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Im deutschen Reich · 1921-09-01 · Heft 9 (September 1921) · p. 250

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 9 (September 1921)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1921-09-01
Page
250 (sequence 3)
Language
German
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250 Im deutschen Reich «nilsemmr. mus im Deutsch- Oesterreichlsch. Llprnverein kann es sich wohl vorstcllen, daß so mancher, der fremd in diese deutsche Welt hineingerät, aus dem Kopfschütteln über diese sonderbaren Vorgänge nicht herauskommt. Und was muß dieser Fremde erst sagen, wenn er erfährt, daß beinahe die stolzen Gipfel der Alpen auch nur noch von Reinariern hätten erklommen werden dürfen. Wundervoll weit hätten wir es doch gebracht, wenn nur noch blondgelockte Arier das wundervolle Bild der Alpenlandschaft in sich hätten aufnehmen, wenn nur noch sie unter Todesgefahr Schnee und Eis hätten überwinden und nur noch sie in den Gletscherspalten den Tod hatten finden dürfen! Ist doch tatsächlich auf der letzten Verbandstagung des Deut sch°Oe st erreich ischen Alpenvereins die Frage des Ausschlusses der Juden nicht nur ventiliert, sondern sogar von einer starken Minorität bejaht worden. Nichts zeigt deutlicher, wie weit die Fanatisierung der Massen gediehen ist, als dieses Ereignis. Ein Verein, der mit Politik so wenig zu tun hat wie ein Fußballklub mit Kantscher Philosophie, wird durch die Debatte über die Judensrage beinahe zur Auflösung getriebenl Das kann eben nur dann geschehen, wenn das schleichende Gift des Judenhasses den Verstand selbst der Gebildeten unserer Zeit anzufressen begonnen hat. Man muß sich endlich klar darüber werden, daß nicht nur gewerbsmäßige Antisemiten nicht sehen wollen, sondern daß zahlreiche Menschen nicht mehr sehen können. Nicht die Männer vom Schlage eines Dinter, eines Wulle, eines Aeventlow sind heute die Träger des Antisemitismus in Deutschland, sondern er hat jetzt seine feste Stütze in einer sehr breiten Volksschicht, die sich aus allen Kreisen zusammen setzt und die eingeschworen ist auf die Dognien des Judenhasses. Daher, weil eben die lauten Schreier ein wenig zurückgetreten sind, besteht die leider unrichtige Ansicht, daß die ÄLellen des Antisemitismus abgeebbt seien. Oft genug haben wir früher gerade an dieser Stelle vor einem unbegründeten Optimismus gewarnt. Und es sei nicht unterlassen, nachdem seit langer Zeit zum erstenmal hier wieder die Gelegenheit dazu gegeben ist, erneut zu unterstreichen, daß nichts gefährlicher ' ist, als sich in Hoffnungen zu wiegen, die doch eines Tages grausam zerstört werden. Niemals hat sich deutlicher als jetzt gezeigt — wir wiesen auch darauf früher wiederholt hin —, daß der Kampf gegen den Antisemitismus nicht nur Sache des Vereins, sondern auch Sache des einzelnen ist. Wäre jeder einzelne Jude rechtzeitig auf dem Posten gewesen, hätte er für nötige Auf«

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