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Im deutschen Reich · 1921-09-01 · Heft 9 (September 1921) · p. 254

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 9 (September 1921)
Article
[Ohne Titel]
Date
1921-09-01
Page
254 (sequence 1)
Language
German
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Im deutschen Reich 254 Jüdische Rundschau. Die Jrrdenfraye in der Weltpolittr — Auf dem Wiener Kongreß — Hundert» vndfünf Jahre spater — Die OpNonSfrage in Oesterreich — Ein Jude, um den man sich reißt — Raffe, Nationalität und Sprache — Eine Satire auf Li» Rassenlehre — Abermals ein verhängnisvoller Schreibfehler — ES schliefen di, Wächter Israels! — Eine interessante geschichtliche Parallele — Die Juvenfrag, in Rumänien — Wie die Weltpolitik für die rumänischen Juden kämpfte — Die Judenfrage auf dem Berliner Kongreß — Ursprung der Legende von der Weltherrschaft der Juden — Die rumänischen Juden als Opfer eines kleinen weltdiplomatischen Versehens — Die steigende antisemitische Hochflut — Gemüt» Ucher Antisemitismus — Die OcsterreiLisch-ifraelitischs Union und ihr» Leistungen — Die Wiener Loge und die Wiener Allianz. Di- Jude«- „Die Judenfrage in der Weltpolitik" wäre ein dankbares Thema für WUrpollM* einen Geschichtschreiber. In der neuesten Zeit war die Judenfroge wohl zum erstenmal Gegenstand der Beratungen eines wellpolitischen Kongreßes, nämlich des Wiener Kongresses 1814/15. Zugunsten der Juden, nämlich der Juden Deutschlands und Oesterreichs, deren Emanzipation damals verhandelt werden sollte, verwendeten sich bei den Mächtigen dieser Erde eine ganze Anzahl einflußreicher jüdischer Herren und Damen, die in Wien, dank ihrem Reichtum und ihrer Bildung, glänzende Stellungen «rinnahmen und in deren Häusern sogar die gekrönten Häupter der auf dem Kongreß vertretenen Staaten verkehrten. Die jüdischen Gemeinden Deutschlands hatten nach Wien Fürsprecher entsandt, die ihre Sache za führen hatten. Frankfurt a. M. z. B. war durch wen Vater von Ludwig Börne vertreten. Die Stimmung war für die Juden sehr günstig. Es hieß, daß der Zar Alexander I., der neben T a l l e y - raub eine der bedeutendsten und in noch einem ganz anderen Sinne als dieser maßgebende Persönlichkeit des Kongresses war, sich eifrig für sie einsetzte. Es handelte sich darum, daß den Juden in den einzelnen deutschen Kleinstaaten die ihnen voll Napoleon I., als dem Vollstrecker der Grundsätze der französischen Revolution, verliehenen Bürgerrechte gewahrt blieben. Diese Forderung der Juden wurde denn auch vom Wiener Äene? Kongreß zum Beschluß erhoben. Aber bei der Schlußredaktion der Bnn- Kons"- desakte geschah ein Unglück. Das fleiiie unbedeutende Wörtchen „tu* wurde auf eine unerklärliche Weise in „von" verwandelt. Der Artikel 101 der Bundesakte lautete also: „Jedoch werden den Bekennern dieses (des jüdischen) Glaubens die bis dahin denselben von den einzelnen Bundesstaaten eingeräumten Rechte erhalten." Leider waren die von den Bundesstaaten den Juden verliehenen Rechte, trotz des seelischen Aufschwunges während der Befreiungskriege, fast gleich Null. So kam es, daß die Juden rechtlos blieben; die Juden in Hamburg konnten vom .Bürgertum galiz ausgeschlossen, die von Frankfurt a. M. mittelalterlichen Beschränkungen aufs neue unterworfen, die von Bremen und Lübeck gar ausgetrreben werden. Eine Phase heftigster Reaktion, begleitet von der Hepp-Hepp-Bewegung, brach als unmittelbare Folge der befreienden Tätigkeit des Wiener Kongresses über die Juden von ganz Deutschland und Oesterreich herein und dauerte nahezu 25 Jahre. Und das alles sozusagen um einen Schreibfehler, um ein kleines einsilbiges Wörtchen, dessen Aenderung sogar von den beiden Hauptvertretern Deutschlands, Hardenberg und Metternich, die es sehr gut mit den Juden meinten, nicht bemerkt wurde. Wer war der bösartige Kobold, der diesen verhängnisvollen Fälscherakt vollführt hatte? Man behauptet, es sei Gentz gewesen, der ständige Sekretär des Kongresses, der'Vater des Bestechungswesens, der sich in seinen Erwartungen von seiten der Juden arg getäuscht sah. Wo aber waren die Wächter Israels, alle die glänzenden und einflußreichen jüdischen Herren und Damen, in deren Salons die gekrönten Häupter verkehrten und die das Schicksal ihrer Glaubensgenossen in Händen hielten? Im entscheidendetr Moment waren sie auf

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