Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1921-09-01
- Page
- 252 (sequence 5)
- Language
- German
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252 Im deutschen Reich NnttsemMK« inuS und Studentenschaft V^eue Bahnen der Zugend Der Fanatismus des Judenhasses feiert seine Orgien am tollsten da, wo man am ehesten den Willen zu gemeinsamer Arbeit finden sollte: in der Jugend. Wieder einmal hat die Studentenschaft deutscher Zunge, als sie in Erlangen zusammenkam, kostbare Stunden der Judenfrage gewidmet. Es schien allerdings, als ob auf dieser Versammlung endlich die vernünftigeren Elemente die Oberhand gewännen. Nach heißem Kampfe wurde wenigstens für die deutsche Studentenschaft der Grundsatz des Staatsbürgertums als Voraussetzung der Zugehörigkeit angenommen, während die österreichische Studentenschaft, die, weil es ihrem Lande uni so schlechter geht, auch um so antisemitischer sein darf, das Russeprinzip für sich in Anspruch nahm. Eine nach heißem Kampfe zwar nicht befriedigende Lösung, die aber immerhin einen gewissen Fortschritt zu bedeuten schien. Kaum aber ist der Studenientag anseinandergegangen, geht der Kampf von neuem los: eine Reihe örtlicher Studentenschaften sagen diesem Beschluß die Fehde an; die Vertreter, die in Erlangen den Raffesanatikern die Spitze geboten hatten, werden des Verrates am Deutschtum geziehen; und es eröffnet sich also die liebliche Aussicht, daß demnächst der Kampf noch einmal, vielleicht noch wilder und noch häßlicher, losbrechen wird. Es graust einem vor so viel Verblendung in den Tagen, in denen über das Schicksal kostbaren deutschen Landes entschieden wird. Hie': wie da Würfelspiel: der Einsatz ist letzten Endes deutsche Kultur. Was nicht fremdländischer Staatskunst gelingt, das bemühen sich deutsche Jünglinge zu erreichen, indem sie immer und immer wieder neue Feindschaft und neuen Haß säen. Dieser Autiseinitismus in der Jugend ist um so betrüblicher, als heute überall in der Jugend sonst neue Bahnen begangen werden. Ein einheitliches starres Sehnen durchzieht die gesamte deutsche Jugend, gleichviel welcher Richtung und welchen Glaubens: es ist das Sehnen de: Jugend nach einer Läuterung der Menschheit. Aus dem Zusammenbruch unserer Tage, so meint sie, könne sich die Menschheit nur emporreißen, wenn sie unendlich vieles, was ihr bisher Gewöhnung war, abstreift und sich Neuem zuwendet. Und nun ist es das Tragische, daß dieses unendlich lobenswerte Streben der Jugend in seiner Einheitlichkeit, die allein einen Erfolg verbürgen würde, gerade durch die starken antisemitischen Beimischungen auf das allerschwerste geschädigt und gefährdet wird. Vielleicht aber bricht doch eines Tages die Erkenntnis durch, daß auf dem Wege zur Erneuerung der Menschheit als erstes der grundlose und durch tausend