Staatsrechtsschule und beendete seine Studien an der dortigen deutschen Handelsschule. Seit Octiond» Jahrzehnten wohnt er in Wien. Sein Optionsgesuch wird abgewiesen mit frage in der Begründung, „er habe den Nachweis nicht erbracht, daß Oesterreich er nach Rasse und Sprachezur deutschen Mehrheit der Bevölkerung Oesterreichs gehört". Der Betreffende ist namlid) Jude. Waren seine Eltern Tschechen, Polen, Magyaren, Slowenen, Serben, Kroaten, sein Optionsgesuch wäre ohne weiteres genehmigt worden, wie Lausende Fälle beiveisen. Ja, es sind bisher auch Juden, die Nachweisen konnten, daß sie deutsche Volksschulen besucht haben und sich der deutschen Sprache im täglichen Umgang bedienen, anstandslos in den österreichischen Staatsverband ausgenommen worden. Aber seit Monaten weht in den maßgebenden Kreisen ein antisemitischer Wind. Es hat sich ein christlich-sozialer Ueverwachungsausschuß gebildet, der daraus hinarbeitet, daß die entscheidenden Stellen nicht „zuviel Juden" in den österreichischen Staatsverband aufnehmen. Anfangs hieß eS, man wolle sich

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